Review: Kurt Cobain - Montage Of Heck

Doku über das kurze Leben des letzten Rockstars

Vor 21 Jahren setzte der damals 27-jährige Kurt Cobain seinem Leben ein Ende. Der Film "Montage Of Heck" versucht den Mensch hinter dem Rockstar zu beleuchten. Und nährt doch wieder nur den Mythos.

Regisseur Brett Morgen erhielt von Kurt Cobains Familie Zugang zu privaten Videobändern und Konzertmitschnitten, sowie unzähligen Zeichnungen, Briefen und Notizen des hyperaktiven Kurt Cobain. Daraus montierte er für den US-TV-Sender HBO "Montage of Heck" eine dokumentarische Collage, angelehnt an den Titel eines Mixtapes, das Kurt Cobain einst produziert hatte. 

Erstaunlicherweise hatten die Cobains jeden Schritt ihres Sprösslings mitgefilmt, was in den frühen 70ern noch äußerst außergewöhnlich war. Ergänzt wird die zweieinhalbstündige Doku mit gezeichneten Passagen, die vor allem die einsame, nachdenkliche Seite Kurt Cobains zeigen, die sich nicht in Videos festhalten lässt. Und das ist auch der große Nachteil des Films: sobald eine Kamera lief, war Cobain natürlich weit weg davon, er selbst zu sein, sondern zeigt sich wahlweise als wütender Punkrocker oder liebestoller Vater. Das psychische Wrack, das er angeblich war, ist nirgendwo zu sehen. Ganz im Gegenteil. Ein Glückskind, dem alles in den Schoß fällt und das von allen geliebt wird.

Trailer: Cobain - Montage of Heck

Trailer: Montage Of Heck - Kurt Cobain
Trailer: Montage Of Heck - Kurt Cobain

Hinter das traurige, abgründige Geheimnis, das Kurt Cobain am Höhepunkt seiner Karriere in den - laut Bassist Krist Novoselic: vorhersehbaren - Selbstmord trieb, kommt man auch durch diesen Film nicht. Fast schon aprupt scheint sich der Junkie Cobain am Ende eine Kugel in den Kopf gejagt zu haben. Während Mutter, Vater, Schwester und Stiefmutter ihre Sicht auf den "schwierigen" Sohn darlegen und seine Frau Courtney Love offen über ihren hypersensiblen und ganz bewusst drogenabhängigen Rockstar-Gatten redet, bleiben am Ende viele Fragen unbeantwortet - oder werden gar nicht erst gestellt. Die Karriere von Nirvana passiert so aus Versehen nebenher, die Songs schreiben sich offenbar von selbst. Über die wegweisende Band erfährt man in dem Film so gut wie nichts.

Umgekehrt spart sich Brett Morgen aber auch eine zu reißerische Erzählung des kurzen wilden Lebens eines Rockstars, sondern beschränkt sich weitgehend aufs Privatleben und auf Close-Ups. So lässt er etwa den Einfluss von Nirvanas Jahrhundertwerk "Nevermind" auf das Leben von Cobain von dessen Mutter so kommentieren: als Cobain ihr das neue Nirvana-Album im heimischen Wohnzimmer auf voller Lautstärke vorspielte, sagte sie ihm nur: "Schnall dich gut an! Für das, was jetzt passieren wird, bist du nicht bereit!". Sie sollte Recht behalten.

Am Ende befördert der Film trotzdem keine neuen Erkenntnisse über das viel zu kurze Leben des Kurt Cobain zutage, außer dass er ein überaus süßes Kind - und liebevoller Vater war. Vielleicht ist die Wahrheit wirklich so erschreckend hart und einfach und deshalb so unendlich schwer zu begreifen: Drogen töten.

Der Film lief am Wochenende in ausgewählten Kinos und wird am 4. Mai 2015 auf HBO ausgestrahlt.

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.

amazon music unlimited

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Ähnliche News

Trailer: Who Killed Kurt Cobain?

Trailer: Who Killed Kurt Cobain?

Graphic Novel jetzt auch auf Deutsch
Die Graphic Novel "Who Killed Kurt Cobain" versucht einen Blick in die Psyche der verstorbenen Musikikone zwischen Drogensucht, Romanzen und Todessehnsüchten. Seht hier den Trailer.

Aktuelles Album

Nevermind

Nirvana - Nevermind

25 Jahre Nevermind
Vor 25 Jahren erschien das wegweisende Album "Nevermind" von Nirvana. Wir schauen zurück auf eine der aufregendsten Zeiten der jüngeren Musikgeschichte.