Sondermüll CD

Universal will Weiterverkauf und Wegwerfen von Promo-CDs verhindern
In unserer Redaktion trudeln pro Woche 30 bis 40 CDs ein. Sie werden uns von diversen Labels und Künstlern zugeschickt, mit dem Anliegen, sie im Tonspion zu besprechen. Nur gut ein Drittel davon kommt überhaupt für uns in Frage. Doch wohin eigentlich mit dem ganzen Rest?

Zugegeben: CDs wegwerfen ist immer noch ein Sakrileg, eine Art Bücherverbrennung - es kommt also nur bei besonders schlimmen Fällen überhaupt in Frage. Doch auch die Regale in der Redaktion bieten nicht unendlich viel Platz, selbst wenn man heute die CDs nicht mehr in schicken Jewel-Cases, sondern nur noch in billigen Plastikhüllen zugeschickt bekommt. Irgendwann wandern bearbeitete Tonträger also zwangsläufig in einen großen Karton ohne Adressaufkleber und dieser früher oder später auf dem Müll. Soll sich doch da jemand darum kümmern.

Doch genau das will Universal in den USA nun verbieten lassen. Da für Promotion-CDs nur Nutzungsrechte, aber keine Eigentumsrechte eingeräumt werden, sollen diese CDs auch nicht weiterverbreitet werden dürfen. Ein eBay-Händler, der sich auf (nicht mehr) gebrauchte Promo-CDs spezialisiert hatte, wurde jetzt von der Plattenfirma verklagt. Nicht nur das Weiterverkaufen, sondern auch das Wegwerfen stelle eine nicht genehmigte Verbreitung der Promo-CDs dar und damit eine Verletzung des Copyrights, so die Argumentation der Firma. Es kann sich ja schließlich jeder aus dem Müll bedienen und so für eine weitere unerwünschte Verbreitung sorgen.

Wohin also mit dem ganzen Zeug? Wir schlagen vor: auf den Sondermüll. Die Müllabfuhr könnte Silberne Kisten mit kleinen Schlitzen aufstellen, in die die CDs gesteckt und sofort geschreddert werden können. Oder die Online-Promoter könnten ihre kostbare Ware einfach einen Tag später wieder abholen kommen. Der Vorteil dabei wäre, dass man dem zuständigen Redakteur einmal ganz persönlich die Pistole auf die Brust setzen könnte, um ein Thema zu berücksichtigen. Am besten aber folgende Idee: man verzichtet einfach auf vermeintlich geschenkte CDs, sondern lädt diese potenziellen Musikpiraten einfach auf so genannte Listening-Sessions ein, nimmt ihnen ihre Handys ab und spielt ihnen kleine Schnipsel des Werks vor. Das muss schließlich reichen, um ein neues Album besprechen zu können. Wie? Das gibt es schon? Und da gehen auch noch welche hin? Kaum zu glauben, was sich die Musikindustrie so alles einfallen lässt.

Udo Raaf / Tonspion.de

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