Studie: P2P-Flatrate ist machbar

Offener Brief zum Internationalen Tag des Geistigen Eigentums

Anlässlich des heutigen Internationalen Tags des Geistigen Eigentums hat die Initiative Privatkopie.net einen offenen Brief an die Bundesjustizministerin geschickt, mit der Aufforderung, die Legalisierung von P2P-Tauschbörsen nochmals zu überprüfen. Eine neue Studie untermauert nach Meinung der Aktivisten die Machbarkeit einer Tauschbörsen-Flatrate für Musik.

Seit Jahren berichtet Tonspion regelmäßig über neue Vorschläge und Studien zum Thema P2P-Flatrate. Die Grundidee: jeder der Tauschbörsen nutzt zahlt pro Monat eine überschaubare Grundgebühr, etwa in Höhe von 5 Euro. Das Geld wird an die Rechteinhaber ausgeschüttet, abhängig davon, wessen Titel wie oft heruntergeladen werden. Firmen wie BigChampagne messen seit Jahren den Datenverkehr in Tauschbörsen und haben damit bewiesen, dass eine unabhängige Messung des P2P-Traffics technisch machbar ist. Sofern für eine Mehrzahl von Musikhörern dieses Modell attraktiv ist, wovon bei einem überschaubaren Preis auszugehen wäre, könnte sich dadurch der Musikmarkt sogar noch massiv vergrößern im Vergleich zu heute.

Doch die Musikindustrie will von derlei Überlegungen nichts wissen. Stattdessen versucht sie die unbezahlte Verbreitung ihrer Produkte mit Kopierschutzmechanismen (Digital Rights Management) und einer drastischen Verschärfung des Urheberrechts einzudämmen. Bisher weitgehend erfolglos. Ganz im Gegenteil.

Zum heutigen Tag des Geistigen Eigentums, untermauert die Initiative Privatkopie.net ihre Forderung, eine entsprechende Gesetzesänderung noch einmal zu erwägen. Grundlage dafür ist eine aktuelle Studie aus Frankreich von Prof. André Lucas, die besagt, dass eine Content-Flatrate grundsätzlich mit EU-Recht in Übereinstimmung zu bringen sei. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung von der französischen Alliance Public-Artistes. In Frankreich wurde erst kürzlich über die Legalisierung von Tauschbörsen im Parlament abgestimmt und nur mit knapper Mehrheit abgelehnt. Mit ihrer Arbeit möchten die Initiativen dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche, die Tauschbörsen nutzen, nicht unnötig kriminalisiert werden. Die Einführung einer P2P-Flatrate würde also die Nutzung von Tauschbörsen grundsätzlich legal machen und aus Millionen von illegalen Saugern zahlende Kunden machen.

Mit dem zweiten Korb des deutschen Urheberrechts wurde eine entsprechende Forderung mit dem Argument zurück gewiesen, dass es dafür keine Grundlage im europäischen Urheberrecht gebe.

Die Fronten sind weiterhin verhärtet, eine Annäherung der Positionen ist auch nach Jahren der Diskussion nicht in Sicht. So wird sich also erweisen müssen, ob sich die Masse der Musikkonsumenten eine Einschränkung ihrer Rechte durch DRM, Kopierschutz und Androhung drakonischer Strafen einfach gefallen lässt oder ob sich diese Strategie als kontraproduktiv erweist, weil die Produkte der Musikindustrie immer unattraktiver werden. Denn die Entscheidung welches der richtige Weg ist, fällt wie immer in der freien Marktwirtschaft direkt an der Kasse. (ur)

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