Streaming: Bono wirft Labels Betrug vor

"Die Labels sind nicht transparent"

Die Streaming-Dienste bleiben weiter in der Diskussion. Nachdem Taylor Swift ihren gesamten Katalog bei Spotify sperren ließ, verteidigte Bono die Streamingdienste. "Der Feind ist nicht Streaming oder Download, der wahre Feind ist die Intransparenz der Labels", so Bono.

Taylor Swift begründete gestern ihren Rückzug aus Spotify damit, dass Künstler und Komponisten nicht angemessen bezahlt werden. Auch Aloe Blacc meldete sich mit einem Artikel bei Wired zu Wort und rechnete vor, wie wenig man selbst für einen Welthit erhält. Vieles spricht dafür, dass wir demnächst eine massenhafte Abwanderung namhafter Künstler von den Streamingdiensten sehen werden.

Aloe Blacc schrieb unter anderem "I Need A Dollar"

Aloe Blacc ist Komponist und Sänger des Songs "Wake Me Up" von Avicii, einem der meistgespielten Songs in der Geschichte des größten US-Streamingdienstes Pandora. Nach Angaben von Blacc spielte der Song auf Pandora in den USA 12359 Dollar ein. Diese Summe müsse er sich noch mit seinen Songwriting Partnern teilen, blieben am Ende nicht einmal 4000 Dollar Einnahmen für einen Welthit. Also kaum eine Monatsmiete.

Bono vertedigte Spotify bei einer Konferenz in Dublin gegen die Angriffe: "Spotify gibt 70 Prozent an die Rechteinhaber. Aber die wissen oft nicht, wo das Geld landet, weil die Labels intransparent sind." Die Majorlabels sind selbst an Spotify beteiligt und machen oftmals Verträge über komplette Kataloge ohne mit den einzelnen Künstlern zu sprechen. Für sie lohnt sich das Geschäft über die Masse der Titel im Repertoire. Doch das gilt nicht für die Künstler. "Die Labels haben sich in einen Betrug von historischem Ausmaß verstrickt", so Bono.

Damit dieses neue Geschäftsmodell erfolgreich werden könne, müsste ein gewisses Maß an Fairness einkehren. Nur dann könne es eine Welle erzeugen, die alle nach oben befördert. Gleichzeitig verbreitet er Optimismus: "Es ist klar, dass es einige Probleme gibt beim Übergang von der physischen in die digitale Welt und vom 20. ins 21. Jahrhundert. Und die Leute, die den höchsten Preis dafür zu zahlen haben, sind die Songwriter, nicht die Performer. Trotzdem ist es heute genauso aufregend wie zu unserer Zeit, eine neue Band zu gründen." 

Allerdings sind die Leute, die sich zur Zeit zu Spotify äußern nach wie vor die internationalen Großverdiener im Geschäft. Viel dramatischer stellt sich die Lage für weniger bekannte Künstler dar, die oftmals nur noch ein Trinkgeld ausgezahlt bekommen, obwohl sie ihr gesamtes Werk für Streaming-Dienste bereitstellen. Für sie ist nicht fehlende Transparenz das Problem, sondern fehlender Umsatz.

Auch diese vermeintlich "kleinen" Künstler jenseits des Mainstream können Spotify & Co. gefährlich werden, wenn sie künftig nicht mehr bereit sind, ihre Musik für einen Apfel und ein Ei bereit zu stellen, damit andere das große Geschäft machen können. Denn sie sind in der absoluten Mehrheit.

Streaming: Taylor Swift kehrt Spotify den Rücken

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