PeerCache macht P2P für Provider interessant und gefährlich

P2P-Netze hostende Service-Provider haben nicht besonders viel vom starken internationalen Datentransfer in Form von geshareten Files. Im Gegenteil, ihnen enstehen daraus proportional wachsende Kosten, zumal die meisten Netze von ihren Erschaffern dahingehend optimiert wurden, möglichst hohe Downloadraten und Verfügbarkeit der Dateien zu gewährleisten. Und genau an dieser Stelle greift PeerCache ein.

"PeerCache wird die File-Sharing-Kosten für Internet-Service-Provider (ISP) reduzieren und es steigert die Download-Geschwindigkeit für User, was mehr Usern einen Anreiz gibt, den Service nutzen", so Benjamin Edelman, Student an der Harvard Law School und zusammen mit dem Gründungsmitglied des Berkman Center for Internet & Society, Jonathan Zittrain, Betreiber der Studie ?Internet Filtering Worldwide?.
PeerCache ist, wie der Name schon sagt, ein Cache, der direkt beim ISP ins Netzwerk gehängt wird und die am stärksten frequentierten Daten zwischenspeichert. Wenn nun vom User Daten gesucht werden, die sich in diesem Cache befinden, werden diese direkt von dort heruntergeladen und nicht vom Peer-User selbst. So soll den ISP´s bis zu 25% des Datendurchlaufes erspart werden, was gleichbedeutend mit bis zu 25% weniger Kostenaufwand ist, und dem User eine schnellere Downloadrate garantiert werden. Momentan macht Filesharing bei Providern etwa 70% des gesamten Netzwerkverkehrs aus. Die neue Softwaretechnik benutzt, genau wie z.B. KaZaA oder iMesh, das FastTrack-Protokoll. Nicht zufällig, denn erstens ist dieses Protokoll das zur Zeit am weitesten verbreitete auf diesem Gebiet, und zweitens heißt der Mann hinter der schwedischen Firma Joltid, die PeerCache anbietet, Niklas Zennström, seines Zeichens Mitbegründer von KaZaA, dem bekanntesten Client des Protokolls.
Das Produkt war bereits bei drei großen europäischen Providern im Einsatz, unter anderem bei der niederländischen France-Telekom-Tochter Wanadoo, doch Wanadoo schaltete heute alle PeerCache-Zwischenspeicher ab.
Begründung: ?it was only an experiment?.
Anscheinend stecken allerdings Befürchtungen des Mutterkonzerns dahinter, der sich auf gar keinen Fall in Copyright-Verstöße verwickeln lassen will, denn
Zennström selbst wurde vergangenes Jahr von der RIAA (Recording Industry Association of America) verklagt und verkaufte im Anschluß daran die KaZaA-Software und Webseite.
Wanadoo und Joltid sehen die Caching-Technik nicht als ermutigende Aufforderung für User, Tauschbörsen zu nutzen, sondern eher als Traffic-Minderungs-Tool, doch da widerspricht ihnen die International Federation of the Phonographic Industry (IFPI) vehement. ?Caching-Dienst? bedeutet nicht automatisch die Befreiung von Copyright-Gewährleistung.
Der niederländische Wanadoo Business Development Manager Lammert van Raan sagte unlängst: ?Wir glauben, daß dieses Cache legal ist.?, und bezieht sich dabei auf die ergangenen Urteile gegen Grokster und Morpheus, die vom Vorwurf der Piraterie freigesprochen wurden.
Und schon sind wir wieder in einer gesetzlichen Grauzone angelangt.

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