Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Lou Reed, Metallica, Retrotrends, Feuerzeugen und Jürgen Drews

Die Woche der alten Männer. Florian Schneider hat beim Blick ins Feuilleton unter anderem Loutallica, Klaus Theweleit und Karl Bruckmaier getroffen. Fazit: Es steht nicht gut um uns und den Pop im Besonderen, alles schon mal dagewesen.

Master Of Puppets

„Lulu“ das neue Album von Lou Reed und Metallica wurde mit Häme und Kritik überhäuft, jetzt ist es Zeit, das Werk zu verteidigen. Alexander Menden erklärt „Lulu“ in der Süddeutschen zu „anderthalb Stunden härtester Rezeptionsarbeit, die fast mit dem mithalten können, was Lou Reed dem Hörer 1975 mit seiner Feedbackorgie "Metal Machine Music" abverlangte. Aber am Ende wartet, (…), jene befreiende kathartische Erfahrung, die wahre Kunst vom Kommerz trennt“. Soweit nachvollziehbar, bei Mendens Auslassungen zu Lars Ulrichs Drumming muss man doch laut lachen: „Lars Ulrich schafft es auf "Lulu", sein Schlagzeug nachgerade expressionistisch klingen zu lassen.“

Creeping Death

In die gleiche Kerbe haut Jens Balzer von der Berliner Zeitung, allerdings unterhaltsamer. Darüber hinaus stellt er sich die Frage, wie „Lulu“ hätte klingen können, wenn es Lou Reed nicht mit „der künstlerisch schon seit Jahrzehnten erschlafften kalifornischen Bums-Metal-Kapelle Metallica eingespielt und andererseits von dem berüchtigten Klangglattbügler und Gefahrlose-Unterhaltung-für-die-ganze-Familie-Großwesir Hal Willner (hätte) produzieren (lassen)“? Am Ende will er sich dann aber doch nicht ausmalen, was aus „Lulu“ im Zusammenspiel mit Sunn o))) oder Meshuggah geworden wäre und verklärt das Album lieber zur „kraftvollsten Auf-der-Stelle-tret-Platte, die man sich vorstellen kann“.

Requiem For A Video

Das amerikanische Magazin Stereogum weiß dagegen, wieso Darren Aronofsky der beste Regisseur für das noch zu drehende Video zu „Iced Honey“ ist: „Darren Arnofsky (sic!) made The Wrestler, so he knows something about old, broken-down pieces of meat. He made Black Swan, so he knows about confusing horrorshows. He made The Fountain, so he knows about ambitious experiments that don’t quite work out. And he made Requiem For A Dream, so he knows about the sorts of bad decisions that come out of excessive drug use.“

Männerphantasien

In Zeit und Süddeutsche sorgt man sich um den Zustand der Popmusik. Im Falle der Zeit dient Kulturtheoretiker Klaus Theweleit als Gewährsmann, der neben vielem „Früher war alles besser“-Unfug allerdings treffend analysiert, dass „Pop als Gegenkultur für mich in dem Moment verschwand, als die Feuerzeuge in den Konzerten auftauchten. Mit erhobenen Händen huldigen die Fans ihrem jeweiligen Messias. Vor allem ist das aber eine große Selbstfeier.“ Um es mit Heinz Strunk und passend zu Theweleits „Männerphantasien“ zu paraphrasieren: „Ein Mann, der bei einem Konzert ein Feuerzeug in die Luft hält, ist kein Mann!“

Kannibal Komix

In der Süddeutschen legt Karl Bruckmaier das Stethoskop auf den Brustkorb des Pop. Seine Diagnose: „Pragmatismus der Gleichwertigkeit“. „Distinktion ging (in den 80ern) für immer flöten, indem sie bis zur Unkenntlichkeit eingefordert wurde. Heino war plötzlich neben Frank Sinatra und Death Metal: irgendwie erlaubt. Anything sells. Pop verlor seine gemeinsame Sprache, wurde wortlos, aber immer lauter.“ In den hohen Chartplatzierungen von Re-Releases wie Nirvanas „Nevermind“ sieht er eine Form des Protests "gegen den offenkundigen Schwachsinn, der uns einreden will, dass wir die Untiefen einer Lady Gaga für wichtiger nehmen sollten als einst die Untiefen der Les Humphries Singers.“ Zur Info, bei Les Humphrie Singers begann der amtierende König von Mallorca, Jürgen Drews, seine Karriere. Es ist nicht zu befürchten, dass Lady Gaga ein ähnliches Schicksal blüht.

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