Spotify-Debatte geht in die nächste Runde

Spotify-Chef kontert die Vorwürfe

Nachdem der aktuell erfolgreichste US-Popstar Taylor Swift seinen kompletten Katalog von Spotify entfernen ließ, meldet sich nun Spotify-Chef Daniel Ek zu Wort und verteidigt seinen Service.

In einem langen Blog-Beitrag schreibt Ek, dass es ihn sehr aufrege, wenn behauptet werde, Spotify mache Millionen auf dem Rücken von Künstlern. Dazu hat er auch allen Grund, denn wenn mehr prominente Stars sich aus Spotify zurück ziehen, wird es Ernst. Einen Streaming-Service ohne die wichtigsten Alben darin zu finden, würde wohl kaum jemand abonnieren.

"If we want to drive people to pay for music, we have to compete with free to get their attention in the first place."

Taylor Swift hatte ihren Rückzug damit begründet, dass sie nicht erkennen könne, dass Künstler angemessen bezahlt würden. Außerdem würden die meisten Nutzer kostenlos Musik hören und dafür Werbung in Kauf nehmen. Das sei unfair gegenüber den Fans, die sich Alben kaufen. Spotify bietet neben seinem werbefreien Abo für 10 Euro im Monat auch ein kostenloses, werbefinanziertes Abo an, das rund 75 Prozent aller Abonnenten nutzen. Nur mit einem kostenlosen Angebot könne man Musikfans langfristig zu zahlenden Kunden machen, so das Argument des Spotify-Chefs.

Das Management von Taylor Swift erklärte in einem anderen Interview, dass man versucht habe, mit Spotify zu verhandeln, dass das neue Album "1989" zunächst nur zahlenden Kunden zur Verfügung gestellt wird. Darauf sei Spotify nicht eingegangen. Daher der Entschluss, den gesamten Katalog zu entfernen. Denn nach wie vor bringen Verkäufe dem Künstler wesentlich mehr, als die Streaming-Lizenzen.

Ek kontert, dass man bislang zwei Milliarden Dollar an Künstler und Labels ausgeschüttet habe, eine Milliarde davon alleine im letzten Jahr. Taylor Swift habe dieses Jahr das Potenzial 6 Millionen Dollar über Spotify zu verdienen, was sich im nächsten Jahr aufgrund der prognostizierten Entwicklung der Nutzerzahlen vermutlich verdoppeln werde. 

"Taylor Swift is absolutely right: music is art, art has real value, and artists deserve to be paid for it. We started Spotify because we love music and piracy was killing it."

Demgegenüber stellt Ek die Einnahmen, die Künstler aufgrund von Piraterie hätten: Null. Spotify sieht sich vor allem als Retter des Musikbusiness vor dem Untergang durch die Piraterie. Vor Spotify war Ek Geschäftsführer der Tauschbörse µTorrent, weshalb ihm auch heute viele Musikbusiness-Insider wohl nicht so recht über den Weg trauen. 

Der erst 29-jährige Spotify-Chef weist aber zurecht darauf hin, dass Musik fast überall umsonst zu hören sei, ohne dass die Künstler nur einen Cent sehen und nennt neben den Tauschbörsen und Radio vor allem Youtube und Soundcloud. Was so nicht ganz stimmt, denn Künstler verdienen sowohl an Radio-Airplay wie an Youtube, sofern sie Werbung vor ihre Videos schalten. Dennoch sei die Musik von Taylor Swift überall umsonst zu haben, während Spotify sie für jeden einzelnen Stream bezahle. 

"Downloads are dropping just as quickly in markets where Spotify doesn’t exist."

Für den wohl wichtigsten Grund von Swifts Rückzug, nämlich die Gefahr, dass Spotify die Verkäufe ihres aktuellen Albums kannibalisiere, hat Ek auch ein Gegenargument parat. Überall auf der Welt seien CD-Käufe und Downloads rückläufig. Als Beispiel nennt er Kanada, wo Spotify erst in diesem Jahr gestartet ist. Auch dort seien bereits vor Spotify die Umsätze deutlich zurück gegangen. Dabei verschweigt er aber kurzerhand die Streaming-Konkurrenz, die bereits vor Spotify in Kanada gestartet ist, unter anderem Deezer, Rara, Rdio, Slacker und Google Play Music. 

Die Diskussion um die Zukunft des Musikbusiness wird wohl noch eine Weile andauern. Derzeit gehen die Meinungen auch in der Branche weit auseinander, es gibt sowohl prominente Spotify-Befürworter wie Bono oder Quincy Jones, aber auch prominente Gegner wie David Lowery oder Thom Yorke von Radiohead. Vor allem Künstler, die nicht zu den Großverdienern zählen, haben sich schon häufiger zu Wort gemeldet und die Einnahmen über Spotify als Witz bezeichnet. 

Wir möchten wissen, welche Erfahrungen Künstler und Labels im deutschsprachigen Raum mit Spotify & Co. gemacht haben.
Schreibt uns eure Meinung und Erfahrungen zum Thema. Ist Spotify die Zukunft? Oder "der letzte Furz einer sterbenden Industrie", wie Yorke es ausdrückte? Wir werden die Meinungen sammeln und demnächst hier veröffentlichen.

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Taylor Swift ist der erfolgreichste Popstar in den USA. Mit ihrer Mischung aus Country und zeigemäßem Mainstream-Pop hat sie in ihrer Heimat einen Nerv getroffen.