Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Adele, Lana Del Rey, Charlotte Gainsbourg, Justin Bieber und Walk Off The Earth

Florian Schneider liest auch im neuen Jahr für Tonspion die großen Feuilletons. In der ersten, garantiert Casting-Show freien Popschau des Jahres feiert die Musikindustrie gute Zahlen, emanzipiert sich Charlotte Gainsbourg von ihren Eltern, muss Lana Del Rey als Retromania-Beispiel herhalten. Und Justin Bieber macht eine wichtige Durchsage.

Sechs Millionen Adeles

Adele ist die große Gewinnerin des vergangenen Jahres - das belegen die Wirtschaftsdaten der Branche. Sechs Millionen Mal wurde ihr Album 2011 verkauft, wie die TAZ berichtet. Nicht die einzige gute Nachricht für die krisengeplagte Branche, denn der Gesamtverkauf stieg in den USA um fast sieben Prozent. Bescheidener, aber trotzdem optimistisch gibt man sich in Deutschland, nicht zuletzt wegen der endlich gelungenen Einigung zwischen GEMA und Bitkom. Streaming dürfte deshalb 2012 in Deutschland wichtig werden, und lässt den ehemaligen Universal-Chef Tim Renner die Reform der Charts und die Einführung von „Social Charts“ fordern.

Retro-Lana

In 14 Tagen erscheint das Debütalbum von Lana Del Rey. Frank Schäfer hat für die TAZ das Album schon einmal gehört. In seiner Besprechung hat er wenig Neues zu bieten: Er stellt fest, dass Del Rey eben doch nicht „eines dieser Naturtalente (ist), die sich das Popvolk via Klickrate zum Star gewählt hat“ und sieht in der Selbstreflexivität ihrer Songs und Videos ein Paradebeispiel für den Popkritik-Kampfbegriff des letzten Jahres: „Retromania“.

Charlottes graue Haare

Wie geht man mit berühmten Eltern um, wenn man sich im gleichen Betätigungsfeld versucht wie seine Erzeuger? Entweder biedert man sich an, oder grenzt sich ab. Charlotte Gainsbourg geht auf ihrem neuen Album „Stage Whisper“ den zweiten Weg. Es sei, so Thomas Winkler in der ZEITder wiederholte Versuche, das allzu große Erbe gar nicht erst anzutreten, sondern einfach zu ignorieren“. Produziert wurde es „vom US-amerikanischen Indie-Rock-Veteranen Beck Hansen“, eine Aussage, die bei uns die Zahl der grauen Haare auf einen Schlag verdoppelt.

Sexy Bieber

Eine wichtige Ansage hatte sich Justin Bieber für seinem 18. Geburtstag am 1. März aufgespart: „Ich will nicht damit anfangen, über Sex, Drogen und Fluchen zu singen“ äußerte er gegenüber dem V Magazine. Daraus bastelt die Süddeutsche Zeitung einen kleinen Videoeinspieler und eine Minimeldung, die zeigt, dass die Onlineauftritte der großen deutschen Tageszeitungen ihren Weg zwischen Anspruch und der täglichen Hysterie des Netz noch nicht gefunden haben.

Hype der Woche

Der Hype der Woche ist ganz eindeutig Walk Off The Earth. Die fünf Kanadier haben nicht nur das aktuell meistgeklickte Musikvideo auf Youtube produziert mit ihrer Coverversion von Gotyes "Somebody That I Used To Know", sie sind auch die erste ungesignte Band, die die Tonspion Downloadcharts anführt. Inzwischen wurde ihr Song aus den diversen Downloadshops wieder entfernt, was zwei Schlüsse zulässt: entweder die Band wird den Song mit medialen Tamtam und Plattenfirma im Rücken noch einmal im großen Stil rausbringen. Oder irgendjemand hat was dagegen, dass die vermutlich nicht lizensierte Coverversion des Gotye-Hits die Band über Nacht zu Millionären macht. Wer nun also inspiriert ist vom Coup der kanadischen Band und eine ähnlich sensationelle Coverversion eines aktuellen Hits einspielen möchte, kann sich hier über die rechtlichen Rahmenbedingungen informieren. 

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