Ogg Vorbis: Konkurrenz für MP3

Mit dem neuen Komprimierungsverfahren Ogg Vorbis könnte alles besser und billiger werden. Vor wenigen Tagen erschien die dritte Beta-Version. Ist das MP3-Format bald Schnee von gestern?

Natürlich ist Vorsicht geboten, Skepsis vonnöten und überhaupt sollte besser mal ein Weilchen abwarten und abwägen, wer eine technische Revolution ausrufen will. Denn das Internet ist ein schnelllebiges Medium, und was heute der Technik größter Wurf, ist morgen oft schon alt und überholt. Für Netz-Verhältnisse recht lang gehalten hat sich der Musikstandard MP3. Doch der bekommt nun langsam ernsthafte Konkurrenz.

Sie heißt Ogg Vorbis und könnte das rückblickend legendäre und spektakuläre MP3-Format verdrängen. Mit diesem neuartigem Format kann man genau das selbe machen, wie mit verschiedenen MP3-Playern, Programmen wie dem Real Player oder dem Windows Media Player: Musikdateien abspielen und Musik von CD in Computerdateien umwandeln. Ogg Vorbis soll schon jetzt besser sein, als das vom deutschen Fraunhofer Institut entwickelte MP3-Format. Es klingt besser, es braucht weniger Platz und vor allem: es kostet nichts. Vor wenigen Tagen ist nun die dritte Beta-Version der Software erschienen. Man kann sie kostenlos auf der Vorbis-Homepage herunterladen. Doch von vorn.

Eigentlich ist Ogg Vorbis eine Studienarbeit und ein ziemlich merkwürdiger Name. ?Ogg? steht für ein Manöver beim Netzwerkspiel ?Netrek?, ?Vorbis? heißt eine Figur aus einem Terry Pratchet-Roman namens ?Small Gods?. Die Idee zur Technologie stammt von Christopher Montgomery, einem 29-jährigen Amerikaner, der die grundlegende Technik seines Kompressions-Formates als Studienarbeit am renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT) entwickelte. Für die Öffentlichkeit war Ogg Vorbis nie bestimmt, bis Montgomery eines Tages erfuhr, dass Geld zahlt, wer die MP3-Technik nutzt. Zwar können unzählige MP3-Dateien von jedermann kostenlos aus dem Netz gezogen werden, doch Hersteller von MP3-Software und ?Hardware entrichten Gebühren an das Erlangener Fraunhofer Institut und den französische Konzern Thomson Multimedia. Das muss nicht sein, denn Musik in kleine, praktische Dateien komprimieren kann man auch mit Ogg Vorbis. Und das verhält sich zu MP3 so, wie das Betriebssystem Linux zu Windows. Während das Microsoftsche Betriebssystem Geld kostet und nicht verändert werden darf, steht das Alternativ-Programm Linux kostenlos im Netz und ist Open Source. Das heißt, jeder darf das Programm verändern, es bearbeiten und verbessern. Macht mit diesem Programm, was Ihr wollt! Und genauso funktioniert das mit Ogg Vorbis. Das Gute dabei: An der Technik wird ständig von Programmierern gearbeitet, sie wird stetig besser.

Doch warum sollte jemand auf die bewährte MP3-Technik oder auf Player und Dateien im Real- oder WMP-Format verzichten? Montgomery: ?Die Leute ärgern sich seit Jahren, dass MP3 zwar frei aussieht, aber all diese bindenden und angsteinflößenden Patente mit sich bringt.? Außerdem, so der in Boston lebende Computer-Nerd, sei MP3 längst technisch überholt und werde untergehen, weil es eben Geld kostet und kein freier Standard ist.

Auf der Vorbis-Homepage gibt es neben der neuen Beta-Version auch Plug Ins für zahlreiche populäre Abspielprogramme, damit Vorbis-Datei auch mit denen laufen. Bald soll zudem endlich Ogg Vorbis 1.0 offiziell veröffentlicht werden. Entwickelt wird der Standard übrigens von ehrenamtlichen Programmierern, die unter dem Banner der Non-Profit-Organisation Xiphophorus arbeiten. Finanziert wird das ambitionierte Unternehmen mit Spendengeldern. Helfer sind jederzeit willkommen, sagt Montgomery. (th)

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