Studie: Illegale Downloads nicht mehr aufzuhalten

Geschäftsmodell mit kostenpflichtigen Downloads gescheitert?

Im Auftrag der englischen Musikindustrie haben die Tauschbörsen-Statistiker Big Champagne eine Studie veröffentlicht, die besagt, dass illegale Downloads nicht mehr zu stoppen sind.

Als Beispiel diente das aktuelle Radiohead-Album "In Rainbows". Das hatte die Band gegen freiwillige Zahlung auf ihrer Homepage veröffentlicht. Trotzdem luden über 400 000 Menschen das Album am ersten Tag nicht etwa dort herunter, sondern in den Tauschbörsen und Torrents.

Selbst wenn etwas verschenkt wird, holt man es sich also nicht etwa direkt vom Anbieter, sondern von Zweit- und Drittanbietern, die alles mit wenigen Mausklicks verfügbar im Angebot haben. Dagegen ist offenbar kein Kraut gewachsen.
Der Autor der Studie empfiehlt der Branche, sich darauf einzustellen, dass den extrem populären Tauschbörsen nicht mehr beizukommen ist und empfiehlt stattdessen, sie zu legalisieren.

Sicherlich: Bands wie Radioheads profitieren von der Promotion, die auch durch illegale Downloads erzeugt werden. Ihre Konzerte sind ausverkauft, das Merchandising läuft bestens und auch die De-Luxe Ausgabe ihres Albums auf Tonträger wurde zum heiß begehrten Sammler-Objekt. Aber wie finanziert sich eine weniger etablierte Band, die sich im Download-Zeitalter eine finanzielle Unabhängigkeit erarbeiten muss, um konzentriert ihrer kreativen Tätigkeit nachgehen zu können? Um die nächsten Radiohead zu werden? Zur Zeit: eher gar nicht.

Sehen wir also einer Zukunft entgegen, in der ergraute Bands aus der Vor-MP3-Zeit die Musikbranche dominieren, die ihre Schäfchen rechtzeitig ins Trockene gebracht haben? Und in der die Jungen Musik lediglich noch als zeitaufwendiges Hobby nebenbei betreiben können? Oder gelingt es der Musikbranche zehn Jahre nach Napster doch endlich ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das zur technologischen Entwicklung aufschließt? Die Zeit dafür läuft offenbar langsam ab.

Udo Raaf / Tonspion.de

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