O-Ton: Daft Punk über "Random Access Memories"

Track-by-track Statements zum neuen Album

Erstaunlich auskunftsfreudig und nahbar zeigen sich Daft Punk für ihr neues Album "Random Access Memories". Der französischen Wochenzeitung "Le Nouvel Observateur" gewährten sie Einblick in das neue Werk mit Kommentaren zu jedem einzelnen Stück. Hier eine Zusammenfassung ihrer Aussagen.

 

1. Give Life Back to Music (feat. Nile Rodgers)
„Eines unserer Vorhaben für dieses Album war es, etwas zu machen, was gleichzeitig léger und elegant ist. Hier spielt John Robinson Jr. Schlagzeug, der schon auf Michael Jacksons Album „Off the Wall“ gespielt hat. Was an einer Performance wie der seinen fantastisch ist, ist die unendliche Vielfalt an möglichen Nuancen: etwas, was wir gar nicht gewöhnt sind durch das elektronische Programmieren… Die von Quincy Jones produzierten Alben haben uns immer fasziniert durch ihre höchste Präzision, die von keiner Technologie je erreicht wurde.“
 
2. The Game of Love
„Wir singen hier mit Vocodern. In einer Zeit, in der menschliche Stimmen so bearbeitet werden, dass sie wie Roboter klingen, haben wir es als aufregend empfunden, eine solche Roboterstimme so menschlich wie möglich werden zu lassen. Das ist die Idee von der künstlichen Intelligenz, die sich dem Menschen annähert… Das Gefühl von einer Sache, die nicht menschlich ist, aber versucht, es zu sein.“
 
3. Giorgio by Moroder (feat. Giorgio Moroder)
„Wir haben ihn vor mehreren Jahren getroffen; er war für uns immer eine Art mythische Figur, so ein bisschen geheimnisvoll. Sein persönlicher Werdegang passt zu dem der Musik. Uns kam die Idee, ein Stück zu machen, das ein wenig dokumentarisch funktioniert und auf einem Interview basiert, das wir mit ihm geführt haben. Die Stimme von Giorgio Moroder wurde mit verschiedenen Mikrofonen aus verschiedenen Epochen aufgenommen.“
 
4. Within (feat. Chilly Gonzales)
„Hier spielt Gonzales Klavier. Das ist ein Freund von uns und ein toller Pianist, einer der besten Musiker seiner Generation. „Within“ war eine der ersten Nummern, die wir aufgenommen haben. Sie ist sehr minimalistisch: ein bisschen Rhythmus, Bass, ein Klavier. Das Essentielle mit sehr wenigen Dingen zu schaffen, das war die Idee hinter diesem Titel.“
 
5. Instant Crush (feat. Julian Casablancas)
„Hier singt Julian Casablancas von den Strokes. Wir sind beide große Fans und haben mitbekommen, dass er uns gerne treffen würde. Wir hatten noch dieses Demo rumliegen, er kam vorbei und hat es sehr genau angehört! Er hat ein ganz eigenes Talent. Wir mögen Rockmusik im Grunde und auch das Konzept der Rockband, aber durch ein paar richtig starke Sachen ist es zu einem gewissen Zeitpunkt schwierig geworden, etwas Neues zu machen. In letzter Zeit haben die Strokes und MGMT das – mit unterschiedlichen Dimensionen und auch unterschiedlichem Empfinden – hinbekommen. Julian hat eine Punk Rock-Seite, eine unglaublich starke emotionale Tragweite in seinen Melodien. Es war wichtig, ihn auf diesem Album mit dabei zu haben, uns von unseren Zeitgenossen umringt zu fühlen.“
 
6. Lose Yourself to Dance (feat. Pharrell Williams and Nile Rodgers)
„Dieses Stück ist die einfachste Definition dessen, worauf wir Lust hatten: ein Album zu machen, das zur gleichen Zeit sehr elaboriert und sehr schlicht ist, mit einer Achse von Bass, Schlagzeug und Gitarre – und den Robotern! Es ist das Gegenteil von Überproduktion. Unsere Wunschvorstellung war es, wieder tanzbare Musik mit einem echten Schlagzeug zu machen… Es auf diese Art und Weise aufzunehmen, hat uns enorm befriedigt: Wir sind stolz darauf, ein echtes Schlagzeug auf dem Album zu haben und keine Drum Machine. Auf dem Album spielen zwei Schlagzeuger: John Robinson Jr., der Drummer mit den meisten Aufnahmen weltweit, und Omar Hakim, der mit 16 bei Stevie Wonder angefangen hat…“
 
7. Touch (feat. Paul Williams)
„Dieser Titel ist der Knotenpunkt des Albums. Er ist Ausgangspunkt des ganzen Albums, das zurückzuführen ist auf ein Treffen mit Paul Williams. Ein Tontechniker, den wir gemeinsam kennen, hat ihn uns vorgestellt. Paul Williams [Komponist von Filmmusik wie der zu „Phantom of the Paradise“ und Schauspieler] hat uns im Studio besucht. Aus dieser Begegnung ist etwas sehr Filmisches, Narratives entstanden. „Touch“ definiert ganz gut den psychedelischen Aspekt von „Random Access Memories“. Dieses Stück hat 250 Spuren, es ist also das komplexeste, das verrückteste auf dem ganzen Album.“
 
8. Get Lucky (feat. Pharrell Williams and Nile Rodgers)
„Pharrell Williams singt auf dieser Nummer mit: Es war ganz natürlich, ihn einzuladen, bei unserem Album mitzumachen. Er ist der geborene Performer, einfach total, und er strömt einfach soviel Eleganz aus. Er hat nicht immer die Möglichkeit gehabt zu zeigen, was für ein toller Sänger er ist, sodass man sagen könnte, dass er in den Pantheon der mythischen Performer gehört. Die imaginäre Linie, die die großen Künstler der Vergangenheit von den heutigen trennt, die angeblich alle weniger gut sind als früher, gibt es gar nicht. Wir wollen den Eindruck erzeugen, in einer Kapsel zu sein, wenn wir im Studio sind, völlig abgeschnitten von der Welt. Man könnte natürlich meinen, es wäre das Jahr 1978, aber unsere Idee ist es eigentlich, diese Musik auf eine Reise in der Gegenwart und Zukunft zu schicken und zu schauen, was passiert – und ob diese Begeisterung uns etwas mitteilen kann.“

 
9. Beyond
„Ein weiterer Titel mit Paul Williams, der ein paar Zeilen beigesteuert hat. Das ist ein hyperkosmisches Lied mit einem sehr poetischen, sehr reinen Text. Wir haben mit Paul Williams viel über die Richtung diskutiert, in die dieses Album gehen sollte, und es war interessant festzustellen, dass er in der Lage war, Wörter für unsere Ideen zu finden.“
 
10. Motherboard
„Eine futuristische Nummer, die aus dem Jahre 4000 kommen könnte…“
 
11. Fragments of Time (feat. Todd Edwards)
„Ein erstes Wiedersehen mit Todd Edwards [House-Produzent] seit „Discovery“.“
 
12. Doin’ it Right (feat. Panda Bear)
„Die engelsgleiche Stimme auf diesem Track stammt von Panda Bear [von Animal Collective]. Wir lieben seine Solo-Sachen, genauso wie die Herangehensweise seiner Gruppe. Dieses Stück – das einzige elektronische auf dem Album – haben wir zuletzt aufgenommen. Deshalb drückt es eine gewisse Entspanntheit aus. Sicherlich der Titel, der gleichzeitig am futuristischsten und am aktuellsten ist.“
 
13. Contact (feat. DJ Falcon)
„Dieses Stück haben wir mit DJ Falcon zusammen gemacht, unter Verwendung einer Stimme von der letzten Nasa-Mission der Apollo 17: Es ist die Stimme von Eugene Cernan, dem letzten Menschen, der auf dem Mond war. Es ist eine Stimme, die buchstäblich aus dem Weltraum kommt. Und was sie erzählt, das entzieht sich jeglicher weiterer Kommentare…“
 
(Übersetzung: Martin Mutschler)
 
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