Simple and stupid

Wie das iPad das Internet verändern wird

Viel ist spekuliert worden wie er wohl aussehen wird, der neue Touchscreen-Computer von Apple. Auf die mediale Euphorie folgte bei den Apple-Nerds Ernüchterung. "Das kann ja gar nix", so der allgemeine Tenor. Doch genau das ist vermutlich Apples Erfolgsrezept für die Zukunft.

Was haben wir geflucht über Windows 95 und seine diversen Nachfolger. Die Nutzerfreundlichkeit von Computer geht dramatisch in den Keller, je mehr sie können. Mit einem PC kann man viel mehr machen, als der durchschnittliche Nutzer jemals brauchen wird. Computer werden schließlich von Informatikern entwickelt und die ticken anders und halten die meisten dieser Features für völlig unverzichtbar.

Steve Jobs tut das nicht. Mit dem iPhone hat seine Firma Apple einen mobilen Taschencomputer entwickelt, mit dem man telefonieren, Filme schauen, Musik hören, chatten, spielen oder fotografieren kann. Man kann sein Blog pflegen, Mails schreiben, Bilder bei Facebook hochladen, neue Musik bei Soundcloud hoch- und bei iTunes runterladen. Mit anderen Worten: das iPhone kann so ziemlich alles, was ein durchschnittlicher User so braucht im Alltag. Und buchstäblich jeder will eins haben.

Dieses Killer-Konzept hat Apple nun einfach weiter gesponnen und auf ein größeres Format übertragen, das einem Standardcomputer-Monitor entspricht und im Vergleich zu einem Macbook oder iPhone deutlich preiswerter sein soll. Dieses Format erlaubt zusätzlich Bücher zu lesen, durch Zeitschriften zu blättern oder Filme in ansprechender Größe zu schauen. Auf die Telefonie wurde kurzerhand verzichtet, so ein Riesending am Ohr sieht ja auch irgendwie blöd aus.

Die Kritik, eigentlich nur einen übergroßen iPod Touch herausgebracht zu haben, kam vor allem von Spezialisten, von Computer-Nerds und Profis, die im Web arbeiten und Content produzieren. Denen das nicht reicht. Alle anderen wollen auch in diesen Apfel beißen. Und das ist wohl die überwältigende Mehrheit.

Dass eine Computerfirma zum ersten Mal ein einfach zu bedienendes, preiswertes und dazu noch attraktives Netbook mit Touchscreen auf den Markt bringt und es sogar von der anstrengenden Option des Multitasking befreit, wird wohl auch unser Internet verändern: Der Apple App-Store zeigt derzeit eindrucksvoll, dass man auch mit Content Geld verdienen kann. Unzählige Firmen setzen zunehmend Hoffnung darauf, im Internet ein Geschäft zu machen, der Druck ist enorm. Egal ob die Musik-, Film- oder Verlagsbranche: sie alle sind elementar davon abhängig, das Internet zum Umsatzbringer umzuwandeln und das gelingt den meisten - mit wenigen Ausnahmen - bisher nicht mal ansatzweise. Wo alles kostenlos ist, ist kein Geschäft zu machen. Werbung ist allenfalls ein nettes Nebengeschäft auf Dauer, das hat sich in den letzten Jahren hinlänglich gezeigt.

Insofern wird das neue iPad also vermutlich eine ganze Schwemme von Bezahl-Inhalten nach sich ziehen, die man einfach finden und ganz einfach bezahlen kann für Preise im Cent-Bereich. Das nützt den Kreativen, die diese Inhalte produzieren und das nützt vor allem Apple, die die Konditionen bestimmen. Frei zugängliche Inhalte werden künftig wohl meistens nur noch Teaser oder Ergänzung zu kostenpflichtigen Inhalten sein. Ganz wie die Internetseiten vieler Printmagazine nur Begleitmaterial für die eigentliche Publikation bieten. Oder wie der Tonspion einzelne kostenlose Downloads aus Alben vorstellt, die man dann bei Interesse in einem Shop erwerben kann.

Apple hat mit dem App-Store den ersten Schritt in ein neues Geschäftsmodell gemacht, der zumindest den großen Verlagen künftig ihr Überleben sichern könnte, sofern die Leute sich daran gewöhnen können, für gewisse heiß begehrte Inhalte im Netz auch völlig selbstverständlich Geld zu bezahlen.

Genauso wie die Musikbranche heute schon am Tropf von Apple hängt, dem Jobs mit dem iTunes Store das Geschäft mit Downloads überhaupt erst möglich machte, könnten zukünftig aber auch andere Branchen zunehmend von Apples nutzerfreundlichen Innovationen abhängig sein. Und ob das gut oder schlecht ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Lesenswerte Artikel zum iPad:

"Das Zeitalter des PC ist zu Ende" (Nicholas Carr bei FAZ.net)

"Digitales LSD" (Andrian Kreye bei SZ.de)

"Apples Macht - Die Politik des iPad" (Frank Schirrmacher bei FAZ.net)

"On the iPad" (Alex Payne)

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