RIAA will MP3-Fans erziehen

Mit fragwürdigen Maßnahmen hat sich der amerikanische Verband der Musikindustrie RIAA einmal mehr zum willigen Objekt von beißendem Hohn und Spott gemacht. Mit belehrenden Kurznachrichten über Filesharing-Clients diverser Tauschbörsen, will man den tauschenden Musikfan von seinen liebgewonnenen Gewohnheiten abbringen.

Nachdem die US-Musikindustrie letzte Woche eine schwere Schlappe im Prozess gegen die Tauschbörsen Grokster und Morpheus erlitten hat (wir berichteten), hat man sich nun schleunigst einen neuen Feind ausgesucht - wenn man die Anbieter von Tauschbörsen schon nicht drankriegt, dann doch wengistens die Nutzer der Tauschbörsen. Gedacht, getan. So wurden in der vergangenen Woche über eine eigens entwickelte Software rund 200 000 Kurznachrichten über die Tauschbörsen verschickt, in der die RIAA darauf hinweist, dass eine "Verbreitung und Herunterladen von Musik ohne Einwilligung der Eigentümer illegal ist" und jeder, der dies missachte, rechtliche Konsequenzen befürchten müsse.
Diese Botschaft soll in den kommenden Wochen millionenfach über die Instant Messaging Systeme der Tauschbörsen verschickt werden und soll der Erziehung der Filesharer dienen.
Doch wenn die noch nicht mal auf ihre eigenen Mütter hören, welche Chance wollen RIAA-Hardliner haben, die kein Mensch persönlich kennt und die sich in letzter Zeit nicht eben Respekt in der Netzgemeinde erworben haben? Und wer will es Nutzern überhaupt verübeln, Musik illegal zu tauschen, wenn es die Plattenindustrie bis heute nicht geschafft hat, entsprechende legale Alternativen im Netz anzubieten? Statt mit ihren Kunden in einen offenen Dialog zu treten, wie es in einer Krisensituation eigentlich angebracht wäre, droht die RIAA weiterhin hohle Konsequenzen auf rechtlich wie moralisch fragwürdiger Basis an:
Mit der Aktion wolle man den Nutzern der Tauschbörsen demonstrieren, dass man ihre Identität kenne.
Und während die RIAA noch aufgeregt mit der Schreckschusspistole vor ihren eigenen Kunden herumfuchtelt, stellte die erste Tauschbörse bereits ein Filtersystem in Aussicht. Damit sollen derartige Angriffe der RIAA zukünftig kurzerhand unterbunden werden. (ur)
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