Stabilisiert sich der deutsche Musikmarkt?

Nach einem Bericht der Financial Times Deutschland scheint sich die deutsche Musikbranche nach stetigen Verlusten wieder zu konsolidieren. Zumindest werden derzeit nicht mehr ganz so hohe Verluste prognostiziert – und das ist für Branchenkenner bereits ein wichtiger Teilerfolg. Man hofft auf bessere Zeiten, nicht zuletzt aufgrund der Chancen, die sich aus dem Online-Vertrieb ergeben.

Nach den Statistiken des Bundesverbandes der phonographischen Wirtschaft war die Auslieferung von Tonträgern im ersten Halbjahr 2003 um 16 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum dieses Jahres liegt der Verlust bei drei Prozent - verglichen mit der rapiden Talfahrt der letzten Jahre eine gute Tendenz.

Man ist bescheiden geworden: läge der prozentuale Absatzverlust der Branche am Ende des Jahres 2004 im einstelligen Bereich, so würde das als ein Erfolg gewertet. Einige Manager sind noch optimistischer und hoffen sogar, bald wieder schwarze Zahlen schreiben zu können. Vielleicht ein bisschen zu optimistisch vor dem Hintergrund, dass Deutschland weltweit zu den Ländern mit den größten Absatzeinbrüchen gehört: lag der Absatz von Tonträgern im Jahre 2000 bei 2,49 Milliarden Euro, waren es 2003 nur noch 1,65 Milliarden Euro.

Als Ursache für die Probleme nennen Experten vor allen Dingen die Tatsache, dass es gerade die Majorlabel versäumt haben, die Zeichen der Zeit zu erkennen und einen Musikvertrieb via Internet zu etablieren. So war man auf die massive Nutzung von illegalen Online-Tauschbörsen keineswegs vorbereitet und hatte lange Zeit kein Konzept, dieser Entwicklung etwas entgegen zu setzen.

Doch was in den Jahren zuvor versäumt wurde, könnte jetzt den vermeintlichen Aufschwung heraufschwören: so ist der Onlinevertrieb von Musik in den USA noch deutlich weiter verbreitet als in Europa. Nach Schätzungen des Marktforschungsunternehmens Nielsen Soundscan wurden in den USA im Zeitraum Juni 2003 bis Juni 2004 über das Internet 73 Millionen Musikstücke verkauft. Davon 54 Millionen im ersten Halbjahr 2004. Diese Zahlen deuten an, welche Kapazitäten im Onlinebereich noch erschlossen werden können. Denn auch in Deutschland scheint sich der Absatzmarkt zu verlagern, die Anzahl von kommerziellen Downloadportalen steigt.

Auch manche Künstler scheinen diese Entwicklung unterstützen zu wollen. Angesichts der Tatsache, dass am 1. September in Großbritannien die ersten Downloadcharts veröffentlicht werden, ist zu erwarten, dass einige Musikstücke exklusiv nur als Download veröffentlicht werden, um sich dort entsprechend zu platzieren.

Das Ende des klassischen Tonträgers ist deswegen wohl noch nicht in Sicht, auch wenn CD-Käufer in Zeiten des Kopierschutzes sehr fragwürdige Nutzungsbeschränkungen hinnehmen müssen. Doch die Branche scheint in dieser Problematik einzulenken: Universal Music kündigte an, seine CDs fortan nicht mehr mit einem Kopierschutz auszustatten. Das Verhältnis von Abspielbarkeit und Sicherheit hat letztendlich nicht gestimmt, ließ der Konzern verlauten.

Diese Entwicklung lässt hoffen, dass die Musikbranche langfristig umdenken wird: statt weiterhin das Verhalten des Konsumenten reglementieren zu wollen, sollte man neue Wege gehen und die Chancen des Onlinevertriebes erkennen. (js)

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