Spotify-Chef entschuldigt sich bei Nutzern

"Wir hätten AGB-Änderungen besser kommunizieren sollen"

Spotify hat in der letzten Woche mit Änderungen seiner AGB harsche Kritik auf sich gezogen. Jetzt rudert Spotify-Chef Daniel Ek zurück und räumt Fehler bei der Kommunikation ein. Den neuen AGB müssen die Nutzer dennoch zustimmen. 

Eins gleich vorneweg: Spotify wird seine AGB-Änderungen nicht rückgängig machen. Der schwedische Streamingdienst will künftig Zugriff auf Fotos, Kontakte, Standort und Sensor-Daten und die Nutzer müssen den Änderungen zustimmen, wenn sie den Dienst weiterhin nutzen möchten.

In der App ist derzeit ein Fenster zu sehen, in dem erklärt wird, dass man die AGB geändert habe, aber nicht, was und wofür genau.

Neue AGB sorgen für Verwirrung bei Nutzern und Medien
Die Nutzer werden also dazu aufgefordert, etwas zu akzeptieren, dessen Bedeutung sie gar nicht verstehen können. Und seien wir mal ehrlich: das Leben ist zu kurz, um sich mit juristischem Kauderwelsch in AGBs zu beschäftigen!

Das dachte sich wohl auch Spoitfy und versuchte die Änderungen möglichst geräuschlos durchzusetzen, doch das ging nun gründlich in die Hose. Viele Medien und Nutzer zeigen sich entsetzt über das Vorgehen des Streaming-Marktführers. Der Anbieter setzte seinen Nutzern eine Frist bis zum 21. September, anschließend könne man den Dienst nicht mehr nutzen, sofern man die neuen Nutzungsbedingungen nicht akzeptiere.

Nutzer behält die Kontrolle über seine Daten
Daniel Ek, Spotify-Geschäftsführer, versucht in einem ausführlichen Blog-Beitrag mit dem schlichten Titel "Sorry." den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Wir werden ausdrücklich und in jedem einzelnen Fall um Genehmigung fragen, wenn wir auf diese Daten zugreifen möchten - und wir werden sie ausschließlich dazu nutzen, um Spotify besser zu machen". Desweiteren erklärt er, dass jeder Nutzer den Zugriff auf seine persönlichen Daten auch weiterhin kontrollieren könne.

Nutzer können die Nutzung von Bildern oder Facebook-Freundeslisten in den Privatsphäre Einstellungen also einfach unterdrücken, selbst wenn sie den neuen Nutzungsbedingungen zugestimmt haben. Spotify lässt sich grundsätzlich nur das "Ok" geben, auf diese Daten zugreifen zu dürfen, sofern der Nutzer das gestattet. Man werde die neuen AGB in Kürze verständlicher umformulieren, so Ek.

Fazit: Übertriebene Hysterie oder echte Gefahr?
Bei allem Verständnis für die zunehmende Sensibilisierung im Bereich des Datenschutzes, setzt die Kritik inzwischen oftmals am falschen Ende an. Tatsächlich bieten viele besonders hilfreiche Apps nur dann einen Mehrwert, wenn man entsprechende Daten zur Verfügung stellt.

Eine Karten-/Navigations-App bringt nichts, wenn die App nicht weiß, wo sich der Nutzer gerade befindet. Passende Musik- oder Konzertempfehlungen wie in unserer Tonspion App sind nur dann möglich, wenn sie weiß, was ein Nutzer hört. Und keine Messaging App funktioniert ohne Zugriff auf Fotos, denn sonst könnte man keine Selfies mehr versenden. Das heißt nicht gleich, dass am anderen Ende die Stasi sitzt, die diese Daten auswertet. Und selbst wenn, würde sie das wohl nicht in den AGBs ankündigen, so wie Spotify das fairerweise tat.

Besorgniserregend oder gefährlich wird es immer erst dann, wenn ein Anbieter umfassende personenbezogene Daten sammeln und zusammenführen kann, so dass lückenlose Persönlichkeitsprofile entstehen. So wie es die omnipräsenten Giganten Google oder Facebook längst können - oder die Geheimdienste.

Denn dann ist es nur noch ein kleiner Schritt zum Überwachungsstaat, wie wir ihn bisher nur aus der Science Fiction kannten. Man stelle sich nur einen durchgeknallten US-Präsidenten Donald Trump mit Zugriff auf all diese personenbezogenen Daten über jeden Einzelnen von uns vor. Wissen ist Macht! 

Gegen diese völlig unkontrollierte Datensammelei hilft allerdings auch kein Shitstorm, denn sie geschieht ohne unser Wissen und ohne unsere Zustimmung zu irgendwelchen AGBs. Dagegen helfen nur klare Gesetze und deren konsequente Durchsetzung, auch gegenüber internationalen Partnern. 

Wir als Nutzer können diese Entwicklung nur in der Form beeinflussen, dass wir ein Bewusstsein dafür entwickeln, welche Daten wir überhaupt im Netz preisgeben und was uns die Bequemlichkeit, die uns manche App ermöglicht, wirklich wert ist.

Udo Raaf ist Gründer des ersten deutschen Musikblogs Tonspion und Geschäftsführer von ContentConsultants und berät seit 2001 Firmen zum Thema Online Marketing und SEO in Berlin.

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