Pimp My Space!

Wie die Play-Zähler bei MySpace manipuliert werden

MySpace gilt unter den Talentscouts inzwischen als wichtigste Plattform, um neue Bands zu entdecken. Ein wichtiger Indikator ist die Zahl der Hörer. Doch dieser "Play-Count" wird längst massiv künstlich in die Höhe getrieben.

Einige Anbieter haben sich darauf spezialisiert, die Zahl der Plays automatisch in die Höhe zu treiben und dafür Geld zu verlangen. Wichtigste Zielgruppe: die Labels, die ihre neuen Bands zu etwas MySpace-Ruhm verhelfen möchten. Neben tausenden von virtuellen "Freunden", die man auf MySpace per Mausklick einsammeln kann, ist es möglich für wenig Geld tausende von Plays zu kaufen. Eine Software simuliert dann das Abspielen des Titels. TuneBoom Pro etwa kassierte rund 150 Dollar für 1000 Plays. Ein einträgliches Geschäft also. Nach Angaben eines Firmeninsiders arbeitet TuneBoom schon seit Jahren für diverse Majorlabels und seit etwa einem Jahr auch für Indies. Nach einem entsprechenden Bericht auf Wired wurde die Website der Firma inzwischen abgeschaltet. Doch die gut informierten Wired-Leser trugen eine Liste mit nicht weniger als 45 Anbietern zusammen, die eine ähnliche Dienstleistung anbieten.

MySpace wehrt sich nun gegen diese seit Jahren übliche Form der Manipulation und geht angeblich dagegen mit technischen und rechtlichen Mitteln vor. "Jeder MySpace-Nutzer, der dabei erwischt wird, solche Technologie zu nutzen, um seine Zahlen zu manipulieren, wird gelöscht", so eine Sprecherin des Unternehmens. Immerhin dürfte das für Bands, die in den letzten Jahren tausende von Fans auf ihren Profilen zusammen gesammelt haben, sehr schmerzhaft sein.

Für MySpace könnte diese Technologie allerdings viel gefährlicher werden: zumindest die großen Labels sind inzwischen unmittelbar an den Umsätzen von MySpace beteiligt. Bands, die häufig gespielt werden, landen weit oben in den Charts und erzielen eine erhöhte Aufmerksamkeit und damit auch höhere Umsätze über MySpace. Wenn diese Zahlen aber derart einfach manipuliert werden können, bricht das gesamte Geschäftsmodell des Musikanbieters schnell in sich zusammen. Das geht dann schon in die Richtung von "Pay For Play" - genannt Payola - einer Form von Manipulation bei der von den Labels Geld für Airplay an Radiosender gezahlt wird. Diese fragwürdige Form der "Promotion" ist in den USA bereits seit 1960 verboten - zumindest offiziell.

Doch eines lehrt diese Entwicklung: wer auf der Suche nach neuen Talenten ist, sollte nicht irgendwelchen fantastischen Zahlen oder Internethypes vertrauen, sondern dem, was sich zwischen seinen beiden Ohren befindet.

Udo Raaf / Tonspion.de

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