Sony BMG entdeckt die Nische

Ein eigener Unternehmensbereich soll sich ab sofort um die Indies kümmern
Sony BMG und Musik auf unabhängigen Labels sollen sich in Hinkunft nicht mehr ausschließen. Zumindest will es die Konzernleitung so. „Red Ink“ heißt das neu gegründete Unternehmen im Unternehmen, das die musikalischen Nischen beackern soll. Als Schwestergesellschaft der in den USA ansässigen „Red“ wird die deutsche „Red Ink“ sowohl Künstlern als auch unabhängigen Labels individuell zugeschnittene Vermarktung, Promotion und Vertrieb in den wichtigsten internationalen Musikmärkten anbieten.

In Europa werden zunächst Büros in Deutschland, Großbritannien und den Benelux-Ländern eingerichtet. Der Fokus liege jedoch auf neuen Acts in ganz Europa, wird Sony BMG Europa-Chef Maarten Steinkamp zitiert. Das deutsche Red Ink-Büro, das seine Arbeit offiziell am 1. Jänner 2006 in Berlin aufnimmt, wird von Mathias Lumm geleitet.

Schöne Idee eigentlich: Potentes Major bietet unbekannten Labels und deren Künstlern seine alteingesessenen Vertriebsstrukturen an, wodurch der aus der Nische kommenden Musik der Weg in die Kaufhäuser geebnet wird. Wer allerdings weiß, dass Majors wenig bis nichts umsonst machen und wie eng der Spielraum für europäische Major-Vertriebe in den letzten zehn Jahren geworden ist, kann an einen groß geschriebenen Förderaspekt nicht so recht glauben.

Denn: Wer über eigene Netzwerke verfügt, vertreibt ohnedies abseits der Major-Landkarte und wer keine Kontakte hat, dessen Musik will zu allererst einmal promoted werden, bevor an Major-Vertrieb zu denken ist. Und woher kommt eigentlich das know-how, welche Art von Promo für Indies die erfolgversprechendste ist? Und woher sollen die Indies überhaupt das Geld nehmen, sich Major-Promo zu leisten? Fragen über Fragen.

Andererseits erscheint der Blick der Majors Richtung Nische angesichts der anhaltenden Erfolglosigkeit bei Mehrfachauswertung, Billig-Produktionen und Cross-Promotion nur logisch. Vielleicht ist bei Sony BMG darin ja auch ein bewusster Kontrapunkt zur jüngst in Sachen Kopierschutz und Spyware extrem fehlgeschlagenen Unternehmenspolitik zu sehen.

Der Konzern hat sich mit der Gründung von Red Ink jedenfalls ein schwieriges Geschäftsfeld ausgesucht, das ohne größere Investitionen eigentlich nicht gewinnbringend bearbeitet werden kann. Und für Investitionen ist eigentlich kein Geld vorhanden, da beißt sich die Katze in den Schwanz. (md)

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