Popkomm spezial: Wer hat Angst vor MP3?

Aktuell zur "PopKomm" & gratis für alle Besucher der Kölner Musikmesse präsentiert das Online-Magazin "Tonspion" eine handliche Broschüre zum Thema MP3. Hier der - erweiterte - Leitartikel von Udo Raaf und Walter Gröbchen.

MP3: nachwievor löst dieses Kürzel in der Musikbranche Emotionen und Reflexe aus, über die Musikfans nur erstaunt den Kopf schütteln. Denn für Millionen Menschen gehört MP3 längst zum Alltag. Und für die Musikindustrie eröffnet das Format wertvolle Promotion-Alternativen zu verstopften Mainstream-Medienkanälen. Zeit für Skeptiker und Gegner, zur Gegenwart aufzuschliessen und die Vorzüge von MP3 für sich zu entdecken.

Das Ding ist unsichtbar, solange ich nicht in den Innereien meines Computers herumwühle. Es gibt nichts anzufassen, zu zerkratzen oder zum Fingerabdruckhinterlassen. Und es besteht bloß aus schnöden Nullen und Einsen, Millionen davon, sagt das Lexikon. Dabei lärmt, tönt und dröhnt es, als wäre Elvis leibhaftig wiederauferstanden und genehmige sich gerade einen Drink mit Eminem. Nun: der Computer freut sich jedesmal wie toll, wenn er Jukebox spielen und uns ein MP3-File servieren darf. Wir freuen uns mit ihm. Der MP3-Player, eine zigarettenschachtelgroße Festplatte mit Kopfhörerausgang, wartet nebenan auf Betankung via Firewire-Schnittstelle. Die alte Stereoanlage dagegen schmollt, weil sie schon lange nicht mehr zum Einsatz gekommen ist. "It`s the end of the world as we know it", singen R.E.M., "and I feel fine".

Das ist längst keine Zukunftsmusik mehr. Das ist die Gegenwart. Und hat, auch wenn manche Chefstrategen der Musikindustrie sich immer noch damit abmühen, das Kürzel mit spitzen Lippen zu buchstabieren, eine Vergangenheit. Eine Erfolgsstory, die ausschließlich von der explosionsartig wachsenden Zahl von PC- und Internet-Nutzern bestimmt wurde. Als das Entwicklerteam des deutschen Fraunhofer Instituts rund um Prof. Dr. Brandenburg vor über zehn Jahren die Musikindustrie erstmals mit MP3 (verkürzt für: "Motion Picture Expert Group 2 Layer 3", ein Verfahren zur Kompression von Audiodaten) konfrontierte, reagierte die mit höflichem, aber bestimmtem Desinteresse. "Internet? Downloading? Was geht uns das an!?", so die Haltung der Manager in den Top-Etagen von Universal, Sony, BMG, EMI, Warner & Co. Und selbst die Computerfachleute verkannten die Zeichen der Zeit. "Was viele überhaupt nicht wissen ist", so Brandenburg", "ist, daß MP3 von Beginn an die Möglichkeit der Kopierkontrolle vorsah. Dummerweise hat keiner der Software-Hersteller dieses Feature berücksichtigt".

Was zunächst nur als Tool gedacht war, um den Datentransport über die - damals noch arg engen - Leitungen und Digitalkanäle zu ermöglichen, wurde zum Fanal für die Musikindustrie, wie wir sie kennen. Und wie sie bald - so - nicht mehr existieren könnte. "Die Wirkung, die von diesem Konzept ausgeht", jubelte anno 1998 das Avantgarde-Techno-Magazin De:Bug, "ist nur mit der Entdeckung der Kernspaltung vergleichbar". Die Jungs sollten recht behalten.

Wiederum fünf Jahre später lässt sich konstatieren, daß jeder Versuch, das Rad zurückzudrehen und den digitalen Geist zurück in die Flasche zu kriegen, gescheitert ist. Die Dot.Coms sind größtenteils verschwunden von Musikmessen wie der Popkomm, das revolutionäre Format MP3 (und seine Derivate) sind geblieben. Es hat sich gezeigt, daß die Idee, Musik auf das Wesentliche zu reduzieren und die Songs - statt sie in (noch dazu meist häßlichen) Plastikboxen verpackt quer durchs Land in (noch dazu meist schlecht sortierte) Musiksupermärkte zu karren - direkt per Netzanschluß dem Fan und Konsumenten zugänglich zu machen, auf begeisterte Resonanz stößt. Daß dafür noch kein gültiger, sinnvoller Gesetzesrahmen, keine Charts und keine unkomplizierten Abrechnungsmethoden gefunden sind, ist nicht die Schuld der MP3-Nutzer. Daß Napster & Co. den legeren Tausch von Musikdateien zur Mode erhoben haben, auch nicht (sogar BMG fand die Idee ansatzweise reizvoll ;-). Und daß die Plattenfirmen bis heute rumwursteln, um dem Medium und dem Markt auch nur ansatzweise gerecht zu werden, erst recht nicht.

Wir lieben Musik. Wir kennen den Wert von Musik. Einige vn uns leben von und für Musik. Und wir denken, es ist an der Zeit, MP3 abseits aller Polemik als das wahrzunehmen, was es ist. Die beste Möglichkeit nämlich, um Menschen direkt, extrem kostengünstig und unkompliziert mit neuen Tönen, frischen Interpreten und guten Angeboten im weiten Feld zwischen Kunst und Kommerz zu erreichen. Wie aber gelangt Neues, Unbekanntes, Entdeckenswertes an zukünftige Kenner und Käufer? Wer mit einem etwas spezielleren Thema auf das Fernsehen, das Formatradio ("Die größten Hits der Achtziger, Neunziger, von heute.." - was für eine Einheits-Formel für Einheits-Brei!) oder sonstige Mainstream-Medien setzt, hat schon verloren. Diese Kanäle sind entweder hoffnungslos verstopft oder transportieren nur millionenmal Wiedergekäutes. Ausnahmen bestätigen die Regel. Da hilft absehbar auch keine Quotendebatte.

Musik spricht (fast) immer für sich selbst. Das Medium ist die Botschaft. MP3 ist der Standard und läuft auf jedem Rechner auf diesem Globus. Das nennen wir Reichweite! Das nennen wir Zielgruppe!

Angebote wie der "Tonspion" leisten in diesem Zusammenhang wertvolle Vorfeldarbeit, sind also die perfekte Ergänzung und ein Appetitanreger für die kommenden Musiktankstellen im Netz. Daß die kommen, darauf darf gewettet werden. Und daß sie Erfolg haben werden, wenn sie ihre Kunden wirklich ernst nehmen, auch. Pop? Komm! Gern als MP3. Danke für die Aufmerksamkeit.

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Die Broschüre "Wer hat Angst vor MP3?" kann gerne kostenlos unter dieser Adresse angefordert werden:

TONSPION
Kanzowstr. 3
10439 Berlin
info@tonspion.de

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