Sind MP3.com und Co. für Musiker noch interessant?

Wer als Band Musik im Netz anbieten wollte, hatte dazu vor ein, zwei Jahren noch unzählige kostenlose Möglichkeiten. Mittlerweile schrauben immer mehr Firmen ihre Angebote zurück oder bitten ihre Nutzer zur Kasse. Jüngstes Beispiel: Der ehemalige Branchenprimus MP3.com.

MP3.com galt lange als das attraktivste Angebot für Musiker, die kostenlos ihre MP3s ins Netz stellen wollten. Damit könnte jetzt bald Schluss sein: Ab dem 31. Januar können Bands nur noch maximal drei Songs gleichzeitig kostenlos zum Download oder als Stream anbieten. Wer seinen Fans mehr bieten will, muss zahlendes Mitglied werden. Kostenpunkt: Je nach Angebotsumfang zwischen fünf und 15 Dollar pro Monat.

Zudem fallen für nicht zahlende Musiker im Januar zahlreiche Service-Angebote weg. Support per E-Mail gibt es beispielsweise demnächst nur noch im Rahmen der kostenpflichtigen Mitgliedschaft. Für Musiker wird es damit immer schwieriger, sich für einen MP3-Anbieter zu entscheiden. Erst vor ein paar Wochen hatte Besonic angekündigt, demnächst die Nutzer zur Kasse bitten zu wollen. Downloads gibt es dort in Zukunft nur noch gegen bares - es sei denn, die Band wird zum zahlenden Mitglied und gibt ihren Fans den Download sozusagen aus.

Was also tun, wenn man als Nachwuchsband die eigenen MP3s ins Netz stellen will? Bevor man sich auf eine kostenpflichtige Mitgliedschaft bei MP3.com und Co. einlässt, lohnt sich auf jeden Fall eine gründliche Kosten-Nutzen-Kalkulation. So verlangt MP3.com für seine Mitgliedschaft bis zu 15 Dollar, bei Besonic schlägt die Band-Mitgliedschaft mit fünf Euro pro Monat zu Buche. Zum gleichen Preis bekommt man heute bei Webhostern oftmals schon eine eigene Domain und genug Speicherplatz, um bis zu 10 Songs im MP3-Format zum Download anzubieten.

Der Vorteil der eigenen Website ist klar: Keiner redet einem in Design-Fragen rein, es wird keine lästige Werbung eingeblendet, und merken lässt sich die Adresse auch einfacher. Allerdings muss die eigene Seite ja auch erstmal gestaltet werden. Und MP3-Plattformen haben den Vorteil, dass sich Interessierte dort schneller auf die eigene Seite verirren als im weiten Web.

Deshalb der Tipp: Eine kostenpflichtige Mitgliedschaft beim MP3.com und Co. lohnt sich in den wenigsten Fällen. Empfehlenswert ist es dennoch, auf solchen Plattformen Präsenz zu zeigen. Und wenn pro Anbieter nur drei MP3s erlaubt sind, dann verteilt man die gesammelten Meisterwerke eben auf genügend unterschiedliche Server. Wer dann irgendwann doch noch sein Geld in eine eigene Website anlegt, hat dann gleich ein paar interessante Adressen zum verlinken. (jr)

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