Neues aus dem Pop-Feuilleton

Mit Gil Scott-Heron, Charlie Watts, K.I.Z. und amtlichem Metal

Zwei Geburtstage, ein Todesfall, Eddie Vedders Ukulele und die Provokateure von K.I.Z. - Die letzte Woche im Feuilleton trieb es bunt, unsere Popschau widmet sich heute unter anderem den Rolling Stones, Feminismus in der Bild und dem Lionel Messi des Classic Rock.

Der schwarze Dylan

Bestimmendes Thema der Woche war der überraschende Tod von Gil Scott-Heron, der in jeder großen Zeitung gewürdigt wurde. Exemplarisch bringt Thomas Winkler für die Zeit Scott-Herons Bedeutung auf den Punkt: „Diese Stimme, diese Wut, diese Weisheit. Diese Stimme, die in den frühen siebziger Jahren den Rap vorweg genommen hatte. Diese Stimme, die über einem Amalgam aus Jazz und Soul die Welt in ihre Einzelteile zerlegte. Diese Stimme, die anklagte und analysierte, die dem weißen Amerika vorhielt, was es am schwarzen Amerika verbrochen hatte. Diese Stimme, die manche für die bedeutendste afro-amerikanische seit Martin Luther King hielten.“

Eine Maschine wird 70

Charlie Watts, der elder statesman der Rolling Stones, feiert heute seinen 70. Geburtstag, veröffentlicht nach wie vor von der Öffentlichkeit weitgehend ignorierte Swing-Platten und darf für sich - je nach Sichtweise - ein zweifelhaftes oder unzweifelhaftes Verdienst ans Revers heften, wie Edo Reents in der FAZ feststellt: „Wenn er nicht gewesen wäre, gäbe es die Rolling Stones wohl schon längst nicht mehr.“

Feministen wider Willen

K.I.Z., Deutschlands einzige wirklich ernstzunehmende Rap-Band, haben mit „Urlaub fürs Gehirn“ ein neues Album veröffentlicht, das Johannes Gernert von der Taz vorstellt. In „Doitschland schafft sich ab“ heißt es darauf: 'Seit Millionen von Jahren sind sie hier und wollen sich einfach nicht integrieren. Schießt, schießt sie zurück ins All.' „Ein“, wie Gernert meint, „bizarrer Beitrag zur Sarrazin-Debatte. Typisch K.I.Z., weil er schwachsinnige Frauenklischees und Hassparolen so übersteigert, dass es völlig lächerlich wirkt.“ Wieso Heteros die besseren Sportler sind, klärt Gernert mit K.I.Z. übrigens auch noch.

Das Instrument zur Zeit

Johannes Schneider nimmt im Tagesspiegel Eddie Vedders Album „Ukulele Songs“ zum Anlass, die MiniGitarre medientheoretisch zu verorten. Seine durchaus einleuchtende These: „Genau wie Youtube MTV zerstört hat und Musik-Downloads das Album, hat die Ukulele im öffentlichen Raum das Zeitalter der Gitarre beendet. Sie passt zu einem Zeitgeist, der an großformatigen Präsentationen kein Interesse mehr zeigt. Denn: Niemand hat mehr Lust auf MTV-Bedröhnung, und kaum einer hört noch ein ganzes Album durch.“ Aber muss man deshalb gleich ein durch Stefan Raab und Götz Alsmann zurecht in Misskredit gebrachtes Instrument feiern?

SPON wird amtlich

Spiegel Online hat diese Woche die neue Rubrik „Amtlich“ aus der Taufe gehoben. Jan Wigger und Thorsten Dörting besprechen darin die besten Metal-Alben der Woche, und zwar genau so ironisch-distanziert, dass sie der gemeine Metal-Verächter mit Wonne lesen kann, echte Fans sich aber nicht verarscht vorkommen müssen: „Steve Perry ist ein Vokalist von Gottes Gnaden, der Lionel Messi des Classic Rock, der Aretha Franklin des souligen Hardrocks, der Meister aller Klassen, der Gigant unter Giganten.“ Da bleiben keine Fragen offen...  

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Gil Scott-Heron - I'm New Here

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„I´m New Here“: Diese Aussage geht bei einem Künstler, der schon seit den frühen 70er Jahren aktiv ist, nicht mehr als Understatement durch. Dabei ist das erste Gil Scott-Heron-Album seit 1994 die Wiedergeburt eines Künstlers, der im „Schneegestöber“ unterzugehen drohte.

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