So klang 2010

Der Jahresrückblick von Udo Raaf

Viel Masse, aber nur wenig Klasse. So könnte man das Jahr 2010 rückblickend betrachten. Trotzdem gab es auch in diesem Jahr sehr Hörenswertes und Beachtliches. Eine kleine Auswahl von Udo Raaf.

Bestes Album 2010:

Johnny Cash - Ain't No Grave

Es hat immer einen etwas bitteren Beigeschmack, wenn ein Album posthum erscheint. In diesem Fall sogar ganze sieben Jahre nach dem Ableben des Künstlers. Doch beim Hören dieses Albums mit einigen der letzten Aufnahmen von Johnny Cash wird einem schlagartig klar, wie sehr er fehlt. Nicht die stärkste der durchweg grandiosen "American Recordings"-Reihe von Rick Rubin, aber trotzdem immer noch eine Klasse für sich. Aloha Oe!


Bester Song 2010:

The Hundred In The Hands - Commotion

Was für eine Hookline! The Hundred In The Hands aus New York haben sich mit ihrer Single "Commotion" in die Playlisten aller Indiedisco-DJs gespielt, die was auf sich halten. Daran wird sich in nächster Zeit wohl auch nichts ändern und wenn dann im Jahr 2041 die 2010er-Retro-Partys anstehen wird dieser tolle Song, wenn nichts schief geht, immer noch auf der Playliste stehen.


Beste MP3s im Tonspion 2010:


Shit Robot - Take 'Em Up
(Free MP3)

Der Mann, der dem LCD Soundsystem und dessen Label DFA das Tanzen beibrachte lässt es inzwischen etwas ruhiger angehen und hat sich vom Nachtleben Brooklyns in den beschaulichen Schwarzwald zurückgezogen. Dass er dort endlich Zeit und Ruhe hatte, ein gut abgehangenes Debütalbum zu produzieren, das dem neuen Werk seines Kumpels James Murphy in nichts nach steht: toll.


Bester Musikmoment:

Während draußen am Einlass die Tumulte tobten, spielte Fever Ray drinnen im Hangar des Berliner Flughafen Tempelhofs auf dem diesjährigen Berlin Festival ein bemerkenswertes, ruhiges Konzert. Wie immer komplett verhüllt, diesmal unter einer Art japanischen Burka, umgeben von Nebel und von hinten mit Laserlicht ins Publikum zielend, zelebrierte die Stimme von The Knife ihre düstere Zeitlupen-Performance mit verfremdeten Vocals und schrägen Sounds und zog das Publikum unter anderem mit einem Cover von Nick Caves "Stranger Than Kindness" in ihren Bann. Großes Kino ganz ohne Film.


Schlimmster Musikmoment:

Stuart Price muss die kommerzielle Erfolglosigkeit seiner tollen und Anfang des Jahrzehnts wegweisenden Band Zoot Woman derart geschmerzt haben, dass er seitdem alles, was er als Produzent von Stars wie Madonna, Seal, Kylie Minogue, Scissor Sisters oder zuletzt Take That in die Finger bekommt gnadenlos auf Charts bügelt. Das blasierte, schlagerhafte Soloalbum von Killers-Frontmann Brandon Flowers, ist nur ein weiterer Beleg dafür, dass gute, inspirierte Musik nichts mit Chartsplatzierungen tun hat.

Wunsch für 2011:

Weniger Hype, mehr Substanz.

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