RIAA-Chefin: CD-Kopierschutz noch nicht einsatzreif

Die RIAA-Chefin Hillary Rosen hat jetzt anlässlich einer Preisverleihung erstmals öffentlich Stellung zu dem Verbreiten von manipulierten MP3-Dateien über Tauschbörsen genommen. Außerdem erklärte sie, Kopierschutz-Technologien für Audio-CDs seien "noch nicht ganz einsatzreif."

Hillary Rosen nahm anlässlich einer Preisverleihung der National Association for Recording Merchandisers Stellung zu aktuellen Problemen der Musikwirtschaft. Dabei rief sie die Plattenfirmen auf, zuallererst an die Interessen der Konsumenten zu denken. Erst wenn diese gut behandelt würden, würde es auch der Musikbranche wieder gut gehen.

Interessante Bemerkungen machte Rosen insbesondere zum umstrittenen Thema der Privatkopie. "Wir haben die Möglichkeit der Konsumenten, eine CD fürs Fitnesstudio oder für ihr Auto zu kopieren immer unterstützt", erklärte sie dazu wörtlich. Problematisch sei es lediglich, wenn ein Student 100 Kopien für sein gesamtes Wohnheim erstelle oder hunderte von MP3s über Kazaa anbiete. In diesem Zusammenhang nannte Rosen kopiergeschützte Audio-CDs eine mögliche Selbsthilfemaßnahme der Plattenfirmen, wandte jedoch ein, "die Technologie [sei] offenbar noch nicht ganz einsatzreif."

Außerdem nahm Rosen Stellung zu den Versuchen der Plattenfirmen, Tauschbörsen durch das Verbreiten so genannter Fake-MP3s zu sabotieren. Diese Songs, die oftmals Störgeräusche, lange Sekunden der Stille oder einfach nur ewig gleiche Loops beinhalten, werden mittlerweile anlässlich fast jeder neuen Single bekannnter Musiker im Netz verbreitet. Rosen erklärte dazu, dies habe positive Effekte auf die Verkaufszahlen neuer Veröffentlichungen.

Rosens Äußerungen zur Privatkopie stehen im krassen Gegensatz zu den Aussagen deutscher Musikwirtschafts-Lobbyisten, die auch die Kopie fürs Auto liebend gerne verboten sähen. Anders als in Deutschland gibt es in den USA bisher auch fast keine geschützten Audio-CDs. Offenbar fürchten die Plattenfirmen dort, mit Millionenklagen überhäuft zu werden, wenn sie dem Konsumenten CDs vorsetzen, die nicht mehr auf PCs laufen. (jr)

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