Schlacht der Internetgiganten: AOL vs. Microsoft

Eine unappetitliche Schlacht um die Vormachtstellung in der Internetbranche ist zwischen den Megakonzernen AOL und Microsoft ausgebrochen. Am Anfang stand ein Browserkrieg, doch nun weitet sich der Streit der beiden Marktführer um Kundschaft und unfeine Monopolstellungen auf andere Gebiete aus. Ein Ende ist nicht abzusehen.

Am Anfang stand der Browser. Dieses kleine Softwarepaket konnte einen normalsterblichen Nutzer auf eine Reise durch das für die Militärs entwickelte Internet schicken. Netscape hieß die Firma, die den ersten massenhaft verbreiteten Internetbrowser an den Start brachte. Und dann kam Microsoft: durch die Bündelung seines eigens entwickelten Browsers Internet Explorer mit dem weitverbreiteten Betriebssystem Windows 95 konnte Microsoft innerhalb von wenigen Jahren Netscape in die Bedeutungslosigkeit verdrängen. Der User bekam den Browser ja schon mit Windows zusammen geliefert und brauchte sich um nichts mehr kümmern.

Das ist die häufig kritisierte Drückermethode von Microsoft zur Durchsetzung seiner neuen Produkte. Inzwischen wurde Netscape längst vom Internetgiganten AOL geschluckt, der durch eine ähnliche Vorgehensweise bei seinem Internetzugang vor allem die eigenen Dienstleistungen in den Vordergrund stellt und den freien Netzzugang eher versteckt.

Jetzt hat AOL Microsoft auf Schadensersatz für den Niedergang von Netscape verklagt und fordert ausserdem den Browser Wettbewerb wieder anzukurbeln. Doch das scheint nur die Spitze des Eisbergs, denn selbst Netscape Chef Marc Andreessen hatte im vergangenen Jahr den andauernden Browserkrieg für beendet und entschieden erklärt.
Inzwischen hat sich der Streit der beiden Internetriesen drastisch ausgeweitet und auch neue konkurrierende Technologien der beiden Firmen rücken ins Zentrum der Aufmerksamkeit: AIM vs. MSN Messenger (Online Telegramme), Passport vs. Liberty Alliance (Digitaler Ausweis) und auch in Sachen Musikvertrieb stehen sich die beiden mit Beteiligungen bei Pressplay (Microsoft) und Musicnet (AOL) gegenüber. Neuerdings wird auch bei AOL angeblich intern immer wieder heiß diskutiert, ob man nicht den Marktführer der Linux-Vertriebsunternehmen Red Hat aufkaufen solle, um Microsoft auch in Sachen Betriebssystem ebenbürtig zu werden.

Ehrgeizige Pläne von AOL-Chef Steve Case also, mit dem Ziel ans Bargeld von Microsoft zu gelangen. Wofür? Für eine eigene Vormachtstellung im Kampf um die Seele und die Brieftaschen der Internetnutzer. Der Kauf von Netscape hat sich für AOL bereits jetzt gelohnt, denn eine schlagkräftigere Waffe im direkten Angfriff auf die Schatzkammern von Microsoft kann man sich gar nicht vorstellen.

US-Rechtsprofessoren schätzen diese Auseinandersetzung als wegweisend für die Zukunft der Branche und des Wettbewerbs ein und rechnen damit, dass diese juristische Auseinandersetzung Jahre dauern wird und somit auch das beriets laufende Kartellverfahren gegen Microsoft erheblich in die Länge zieht.
Am Ende bleibt vermutlich einer beim "Kampf von Godzilla gegen King Kong" (Los Angeles Times) auf der Strecke: der Internetnutzer, der am Ende nur noch zwischen zwei Übeln wird wählen können. Wenn er sich nicht selber aktiv um Alternativen bemüht und den durchaus noch existierenden alternativen Lösungen kleinerer kreativen Firmen den Vorzug gibt. (ur)

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