Respect the music

Indielabel-Verband wirbt für Musik ohne Kopierschutz

Immer lauter wird die Kritik von Verbraucherverbänden, Musikern und nun auch Musikfirmen, gegen einen umfassenden Kopierschutz für Musik. Dieser wird lautstark von den Lobbyisten der Musikindustrie eingefordert. Mit der Kampagne "Respect the music" will sich der Verband unabhängiger Tonträgerunternehmen von dieser Haltung deutlich distanzieren.

Musikindustrie und Musikwirtschaft sind zwei völlig unterschiedliche Branchen. Könnte man meinen, wenn man beachtet, wie weit sich die Majorfirmen der globalen Konzerne und die Indielabels sich inzwischen auseinander entwickelt haben. Erst kürzlich ist der Verband unabhängier Tonträgerunternehmen VUT aus dem Verband der Musikindustrie IFPI ausgetreten, weil man zunehmend unterschiedliche Ziele verfolge.

Während die Majors SonyBMG, Universal, EMI und Warner nach wie vor an einem globalen Verbot des ungeschützten MP3-Formats und dem flächendeckenden Einsatz von Kopierschutz und DRM festhalten, haben die Firmen unter dem Dach der VUT nun die Kampagne "Respect the music" ins Leben gerufen. Mit einem Sticker auf CDs "Copy Protection Free" möchten die angeschlossenen Labels darauf aufmerksam machen, dass nicht jedes Label einen Kopierschutz einsetzt. Diesen betrachten viele sogar als geschäftsschädigend.

?Es kann doch nicht angehen, dass ich mir für 17 Euro ein heiß ersehntes Album kaufe und die neuen Songs dann nicht mal im Autoradio anhören kann, weil der Player die CD nicht annimmt? meint Lado-Chef Carol von Rautenkranz. Sein Label wird ab sofort alle Veröffentlichungen mit dem Sticker kennzeichnen, der von !K7 entwickelt wurde.

Mit drei Forderungen will sich der VUT in den Verhandlungen des sogenannten zweiten Korbs des neuen Urheberrechts Gehör in der Politik verschaffen:

1. DRM und Kopierschutz sind nicht die Lösung des Problems der Musikindustrie. So, wie diese Techniken bislang gestaltet werden, helfen sie eher, auch noch die letzten ?ehrlichen? Musikkäufer zu verprellen und in die Piraterie zu treiben.

2. Wir brauchen ein starkes Urheberrechtsgesetz, das die neuen digitalen Formen von Musikverbreitung und Konsum unterstützt und die Voraussetzungen für zeitgemäße Vergütungsmodelle schafft. Es muss faire Bedingungen für die kreative Branche schaffen und bedarf deshalb einer grundsätzlichen Überarbeitung.

3. Die strafrechtliche Verfolgung von P2P Usern löst das Problem der Piraterie nicht und macht Fans zu Kriminellen.

Wie ein "starkes" Urheberrechtsgesetz genau aussehen soll bleibt allerdings auch bei dieser Kampagne im Dunkeln. Stattdessen wird einmal mehr an die Verantwortung der Musikfans appelliert, dass "für den Erhalt einer vielfältigen Musikkultur lebensnotwendig ist, dass man sie auch respektiert", ergo Geld dafür ausgibt. Angesichts der tief greifenden technologischen Veränderung und der Versäumnisse der letzten Jahre, dürfte dieser Appell allerdings weitgehend ungehört verhallen. (ur)

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