Primavera Sound: Was uns in der Festivalsaison 2013 erwartet

Der Livecheck mit Blur, My Bloody Valentine, The Knife, Nick Cave & The Bad Seeds u.a.

Das Primavera Sound Festival in Barcelona ist traditionell der Auftakt der Festivalsaison in Europa. Dort konnte man sich letztes Wochenende einen Eindruck von einigen Acts verschaffen, die dieses Jahr auch auf deutschen Festivalbühnen zu sehen sein werden. Unter anderem spielten My Bloody Valentine, Blur, Nick Cave und The Knife. 

Der Trend zum Comeback hält an, so sind die meisten Headliner der diesjährigen Festivalsaison Bands aus den 80er und 90er Jahren, die es nochmal wissen (oder wahlweise absahnen) wollen. Eine Entwicklung, die man bedauerlich finden kann, andererseits ist es für viele Zuschauer ein Segen, die Helden von früher noch einmal live erleben zu können. Hier einige Highlights der diesjährigen Festivalsaison im Primavera Schnelldurchlauf.

Blur

Einer der wichtigsten Acts der großen Britpop-Zeit Anfang der 90er gibt sich in diesem Jahr live wieder die Ehre, um seine größten Hits, vor allem aus dem Meisterwerk "Parklife" zu spielen. Wer Nummern wie "Girls And Boys" zum Anfang und "Song 2" zum Schluss spielen kann, kann dazwischen eigentlich spielen, was er will. Die Fans beim Primavera Festival waren rundum zufrieden mit der Greatest-Hits-Show von Damon Albarn und Co., aber der fade Beigeschmack der Nostalgie bleibt bei Auftritten von alt gedienten Bands ohne aktuelles Material.

zu sehen beim: Berlin Festival 6.-7.9.2013

John Talabot 

Eines der besten House-Alben des letzten Jahres lieferte der Spanier John Talabot ab. Gemeinsam mit Pional präsentierte er bei seinem Heimspiel im Club Apolo die Tracks von "fin" sowie einige neue Songs, die in die gleiche Richtung zielen. Wie so häufig bei elektronischen Liveacts, gab es nicht viel zu sehen - außer Talabot und seinem Partner am Laptop und gelegentliche Vocal-Einlagen der beiden - aber umso mehr zu tanzen.

zu sehen beim: Berlin Festival 6.-7.9.2013

My Bloody Valentine

Eine weitere legendäre Band aus der musikalisch aufregenden Zeit Anfang der 90er Jahre sind My Bloody Valentine, die 20 Jahre nach ihrer Auflösung völlig unerwartet wieder zusammengekommen sind. Erwartungsgemäß stellte der Noise-Pop der Band um Kevin Shields den Soundmann vor eine eigentlich unlösbare Aufgabe. An ihrer beeindruckenden Wall of Sound konnten sie im Studio jahrelang arbeiten, live gingen die dahingehauchten Vocals leider weitgehend im breiten Gitarrensound von Shields und seinen Mitstreitern unter, so dass man im Grunde nur ein Instrumentalkonzert geboten bekam. Dennoch waren die Zuschauer sichtlich gebannt von diesem wuchtigen Auftritt. Highlight: Drummer Colm Ó Cíosóig, der die schwebenden Songs von "Loveless" und dem neuen Album "mbv" mit seinem unvergleichlich treibenden Spiel zusammen hielt. 

zu sehen beim: Berlin Festival 6.-7.9.2013

Pantha Du Prince & The Bell Laboratory

Zwar ist Pantha Du Prince auf dem Berlin Festival "nur" bei einem Soloauftritt zu bewundern, doch sein Konzert mit The Bell Laboratory im riesigen Auditorium des naturwissenschaftlichen Museums in Barcelona, gehörte für viele zu den Highlights des gesamten Primavera Festivals. Nur auf Live-Schlagwerk zelebrierten die fünf Musiker den Klang der Glocke in all seinen schillernden Farben und mit fließenden Grooves. Was auf CD eher nerdig daher kommt, gewinnt live und in so einem Ambiente enorm und führt die Musik zurück aufs Wesentliche: Klang und Rhythmus. Die Zuschauer verfolgten das Konzert gebannt mit andächtiger Ruhe und bedankten sich am Ende mit Jubel und Standing Ovations! Leider eignet sich dieses Setup eher für die Philharmonie als fürs Open-Air-Festival. Wir freuen uns aber auch auf Hendrik Weber solo. 

zu sehen beim: Berlin Festival 6.-7.9.2013
 

The Knife

Vom eingängigen Electropop ihrer Anfangstage haben sich The Knife inzwischen komplett verabschiedet. Ihre Festival-Setliste beschränkte sich in Barcelona auf zehn Songs, die meisten von ihrem neuen spleenigen Konzeptalbum "Shaking The Habitual". Einen Titel den The Knife mit ihrer Performance unterstreichen und dabei (Hör-)Gewohnheiten und Erwartungen brechen und in Frage stellen. Das öffentlichkeitsscheue Duo verschmilzt in einer choreografischen Darbietung mit den restlichen Tänzern und viel Stroboskoplicht auf der Bühne. Eine beeindruckende Inszenierung, bei der es am Ende fast egal ist, ob auch nur ein Ton live gespielt wird, oder nicht. Sicherlich kann man darüber enttäuscht sein, dass man mehr schräge Performance als Konzert erlebt. Ebenso wie über den Aspekt, dass großartige Songs wie "Heartbeats" oder "Pass This On" keinen Platz mehr in der Setlist haben.

zu sehen beim: Melt! 19.-21.7.2013

Disclosure

Die beiden Lads aus London haben in ihren jungen Jahren in ihrer Heimat schon einige amtliche Club- und Charthits vorzuweisen und stellen auf dem Melt! ihr Debütalbum "Settle" vor. Leider lassen sie aber ihre Gastsängerinnen zu Hause, so dass der Auftritt eher zu einem DJ-Set mit den eigenen Tracks mutiert, von kurzen Bass- und Gesangseinlagen abgesehen. Schade, da wäre live eigentlich viel mehr drin bei dem großen musikalischen Talent der beiden Lawrence-Brüder. Vielleicht erweitern sie ihr Live-Setup ja noch bis zum Melt!

zu sehen beim: Melt! 19.-21.7.2013

Django Django

Vor zwei Jahren hatten sie für einen kleinen Hype im Netz gesorgt mit ihrem reduzierten, groovenden Art-Pop. Das geht auch live ganz gut ins Bein und erinnert phasenweise an Hot Chip. Gute Stimmung und viel Bewegung an der frischen Luft ist da garantiert.

zu sehen beim: Melt! 19.-21.7.2013

James Blake

Der smarte Brite hat sich mit seinen beiden Alben eine große Fanschar erspielt. Diese weiß er auch live mit mächtigen Bässen und sanfter Stimme um den kleinen Finger zu wickeln. Seine Live-Performance ist dieses Jahr noch um einiges facettenreicher als noch vor zwei Jahren. Wer mit seiner introvertierten Musik nicht so viel anfangen kann, wird allerdings auch live nicht mit ihm glücklich werden.

zu sehen beim: Melt! 19.-21.7.2013

Nick Cave & The Bad Seeds

Was soll man noch sagen, über die Live-Qualitäten des Altmeisters? Auf dem Primavera Festival spielte er sich einmal quer durch seine beeindruckende 30-jährige Karriere mit den Bad Seeds von "From Her To Eternity" über "Tupelo", das von Johnny Cash geadelte "Mercy Seat" gehört von jeher zu den Standards in seinem Live-Repertoire, von den blutrünstigen Songs wie "Jack The Ripper" über "Red Right Hand" und "Stagger Lee" aus Murder Ballads bis zum aktuellen Album "Push The Sky Away". Von ganz wild bis ganz zart und wieder zurück. Cave könnte zweifellos jeden Tag seine Setlist komplett ändern und nichts würde sich an der Qualität des Auftritts ändern. Denn das große Ereignis eines Cave-Konzerts sind nicht nur die Songs, sondern das ist vor allem der Sänger. Immer wieder steigt er herab in die ersten Reihen und nimmt mit waghalsigen Kletteraktionen direkten Kontakt zu seinem Publikum auf, beschwört und betört es. Niemand kann das besser als er. Es gibt derzeit kaum einen besseren Live-Act als Nick Cave mit seinen Bad Seeds. Punktum. Alleine für ihn lohnt sich die Reise in die Brandenburgische Provinz zur zweiten Ausgabe des bunt gemischten Greenville Festivals.

zu sehen beim: Greenville Festival 26.-28.7.2013

Wu-Tang Clan

Wie immer bei Auftritten des Wu-Tang Clan, weiß man nie, wer eigentlich auf der Bühne stehen wird. Im Mittelpunkt des Auftritts stand sowieso der 20. Geburtstag des Release von "Enter The Wu Tang", dessen Hits der Clan nicht schuldig bleibt und routiniert abspult. Ergänzt durch Tracks der letzten zwei Jahrzehnte bleiben so kaum Wünsche offen, allerdings ließ der Sound an der restlos gefüllten Primavera Bühne so sehr zu wünschen übrig, so dass man als nicht-eingefleischter Hip Hop-Fan in den hinteren Reihen komplett außen vor blieb, während vorne in den ersten Reihen pausenlos die Hände in die Luft gingen.

zu sehen beim: Greenville Festival 26.-28.7.2013

Foto Credit: Scanner-FM

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