Primavera Festival 2016 - Tag 3 mit Brian Wilson, PJ Harvey und Moderat

Der 73-jährige Brian Wilson gab sein legendäres Beach Boys Album "Pet Sounds" zum Besten - 50 Jahre nach dessen Entstehen.


Von vielen Kritikern als bestes Album aller Zeiten bezeichnet, erreichte es seinerzeit "nur" Platz 10 der Billboard Charts. Auch beim charmant nostalgischen Konzert von Brian Wilson in Barcelona zeigte sich, dass Kritiker und Publikum einfach völlig unterschiedlich ticken: Während zu den ruhigen Songs des Albums ziemlich respektlos gequatscht wurde, rastete das Publikum zu den als Zugabe gespielten Evergreens "Good Vibrations", "Surfin' USA" oder "Fun Fun Fun" total aus.

Es war wohl die letzte Gelegenheit einen der größten Songwriter unserer Zeit in Europa noch einmal live zu sehen, denn so richtig fit scheint der Künstler nicht mehr auf den Beinen zu sein und spielte das gesamte Konzert im Sitzen, während sein gleichaltriger Beach Boys-Kollege Al Jardine fit wie ein Turnschuh die Band dirigierte.


Einer der sein Songwriting-Handwerk unter anderem auch von Brian Wilson gelernt haben dürfte, spielte gleichzeitig auf der Bühne nebenan: Richard Hawley überzeugte mit druckvollem Sound, samtweicher Stimme und einer Gitarrensammlung, die jedem Gitarrennarr die Tränen in die Augen treiben dürfte. Ein sehr sehr schönes Konzert vom "Jungspund" Hawley (im Vergleich zu Wilson).


Sie kam, sah und siegte: PJ Harvey brachte mit ihrem charismatischen Auftritt 50000 Menschen von der ersten Sekunde zum Schweigen und Zuhören. Und das mit minimal arrangierten Liedern über die dunklen Seiten des Lebens: Krieg, soziale Ungerechtigkeit und unerwiderte Liebe.

Als Marching Band liefen PJ Harvey und ihre zehnköpfige Band (u.a. mit John Parrish und Mick Harvey von Nick Caves The Bad Seeds) ein und genauso traten sie wieder ab. Dazwischen spielten sie die Songs des aktuellen Albums und ihres gefeierten Albums "Let England Shake" und einer Handvoll älteren Songs, darunter "To Bring You My Love" in einer grandios druckvollen Version sowie ihr größter Single-Erfolg "Down By The Water". 


Ein fantastischer Auftritt, der zeigt, dass PJ Harvey die interessanteste Künstlerin unserer Zeit ist und dessen perfekte Inszenierung kein Regie-Theater besser hin bekommen hätte. Selbst Portishead-Kopf Geoff Barrow twitterte begeistert vom "besten Auftritt seit zehn Jahren". Und der Mann weiß, wovon er spricht. 

The PJ Harvey show tonight was the best performed - mixed - filmed show I've seen in the last 10 years

— Geoff Barrow (@jetfury) 4. Juni 2016


Kurze Durchsage: ​PJ Harvey spielt am 20. Juni 2016 in der Zitadelle Berlin. Tickets gibt es nach wie vor im Vorverkauf und wir würden dringendst zuraten, sich diese Show nicht entgehen zu lassen.

Im Gegensatz zu den grandiosen Headlinern PJ Harvey und Radiohead, die sich durch ständige Veränderung auszeichnen und kontinuierlich weiter entwickeln, hat man bei Sigur Ros inzwischen das Gefühl, dass sie seit Jahren auf der Stelle treten. Ihren Laut-Leise Lava-Rock hört man weitgehend unverändert seit 15 Jahren und so richtig spannend ist das heute nicht mehr, leider.

Moderat hatten die große Ehre das Primavera Festival auf der Hauptbühne zu beschließen. Wann bitte sah man zuletzt eine deutsche Band auf der Hauptbühne auf einem internationalen Festival? Nicht oft jedenfalls. Respekt und Glückwunsch den Berliner Elektronik-Großmeistern, die sich mit einer energiegeladenen Show bedankten, wie immer von der Pfadfinderei kongenial in Szene gesetzt. (Wir warten noch auf die Bilder).

Fotos: Eric Pamies

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