Radiohead war nur der Anfang

Macht die Vermarktung von „In Rainbows“ Schule?

„Hello everyone. Well, the new album is finished, and it`s coming out in 10 days; We`ve called it In Rainbows." Mit wenigen Worten haben es Radiohead geschafft, das Internet in Ekstase zu versetzen. Nachdem das Album gestern als Download erschienen ist, machen sich schon die nächsten Bands bereit, ihrem Beispiel zu folgen und der Musikindustrie den Rücken zu kehren.

"As of right now Nine Inch Nails is a totally free agent, free of any recording contract with any label. I have been under recording contracts for 18 years and have watched the business radically mutate from one thing to something inherently very different and it gives me great pleasure to be able to finally have a direct relationship with the audience as I see fit and appropriate." Man merkt den Worten von Trent Reznor, Kopf der Industrial-Rocker Nine Inch Nails, die Freude darüber an, dass sein Vertrag mit Interscope ausgelaufen ist. Vor der Veröffentlichung des aktuellen NIN-Albums "Year Zero" ließ Reznor schon gezielt Songs im Netz leaken. In Zukunft will Reznor ausschließlich das Internet nutzen, um seine Musik zu vertreiben.

The Charlatans verkündeten vor kurzem, ihr kommendes Album als Free-Download auf der Site eines Radiosenders anzubieten (Wir berichteten). Obwohl das Album noch nicht veröffentlicht wurde, ist die Nachfrage auf Konzertkarten für die Charlatans-Tour im kommenden Frühjahr so groß, dass Manager Alan Mc Gee schon nach größeren Hallen Ausschau hält. Weitere Namen wie Oasis, Jamiroquai oder Madness kursieren derweil durchs Netz, die Radiohead folgen könnten. Schließlich stehen alle drei Acts im Moment ohne Plattenvertrag da. Doch was passiert, wenn den Major-Companies ihre einträglichsten Künstler in Scharen davon laufen, kann man im Moment nur erahnen.

Obwohl es sich dabei nur im Gerüchte handelt, bringt die Entwicklung der letzten zehn Tage die Verantwortlichen in der Plattenindustrie zumindest zum Grübeln. Guy Hands, CEO von Terra Firma, dem neuen Eigner der EMI, ließ in einer vertraulichen Mail an seine Mitarbeiter zum Thema Radiohead folgendes verlauten: "(It´s) a wake-up call which we should welcome and respond to with creativity and energy". Zu lange, so Hands weiter, habe sich die Plattenindustrie auf den Verkauf von CDs konzentriert anstatt die Verbreitung von Musik im Internet voranzutreiben. Doch ob diese Erkenntnis nicht bereits Jahre zu spät kommt?

Zumindest Noel Gallagher interessiert sich heute sowieso nicht mehr für Dinge wie Geldverdienen, wie er der kanadischen Musikzeitschrift "Exclaim!" mitteilte:
“Fuck internet piracy. How boring’s that? I just don’t think I have an opinion on that. We’ll leave that to Lars Ulrich. Make an arse of yourself. Hey, if it’s out there for free and you can find it, then good for you. To be quite honest, between me and you, can I say this off the record? I’ve got enough money. I don’t need any more. Lars Ulrich has got enough money. He don’t need anymore. Keith Richard or Paul McCartney have got more money than sense - look at the way they dress. It’s blatantly evident. We’re well paid, us sucessfull people.”

Florian Schneider / Tonspion.de

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