Petition gegen Erhöhung der GEMA-Gebühren (Update)

Grundlegende Überprüfung der Verwertungsgesellschaft durch den Bundestag gefordert

Die GEMA hatte Anfang des Jahres angekündigt ihre Tarife für Veranstaltungen bis 2014 deutlich anzuheben. Jetzt regt sich Widerstand dagegen bei Veranstaltern und anderen, die sich die Selbstbedienung der GEMA nicht mehr mit ansehen wollen. Durch eine Petition im Bundestag soll nun die GEMA grundlegend überprüft und reformiert werden.

Die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (GEMA) bemisst bei Veranstaltungen die an Komponisten, Textdichter und Verlage zu entrichtende Gebühr für die Nutzung ihrer Werke an der Größe des Veranstaltungsraums, nicht etwa an der Menge der Besucher. So wird immer davon ausgegangen, dass eine Veranstaltung ausverkauft ist. Kommen nur 20 Leute auf ein Konzert in einen Club, der für 400 Leute ausgerichtet ist, bleibt die GEMA-Gebühr die gleiche. Ein Risiko, das viele Veranstalter nicht mehr auf sich nehmen können und wollen.

Kritisiert wird weiterhin die seit langem hinfällige Unterscheidung zwischen E- und U-Musik, also zwischen "ernster" und "Unterhaltungsmusik". Die musikalischen Vertreter aus dem Feld der klassischen Musik erhalten um ein Vielfaches höhere Ausschüttungen, als die aus den diversen Pop-Genres. Zu begründen ist das in heutiger Zeit kaum mehr.

Ebenfalls seit langem umstritten sind die GEMA-Tarife für den Onlinebereich. So ist es in Deutschland derzeit de facto nicht möglich, MP3 Downloads zu verschenken, selbst wenn man den Song selbst geschrieben hat. Die GEMA sieht keine Tarife für verschenkte Songs vor. So muss man die gleiche Abgabe zahlen, wie für einen verkauften Song. Das erwirtschaftete Geld erhält aber nicht etwa der Komponist. Momentan profitieren in erster Linie die kommerziellen Komponisten und Autoren von der GEMA, da die GEMA kleinere Veranstaltungen, Radio-Airplay oder Online-Gebühren alle in einen großen Topf schmeißt, aus dem am Ende nach einem komplexen Verteilungsschlüssel ein Großteil an die GEMA-Großverdiener ausbezahlt wird, die am meisten Airplay haben und bei ausgewählten Sender und in den Charts notiert sind. Völlig absurd wird diese Vorgehensweise etwa bei Techno-Veranstaltungen, bei denen der Club-Betreiber ebenfalls GEMA-Gebühren zu entrichten hat, die dann aber nicht etwa den weithin unbekannten Produzenten der gespielten Musik zugute kommen, sondern den Kastelruther Spatzen, Grönemeyer und Co.

Am Ende zwingt die nun geplante Erhöhung der GEMA-Gebühren gerade kleinere Veranstalter zur Aufgabe, da sie das finanzielle Risiko nicht alleine tragen können. Eine genaue Überprüfung der Struktur der GEMA scheint also überfällig, zumal sich vieles, worauf sich die GEMA seit Jahrzehnten stützt, in den letzten Jahren radikal verändert hat.

In Deutschland ist nahezu jeder Komponist und Autor bei der GEMA vertreten, der mit seiner Musik auch etwas verdienen möchte, wenn sie irgendwo gespielt wird. Anders als in anderen Ländern gibt es dazu keine Alternative. Die GEMA bestimmt weitgehend selbst, nach welchen Kriterien die Einnahmen verteilt werden und wie hoch die Gebühren sind, die man für Musik entrichten muss.

Zur Überprüfung der Aktivitäten der GEMA durch den Bundestag müssen bis zum 17. Juli 2009 50 000 Menschen die Online-Petition auf den Seiten des Deutschen Bundestages unterzeichnet haben. Dazu ist eine kurze Registrierung nötig.

Der Text der Petition:

"Der Deutsche Bundestag möge beschließen. dass das Handeln der GEMA auf ihre Vereinbarkeit. mit dem Grundgesetz, Vereinsgesetz und Urheberrecht überprüft wird und eine umfassende Reformierung der GEMA in Hinblick auf die Berechnungsgrundlagen für Kleinveranstalter, die Tantiemenberechung für die GEMA-Mitglieder, Vereinfachung der Geschäftsbedingungen, Transparenz und Änderung der Inkasso-Modalitäten vorgenommen wird."

Zur Online-Petition

Update (24.6.2009): Die Petition hat inzwischen die erforderlichen 50 000 Unterzeichner gefunden, somit ist sicher gestellt, dass das Thema im Petitionsausschuss des Deutschen Bundestages beraten wird.

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz. Folge uns auf Facebook:

▶ Du möchtest einen Beitrag bei Tonspion veröffentlichen? Schicke uns deine Idee!

Empfehlungen