Stell dir vor, es ist Web 2.0 und keiner macht mit

Online-Studie untersucht Nutzungsverhalten
Als "Mitmach-Internet" hat das Web 2.0 inzwischen auch die Boulevard-Blätter erreicht. Spätestens seit YouTube oder Wikipedia kann sich fast jeder etwas darunter vorstellen. Doch mitmachen will offenbar kaum jemand, wie die ARD/ZDF-Onlinestudie 2007 belegt.

Social Software ist die Grundlage des Web 2.0. Sie befähigt Menschen ohne große Technikkenntnisse, sich im Web einzubringen, Beiträge zu veröffentlichen oder Fotos und Videos hochzuladen. Die Idee: je mehr Menschen sich im Netz einbringen, desto wertvoller wird auch das Medium. So weit die Theorie.

Doch die Euphorie um "das neue Web" scheint etwas voreilig zu sein. Zwar gibt es mit Wikipedia oder YouTube richtige Stars, die inzwischen zu enormen Reichweiten gelangt sind, doch die Inhalte stellen offenbar nur wenige Sendungsbewusste bereit. Wikipedia wurde z. B. von fast der Hälfte aller deutschen Onliner ab 14 Jahren schon einmal besucht, doch lediglich 6 Prozent haben schon einmal einen Beitrag selbst eingestellt oder bearbeitet. Ganz ähnlich sieht es bei YouTube aus. Rund ein Drittel waren schon drauf, aber nur 7 Prozent haben schon einmal etwas hochgeladen.

Noch dramatischer ist das Ungleichgewicht zwischen Medienhype und Realität im Falle von Second Life. Obwohl die virtuelle Online-Welt Anfang des Jahres in sämtlichen Medien zum großen neuen Ding aufgeblasen wurde und ein bekanntes Hamburger Nachrichtenmagazin dem Anbieter sogar eine tägliche Kolumne schenkte, ist das Interesse bei den Nutzern eher mager. Gerade mal 3 Prozent haben schon mal virtuelle Spielewelten genutzt, davon 80 Prozent mit eigenem Avatar. Und das, obwohl die Bekanntheit mit 73 Prozent aufgrund des enormen Medienspektakels bereits entsprechend groß ist. Vernichtend aber das Urteil: 72 Prozent aller Nutzer finden ein zweites Leben überhaupt nicht interessant. Schließlich haben sie mit ihrem ersten schon genug zu tun.

Auch das Blogging bleibt eine Sache von nur wenigen Aktivposten. Nur rund 3 Prozent bloggen aktiv oder posten Kommentare, während die Mehrheit (ca. 8 Prozent aller Internetnutzer) nur liest und schweigt. Podcasts werden selbst passiv von kaum jemandem regelmäßig genutzt (4 Prozent).

Entsprechend ernüchternd fällt das Fazit der Autoren aus. Der Erfolg einiger weniger Web 2.0-Portale sei nicht von der Möglichkeit getrieben, "aktiv an diesen Webseiten mitarbeiten zu können, sondern von der hohen Attraktivität der Inhalte und dem Mehrwert für die Webgemeinde". Mit anderen Worten: "Es handelt sich quasi um ein klassisches `Web 1.0`, das aus usergenerierten Inhalten besteht".

Weiterhin steigend ist übrigens die regelmäßige Nutzung von Audio- und Videoangeboten im Netz (jeweils rund 20 Prozent). Das ist stark darauf zurückzuführen, dass inzwischen 60 Prozent per DSL - und fast alle davon mit einer Flatrate - im Internet unterwegs sind, eine Steigerung um 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Udo Raaf / Tonspion.de

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