Renner verlässt Universal, Stein verlässt BMG

Das Personalkarussel in der deutschen Musikbranche dreht sich derzeit in rasanter Geschwindigkeit. Nur einen Tag nach dem Rücktritt von Tim Renner als Geschäftsführer von Universal, räumt nun auch BMG-Chef Thomas Stein (berühmt-berüchtigt als böser Onkel bei der Superstar-Show) seinen Posten. Eine Branche sortiert sich neu.

Nachdem bereits zahlreiche Mitarbeiter der Musikbranche ihren Job verloren haben und derzeit gut beraten sind, sich neue Betätigungsfelder zu suchen, macht das Bäumchen-wechsle-dich-Spiel nun auch nicht mehr vor den Machern der Branche halt. Tim Renner galt lange Zeit als jung-dynamischer Visionär innerhalb der Branche, der sich traute, verkrustete Strutkuren aufzubrechen und auch Neuem und Ungewöhnlichen einen Platz im Popzirkus einzuräumen.

Nachdem er gestern überraschend von seinem Posten zurückgetreten war, sah sich Der Spiegel online sogar genötigt, einen Nachruf auf ihn zu veröffentlichen, als habe man den Messias der Musikbranche ans Kreuz genagelt.

Nicht ganz so pathetisch und emotional dürfte dagegen der Abgang von Thomas Stein aus der Münchener BMG-Zentrale ausfallen, der zwar als erfahrener Branchenkenner geschätzt, aber als eitler Firmenpatriarch auch gerne hinter vorgehaltener Hand kritisiert wurde. Vor allem sein Engagement als Jury-Mitglied bei "Deutschland sucht den Superstar" unter dem Motto "Leistung, Leistung, Leistung" sorgte auch innerhalb der Musikbranche für Kopfschütteln. Denn damit hat er ein Bild der Branche als einer Industrie gezeichnet, bei der es nicht mehr um Kreativität, Talent oder Können geht, sondern um eine Art Leistungssport mit Punktrichtern. Singen nach Zahlen.

Über die genauen Hintergründe dieser prominenten Abgänge wird derzeit heftig spekuliert. Nur eines wird auch das nicht bewirken: ein Aufwärtstrend wird für die Musikindustrie wohl auch in kommender Zeit kaum zu verzeichnen sein, zumal mit der Verschmelzung von Sony und BMG und der Neuausrichtung von Warner Music nach der Trennung von AOL Time Warner Veränderungen anstehen, die zu einem weiteren, wahrscheinlich drastischen Abbau von Arbeitsplätzen führen werden.

Thomas Stein wird den Meldungen zufolge weiterhin als Richter Gnadenlos bei Deutschland sucht den Superstar tätig sein. Tim Renner dürfte bereits stapelweise Jobangebote aus Wirtschaft und Politik in seinem Postfach vorfinden. Ob er der Musikbranche erhalten bleibt, ist derzeit noch ungewiss. (ur)

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