Selbstgebrannte für 9,99 EUR

Und sie bewegt sich doch: die Musikindustrie versucht mit Billig-CDs verlorenes Terrain zurückzuerobern. Die BMG bietet für EUR 9,99 eine CD unter dem schönen Namen "Anti-Piraterie-CD". Die Billigalben sollen dabei den Charme von Selbstgebrannten besitzen, also ohne Artwork und sonstiges Bonusmaterial auskommen.

Tolle Idee, könnte man meinen. Angesichts eines wegbrechenden Marktes die Preise für maßlos überteuerte Produkte wie die CD endlich zu senken. Doch die Strategie der BMG scheint einzig und allein auf ein Ziel ausgerichtet zu sein: die Preise noch weiter in die Höhe zu treiben. Denn neben seiner lächerlich unattraktiven Billig-CD will der Entertainmentkonzern eine Luxusvariante an den Start bringen, die dann satte EUR 17,99 kosten soll.

Eine CD mit der Attraktivität eines selbstbeschriebenen Rohlings wird in Zeiten von CD-Brenner und Tauschbörsen den Kids auf den Schulhöfen nur ein mildes Lächeln abgewinnen. Der Preis von EUR 9,99 liegt weit über dem, was das Taschengeld in der Regel so her gibt (vor allem wenn man schon durch die teuren, aber prestigeträchtigen Klingeltöne abgezockt worden ist). Und wenn man sich noch erinnert, dass selbst wunderschön aufgemachte Vinylplatten vor der Einführung der CD für weniger Geld zu haben waren, dann fühlt man sich vollends verarscht.

"Wir müssen endlich kundenfreundlicher werden und den Musikfans eine breite Auswahl bieten", so BMG-Chef Steinkamp zur Einführung der Billig-CD. "Die Musikbranche hat viel zu lange einfach nur unbeweglich auf ihren Hintern gesessen."
Auch die Sony will ein ähnliches Preisspektakel veranstalten. Ob die Rechnung aufgehen wird, entscheidet am Ende wie immer der Kunde. Zweifel sind wohl durchaus berechtigt.

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