Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Kate Bush, Jan Delay, Rihanna, den Sex Pistols und Nenas neuer Show

Von FAZ bis Taz, Florian Schneider hat für Tonspion wieder in den Feuilletons gelesen und Bemerkenswertes zu Pornographie und Archäologie gefunden; war mit Kate Bush im Schnee und hat sich über die neue Casting-Show „Voice Of Germany“ belehren lassen. Zwischendurch ruft Jan Delay zum zivilen Ungehorsam auf.

Erdrückendes Lob

Gestern startetet das neue TV-Casting „The Voice Of Germany“, heute folgt bereits die zweite Folge. Peer Schader von der Faz hat dabei ein „Revolutiönchen im roten Riesenflipper“ gesehen, in der „Kandidaten mit überschwänglichem Lob erdrückt (werden)“. Die Sendung strenge sich so sehr an „besonders groß und wichtig zu wirken, dass kaum Zeit bleibt eine eigenen Linie zu entwickeln“. Viel Positives kann Schader dem Programm nicht abgewinnen, außer dass sie für eine „Popstars“-Pause sorgt und somit „überdrehte Tanzlehrer (nicht mehr) Teenagermädchen anbrüllen können, wenn die nicht spuren“.

Sex und Gewalt

Nadine Lange nimmt im Tagesspiegel Rihannas sechstes Album „Talk The Talk“ zum Anlass, die „Monokultur singender Plastikpüppchen“ zu beklagen. Rihannas „Alleinstellungsmerkmal“ in der Riege zwischen Britney Spears, Christina Aguilera, Kesha, Katy Perry, Shakira, Beyoncé war bisher die „Verbindung von Sex und Gewalt“, ihr „Geschäftsmodell“ beruhe „auf dem Porno-Prinzip der ständigen Reizerneuerung und Reizverstärkung“. Ergibt unterm Strich: Ein Album, das „ungefähr so antörnend wie ein Werbespot für Zahnpasta ist“.

Kein Schnee in der FAZ

Julia Seeliger hat in der FAZ Kate Bushs neues Album „50 Words For Snow“ zum Album der Woche erklärt. Angesichts der poetischen Kraft der Texte von Kate Bush, wirkt Seeligers Einschätzung des Albums allerdings nicht wie eine Kaufempfehlung, sondern wie der Schuttabladeplatz für Allgemeinplätze der Plattenkritik: „Die drei ersten Songs und der letzte, ein Epilog, plätschern ziseliert bei getragener Klaviermusik und zarten Klangeffekten daher. Zu Beginn nicht gerade eingängig, hört man sich nach ein paar Durchläufen ein. Wer groovigen Pop mag, sollte sich den Titelsong „50 Words for Snow“ und die Single-Auskopplung „Wild Man“ kaufen. Das Elton-John-Duett hat Ohrwurmpotential. Nach ein paarmal Hören funktioniert das Album aber auch wunderbar als Ganzes.“

Johnny Rotten Höhlenmensch

Der Spiegel berichtet, dass Archäologen in London das „Lascaux des Punk“ entdeckt haben. Johnny Rottens Zeichnungen an der Wand eines Londoner Wohnhauses, in dem die Sex Pistols zeitweilig wohnten, sind den Archäologen John Schofield und Paul Graves-Brown diesen wagemutigen Vergleich wert. Denn: Die Erforschung „materieller Spuren vergangener menschlicher Aktivitäten“ sei die Aufgabe der Archäologie“. So dürfte es nicht mehr lange dauern, bis die Forscher in den Backstage-Räumen dieser Welt auch die Chauvet-Höhle des Rock'n'Roll finden.

"Miese Schweine"

Jan Delay hat sich diese Woche via Facebook zum Thema Abmahnungen und illegale Downloads geäußert: „mal n paar harte zahlen und fakten: im letzten jahr hat es 800.000 (!) abmahnungsverfahren wg. illegalen downloads gegeben. heißt: windige anwälte beschäftigen billiglöhner, die den ganzen tag nix anderes tun als ip-adressen von illegalen saugern aufzuschreiben um diese mit einem bußgeldbescheid von durchschnittlich 1500 euro abzumahnen und mit Gerichtsverfahren zu drohen falls nicht gezahlt wird. heraus kommt das stolze sümmchen von 1,2 Milliarden (!!), welches unter den anwälten und den plattenfirmen gesplittet wird. die künstler sehen davon nix! das sind alles miese schweine!! saugt bitte alle ruhig weiter, und lasst euch nicht erwischen! kein peer 2 peer!! und wenn es Künstler gibt, die ihr schätzt und die sich den arsch aufreißen um gute platten zu machen: bitte supported sie!!“ Aufruf zum zivilen Ungehorsam, oder PR eines Künstlers, der seine Schäfchen im Trockenen hat? Das Netz ist gespalten, wie ein Artikel und die Kommentare dazu auf Basicthinking zeigen.

Update: Inzwischen rudert Jan Delay zurück und muss auf Facebook  zugeben, dass ein Teil des Geldes auch in seine Taschen fließt.

In Memoriam Freddie Mercury (1946-1991)

Zum 20. Todestag von Queen-Frontmann Freddie Mercury veröffentlichte die dpa einen journalistischen Offenbarungseid als Artikel u.a. in der Berliner Zeitung. "Songs aus der Feder Mercurys wie «We Are The Champions» dürfen bei keiner Fete fehlen" weiß der unbekannte Autor von dpa. Doch sonst weiß er offenbar sehr wenig, denn der geistige Kurzschluss, dass Mercury aufgrund seines "ausschweifenden" "bi-sexuellen" Lebenswandels an AIDS erkrankte und eben deshalb mit 45 Jahren viel zu jung starb, verhöhnt eine ganze Generation schwuler Männer, die wie er an der damals noch neuen und unheilbaren Krankheit sterben mussten. Wir gedenken einem der größten Rockstars aller Zeiten lieber mit Musik, denn sein kreatives Schaffen wirkt bis heute nach, auch jenseits von Fetenhits wie "We Are The Champions".

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