Rolling Stone kritisiert Plattenfirmen

Mit einer ungewöhnlichen Anzeige hat sich die US-Ausgabe des Rolling Stone Magazins jetzt in die Debatte um Filesharing und Kopierschutz eingeschaltet. Darin erklärt die Zeitschrift unter anderem, dank der Plattenfirmen würden Jugendliche das Interesse an Musik verlieren.

Gestaunt haben werden sie schon ein bisschen, die Leser der New York Times, also sie vor einigen Tagen mitten im Wirtschaftsteil eine halbseitige Anzeige des Rolling Stone vorfanden. Handschriftlich heißt es dort:

?Ein dickes Dankeschön an die Chefs der Plattenfirmen

Danke dafür, dass ihr den guten Kampf gegen den Tausch von MP3s über das Internet kämpft. Euretwegen werden Millionen von Kids aufhören, ihre Zeit mit dem Hören neuer Musik und dem Entdecken neuer Bands zu verschwenden. Sie werden keine Mundpropaganda mehr gegenüber komplett Unbekannten für eure Musiker betreiben. Auch werden sie nicht mehr schädlicherweise tausenden von Bands über Internet-Radios ausgesetzt sein. Mit ein bisschen Glück werden sie sich überhaupt nicht mehr über Musik unterhalten. Wahrscheinlich wisst ihr, dass ihr Millionen machen könntet, wenn ihr die Technologie aufgreifen würdet. Schließlich waren die tauschenden Kids zehn Mal bessere CD-Kunden, was eure Haltung noch bewundernswerter macht. Sie hat euch sicher einen dicken Batzen eurer zukünftigen Einnahmen gekostet, aber keine Angst - Computer sind sowieso nur modischer Schnickschnack, und das Internet ist einfach nur dumm.

Rolling Stone?

Unter Tauschbörsenfreunden sorgte die Anzeige schon kurz nach ihrem Erscheinen für Begeisterung. Einige zeigten sich jedoch auch verwirrt: Auf der Suche nach weiteren Informationen hatten sie die Website Rollingstone.com angesteuert und waren dort auf das Vermerk ?Vivendi Universal Net USA Group, Inc. All rights reserved? gestoßen. Stammte die Anzeige also von Universal, der weltgrößten Plattenfirma?

Des Rätsels Lösung: Der Rolling Stone wird in den USA vom Zeitschriftenverlag Wenner Media herausgegeben. Die Website gehört jedoch nicht zu dem Verlag, sondern zu Universals Internet-Einheit VUNet. Die nutzt den Namen unter Lizenz und macht nebenbei ein bisschen Werbung für die aktuelle Ausgabe. Ein friedliches Nebeneinander sozusagen. Damit könnte es jedoch bald vorbei sein, und das nicht nur wegen der Dankesbrief-Anzeige. VUNet will all seine unprofitablen Web-Angebote abstoßen, und dazu gehört auch Rollingstone.com. (jr)

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