Nicholas Müller über seine Krankheit und das Leben nach Jupiter Jones

"Klar war, dass ich erstmal gesund werden muss."

Kurz vor dem Release des Debütalbums "Weit Weg Von Fertig" haben wir mit Sänger Nicholas Müller über seinen Abschied bei Jupiter Jones, seinen Gesundheitszustand und das Gefühl, wieder ein Newcomer zu sein, gesprochen.

Pressefoto Sony Music
Pressefoto Sony Music

Foto: Sven Sindt

TONSPION: Nicholas, schön dass du während der Radio-Promotour Zeit gefunden hast. Wie geht es dir?

Die Kurzform: Danke, gut. Die längere Antwort wäre: Danke, sehr gut. Vor allem weil ich genügend Zeit hatte, vollständig gesund zu werden.

Gab es für dich jemals die Option oder Überlegung zurück zu Jupiter Jones zu gehen?

Nein, am selben Tag, als ich gesagt habe ich steige aus den bekannten Gründen aus, haben wir schon über die Zukunft von JJ gesprochen und entschieden, dass es weitergeht. Wenig später war Sven, der neue Sänger, auch schon da. Das war eine Art Neubeginn. Zum einen natürlich für mich, der sich voll und ganz auf die Genesung fokussieren konnte, andererseits aber natürlich auch für die Band. Klar war, dass ich erstmal gesund werden muss.

Durch die Zeit bei JJ habt ihr ja zum einen Vorschusslorbeeren gesammelt, zum anderen Erwartungen bei Fans geweckt. Angst, dass diese nicht erfüllt werden könnten?

Ich glaube, es liegt am Hörer selbst, ob diese Erwartungen erfüllt werden. Wer JJ gehört hat und weiterhin hören will, kann sich sehr gern die Platten kaufen. Wer aber erwartet, dass von Brücken da weitermachen, wo JJ, was weiß ich, 2002 oder so standen, das würde ja keinen Sinn ergeben.

Ihr seid beide schon viele Jahre im Musikgeschäft. Fühlt ihr euch eigentlich als Newcomer?

Also was das Gefühl angeht, ja, da fühlen wir uns wie ein Newcomer. Wir haben etwas neues am Start. Dabei darf man natürlich nicht vergessen, dass wir Dank JJ natürlich schon etwas bekannter sind, aber das Projekt ist trotzdem komplett neu, ein neues Album, das auch den Leuten präsentiert werden will.

von Brücken - Weit Weg Von Fertig | REVIEW & STREAM

War es ein inneres Anliegen euch auch zu tagesaktuellen Themen äußern zu wollen, wie ihr es zum Beispiel bei "Blendgranaten" macht?

Es ist ja so, das Zeitgeschehen gibt das Thema vor. Generell sollte es bei jedem Songtext ein spezielles Anliegen geben. Zu der Zeit, als wir den Text geschrieben haben, war bei Pegida gerade Hochsaison. Und so kam es dann auch, dass Blendgranaten entstanden ist.

Die Erklärung zu "Blendgranaten"

Auf "Elephanten" habt ihr den fantastischen Rocky Votolato als Gastmusiker gewinnen können. Wie kam's dazu?

Ja, wir haben die gleiche Booking-Agentur. Hinzu kommt, dass ich schon jahrelang Fan bin. Und als er ein Konzert in Münster gespielt hat, hab ich die Chance genutzt, auf ihn gewartet, bin mit meinem Booking-Menschen hin und wir haben uns lange und gut unterhalten. Menschlich passte es. Am gleichen Abend hab ich ihm dann das Demo zu Elephanten (noch ohne Text und Gesang) vorgespielt und ihn gefragt ob er sich vorstellen könnte auf dieses mäandernde Stück am Ende was zu singen. Er hat dann sofort zugesagt.

Zum Schluss noch eine Frage: Du gehst sehr offen mit deiner Krankheit um, stehst in jedem Interview bereitwillig Rede und Antwort. Hilft es dir, über die Sache zu sprechen?

Also das ist für mich jetzt keine Selbsttherapie oder sowas. Aber dafür gibt es zwei Gründe: Zum einen hab ich einfach keinen Bock darauf, eine künstliche Scham vor etwas zu erzeugen, wenn das gar nicht notwendig ist. Was viele nicht wissen: das Ganze ist weit verbreitet aber gut therapierbar. Und deshalb ist es mir auch ein Anliegen, damit an die Öffentlichkeit zu gehen, damit bei dem ein oder anderen Betroffenen vielleicht diese Scham vor der Krankheit abfällt und man sich helfen lässt. Ich bin auch seit einiger Zeit Botschafter für die deutsche Angst-Hilfe und von den Leuten dort wurde auch vielfach erzählt, dass einfach eine gewisse Öffentlichkeit fehlt, das Thema publik zu machen; dass das eines der größten Probleme bei der Bekämpfung ist.

Nicholas Müller litt lange Jahre an einer generalisierten Angststörung, begleitet von Panikattacken. Diese Angst ist nicht an bestimmte Umstände gebunden, wie z.b. bei Phobien, sondern latent immer da und äußert sich in Herzrasen, Schwindel, innerer Unruhe und vielen weiteren, sehr individuellen Symptomen. Gegen diese Krankheit gibt es spezialisierte Therapiemethoden. Das große Problem ist aber, dass Hausärzte die Symptome zum Teil falsch deuten. Nicholas Müller ist Botschafter des Angst-Hilfe e.V.

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Ähnliche News

Macklemore & Ryan Lewis - Deezer Close Up

Macklemore & Ryan Lewis sprechen über ihre Lieblingssongs

Welche Tracks haben die beiden am stärksten beeinflusst?
Macklemore & Ryan Lewis präsentieren in einem Interview mit Deezer Close Up Songs, die sie im Laufe ihrer Karriere am meisten inspiriert haben. Unter anderem mit dabei: Red Hot Chili Peppers, Jimi Hendrix und Ed Sheeran.
Pressebild: The Strokes

The Strokes arbeiten an einem neuen Album

Gitarrist Nick Valensi plaudert Pläne aus
Letztes Jahr veröffentlichten The Strokes die EP „Future Present Past“ mit gerademal drei neuen Songs. Fans waren enttäuscht. Bald könnte endlich ein neues Album folgen.
Afrob (Foto: Janick Zebrowski)

Der Soundtrack meines Lebens: Afrob

Eine musikalische Rundreise durch das Leben von Afrob
Jeder von uns verbindet bestimmte Musik mit besonderen Lebensphasen und oft sagt ein Song dabei mehr über eine Person aus als tausend Worte. In unserer neuen Serie begeben wir uns mit Künstlern auf eine musikalische Reise durch ihr Leben. Heute mit Afrob.

Aktuelles Album

Weit Weg Von Fertig

Von Brücken - Weit Weg Von Fertig

Alles auf Anfang
Auf dem Höhepunkt des Erfolgs war Sänger Nicholas Müller aus gesundheitlichen Gründen gezwungen bei Jupiter Jones auszusteigen. Genesen, tatendurstig und voller neuer Ideen widmet er sich jetzt einem neuen Projekt namens "von Brücken". Ein starker Neustart mit ordentlich Gefühl.

Empfehlungen