Stream: Davie Bowie-Produzent Tony Visconti im Interview mit Steve Blame

Das gesamte Gespräch vom Reeperbahnfestival

Tony Visconti ist einer der wichtigsten Produzenten in der Geschichte der Popmusik. Auf dem Reeperbahnfestival plauderte er mit Steve Blame über die Arbeit mit Bowie, T. Rex und sein erstes Treffen mit John Lennon. Hier gibt es das gesamte Gespräch im Stream.

Steve Blame interviewt Tony Visconti (Foto: Stefan Malzkorn)

 

Tony Visconti ist eine Legende. Seit den 60er Jahre ist der Produzent aus dem Musikbusiness nicht mehr wegzudenken. Er arbeitete unter anderem David Bowie, Marc Bolan (T. Rex) und Iggy Pop zusammen. Während des Reeperbahnfestivals traf er sich mit dem britischen Moderatoren Steve Blame für ein Interview vor Publikum.

Darin stellt Visconti direkt zu Beginn klar, dass er immer noch Hoffnung darauf hat, dass es auch künftig noch prägende Musiker wie Bowie oder Prince geben wird. Die Künstler müssten sich nur wieder trauen: "Ich würde gerne wieder einen verrückten Künstler mit wirrer Persönlichkeit sehen, denn das werden die Pop-Ikonen der Zukunft sein – die Verrückten." Denn so seien auch Bowie und Bolan gewesen. 

Und als müsste er diese These beweisen, erzählte er in den nächsten 50 Minuten unzählige Anekdoten aus den letzten 50 Jahren. Angefangen bei der Entdeckung "seiner Band" T. Rex (damals noch Tyranosaurus Rex).

T. Rex - Children Of The Revolution

"Ich suchte nach den nächsten Beatles, nach dem nächsten Frank Zappa. Etwas besseres als einen einfachen Pop-Act." Er fügt hinzu: "Als ich T.Rex das erste mal gesehen hab, wusste ich nicht mal, ob sie wirklich auf Englisch singen. Tatsächlich dachte ich erst, die Texte wären auf Französisch. Ich war begeistert! Also bin ich nach der Show hin gegangen und habe gesagt: 'Mein Name ist Tony Visconti, ich würde gerne eure Musik produzieren.' Aber Marc sagte nur: 'Du bist schon der achte Produzent, der hier diese Woche reinkommt. John Lennon war hier.' Ja, das war meine erste Begegnung mit Marc Bolans Super-Ego" Später fügt er hinzu: "John Lennon war natürlich niemals im Spiel gewesen".

Auf den Unterschied von Bolan und Bowie angesprochen sagt Visconti, dass Bowie sehr lange an seinen Songs arbeiten musste, während Bolan vor Kreativität nur so sprühte und wäre er nicht so früh gestorben seiner Ansicht nach noch ein großes Werk vorgelegt hätte.

Auch die Geschichte, dass er sich weigerte an "Space Oddity" mit Bowie zu arbeiten, da ihm der Song viel zu kommerziell und nach John Lennon klang, ist eine der zahlreichen Anekdoten, die der langjährige Produzent und Freund Bowies zu erzählen weiss. Bowie schrieb den Song damals in reiner Verzweiflung, weil er unbedingt einen Hit haben wollte und so kam ihm die Mondlandung gerade recht, um endlich die Massen mit seiner Musik zu erreichen.

David Bowie - Starman

Von da an folgen im Gespräch vor allem Geschichten von der Freundschaft zu Bowie, genialen Studiosessions und jeder Menge Kokain: "Da war eine Menge Koks im Spiel, ich hatte keine Ahnung, wie er [Bowie] das macht. Ich meine ich bin teilweise drei mal Schlafen gegangen und er war immer noch wach."

Gerade die Aufnahmesession im Home-Studio von Visconti seinen absurd gewesen: "Er war einfach zu berühmt, um essen zu gehen. Also kamen in den drei Wochen in denen wir mixten jeden Abend Menschen und brachten diese Gourmet-Essen, wie Hummer oder ähnliches. Es war total surreal!"

Der eigentlich Anlass für Tony Viscontis Besuch des Reeperbahnfestivals war die Verleihung des Anchor Awards, den das Festival dieses Jahr zum ersten mal an aufstrebende Künstler verlieh.

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