Spott und Häme für Apple und U2

Wie ein Marketinggag nach hinten los geht

Ein neues U2-Album kostenlos und frei Haus? Vor wenigen Jahren hätte man sich über so ein Geschenk gefreut. Doch der Plan von Apple und U2, das neue Album allen iTunes Nutzern kostenlos auf die Festplatte zu pushen, ging ordentlich nach hinten los.

Nein, das soll kein U2-Bashing werden. In den 80er und 90er Jahren haben Bono und Co. zu Recht mit ihren Hymnen die Musikwelt erobert. "Pride (In The Name Of Love)", "Where The Streets Have No Name" oder "One" sind Meilensteine in der Rock-Geschichte, ganz egal, ob man den messianischen Gestus von Bono mag oder nicht. 

Aber nun hat die einst erfolgreichste Band des Planeten den Bogen überspannt. Statt es einfach so an ihre Fans zu verschenken (wie es Radiohead mit ihrem Album "In Rainbows" mit ausgestrecktem Stinkefinger in Richtung Plattenfirma getan hatten) haben die Polit-Rocker ihr neues Album "Songs of Innocence" direkt an den Computergiganten Apple verkauft. Das nannte man früher "Ausverkauf" oder "Corporate Rock" und zog gesellschaftliche Ächtung nach sich.

Schlimmer noch: 500 Millionen Nutzer von iTunes wurden mit dem Album zwangsbeglückt, es tauchte plötzlich in ihrer Playliste auf. Dabei hätte man wissen können, dass U2 zwar eine große Fangemeinde hat, aber dass die Zahl der Leute, die der irischen Band nichts abgewinnen können oder sie sogar hassen, ungleich größer ist. Musik lässt niemanden gleichgültig, nur schlägt das Pendel schnell in beide Richtungen aus. Das erfährt man als Musikmagazin Tag für Tag.

Entsprechend verbreitet sich im Netz nun Hohn und Spott über die Band und Apple (denen man einen etwas innovativeren, mutigeren Musikgeschmack durchaus hätte zutrauen dürfen). Damit hat Bono gerechnet und den Hatern auch gleich eine Nachricht geschrieben, doch die optimistische Annahme auch den ein oder anderen HipHop-Fan durch ihr "bisher persönlichstes Album" bekehren zu können, ist eine peinliche Anmaßung. Als gäbe es nicht genug Gelegenheiten, sich die Musik von U2 anzuhören, wenn man das will.

Was ist falsch daran, den Leuten die Wahl zu lassen, welche Musik sie hören möchten? Ganz egal, ob man das Album mag oder nicht: mehr Sympathien haben Bono und Co. diese Woche nicht gewonnen. 

Hier einige Reaktionen aus Twitter, alleine aus den letzten paar Stunden: 

Aber wie ist denn nun das neue Album? Ist es denn so schlecht, wie Twitter einen glauben lässt? Keineswegs. Aber es ist leider auch nicht annähernd so gut, wie U2 das offenbar selbst glauben. Jedenfalls halten sich die "bekehrten" HipHop-Fans in den sozialen Netzwerken bisher bedeckt. 

Album Review: U2 - Songs Of Innocence

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