Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Amy Winehouse, Britney Spears, Ghost und der Frage nach Authentizität

In einer Woche, in der das erste posthum veröffentlichte Album von Amy Winehouse erscheint, und Pop-Sternchen Britney Spears 30 Jahre alt wird, darf man die Frage nach der Authentizität im Pop stellen. Findet zumindest Florian Schneider, der für die Tonspion Popschau wieder fleißig Feuilleton gelesen hat.

Amys Standard

„Ein Tribut an den Star“ oder „Leichenfledderei“? Im Feuilleton herrscht keine Einigkeit darüber, ob das neue Amy Winehouse Album etwas taugt oder nicht. Während Max Scharnigg in der SZ schließt, dass „mit pietätvoller Sorgfalt vorgegangen“ und ein „recht ansehliches Album geschaffen“ wurde, findet es Thomas Winkler von der Zeit „anhörbar, aber doch weitgehend überflüssig“. Am besten auf den Punkt bringt es der Produzent des Albums, Salaam Remi, im Gespräch mit Christoph Dallach (SPON): „Sie war eine Perfektionistin, und ihren hohen Standards entspricht 'Hidden Treasures' nicht“.

Britneys Alter

Britney Spears wird heute 30. Kann es wirklich sein, dass die zuverlässige Schlagzeilenlieferantin erst seit drei Jahrzehnten unter uns ist? Das fragt sich auch Daniel Haas in seinem Liebesbrief an Britney (SPON). Darin erinnert er auch daran, wer in all den Jahren am meisten von Spears zahlreichen Stunts und Abstürzen profitiert hat: „Du Tragödin des Gazettenunwesen, die damals für rund 20 Prozent des Umsatzes der beiden größten Paparazzi-Agenturen in L.A. sorgte. Die rund 400 Millionen Dollar in die Kassen von Jive Records, ihrem Label, spülte. Mit der die Kosmetikklitsche Elizabeth Arden mal locker 100 Millionen kassierte. Ach, und da wären noch die 150 Millionen Dollar, die mit den Tourneen zusammenkamen.“

Diedrichs Seminar

Felix Stephan stellt in der Zeit die Frage nach der Authentizität im Pop und bringt dabei die entscheidende Umwälzung in der Musikindustrie auf den Punkt: „Die sozialen Netzwerke haben die Geschmacksautorität, die zuvor in den Händen weniger Kritiker und Plattenmanager gebündelt war, derart dezentralisiert, dass man den klassenkämpferischen Autonomieanspruch, der mit dem Authentizitätsbegriff stets einherging, heute schlichtweg nicht mehr braucht“.

Und Diedrich Diederichsen assistiert, in dem er in seinem kostenlosen Germanistikseminar in der Süddeutschen Popmusik zur Kunst erklärt: „Die Kunst der Popmusik besteht (…) darin, Erregungsmaterial zu sein und zugleich früheres Material mit einer zeitgemäßen Rationalität zu behandeln“. Aha!

Eugens Geisterpapst

Der Papst war in Berlin! Oder doch Eugen Drewermann? Jens Balzer (Berliner Zeitung) ist sich nicht ganz sicher, welchen der beiden er beim Konzert der schwedischen Satanistenrocker Ghost im Festsaal Kreuzberg getroffen hat: „Nicht durch Überwältigung und Primitivismus soll der Hörer mithin auf die dunkle Seite gezogen werden, sondern durch musikalische Verfeinerung und tückischen Optimismus, süße Gesänge, schmeichelnde Melodien und die väterlich-vertrauenserweckende Erscheinung des Sängers“, der „weniger an Ozzy Osbourne erinnert als vielmehr an Eugen Drewermann“.

Ob Drewermann, Papst oder Ozzy, Ghosts Debütalbum „Opus Eponymus“ sollte trotzdem unter jedem aufgeklärten Weihnachtsbaum liegen!

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