Tauschbörse Edonkey will sich neu erfinden

Tauschbörsen-Betreiber suchen nach Kooperationsmöglichkeiten mit der Musikindustrie

"Play for View"-Modelle nach dem Vorbild des Fernsehens werden dabei ebenso diskutiert wie die Fusion mit der israelischen Tauschbörse iMesh, die demnächst ein Abo-Service starten will.

Mehr als drei Millionen Leute nutzten die Tauschbörsen-Software Edonkey in ihrer besten Zeit simultan zu jeder Zeit um Musik und Filme zu tauschen. Nach einer Entscheidung des obersten US-Gerichtshof ist Edonkey, ebenso wie eine Reihe weiterer Tauschbörsen-Anbieter, unter Druck geraten. Um Klagen der Musikindustrie zu vermeiden, suchen die Edonkey-Betreiber nun nach Möglichkeiten ihre Software unter den geänderten rechtlichen Rahmenbedingungen legal anbieten zu können, berichtet das US-Wirtschaftsmagazin "Business Week".

Bislang hat das Unternehmen vorwiegend mit Werbeeinschaltungen Geld verdient. Die für 19,99 Dollar angebotene werbefreie Version fand nur wenige Interessenten. Werbung könnte indes auch das neue Edonkey finanziell über Wasser halten. Nach dem Vorbild des "Play for View"-Modells im Fernsehen könnten künftig lizenzierte Songs gegen das Ansehen von Werbeeinschaltungen heruntergeladen werden dürfen.

Eine weitere Option sieht vor, dass Edonkey-Nutzer am Verkauf der angebotenen Songs mitverdienen können, indem sie ihren Freunden Songs empfehlen und im Falle eines Kaufes prozentuell daran beteiligt werden.
Ähnliche Modelle werden bereits von den mit der Musikindustrie kooperierenden Tauschbörsen Mashboxx und Peer Impact angeboten.

Auch über eine Fusion mit der israelischen Tauschbörse iMesh wird nachgedacht. Diese will in wenigen Wochen mit einem Musik-Abo-Service online gehen, das weniger als zehn Dollar im Monat kosten soll und den Tausch lizenzierter Musikstücke innerhalb des Netzwerkes erlaubt.

Feststeht, dass sich die Tauschbörsenlandschaft in nächster Zeit grundlegend verändern wird. Nachdem die obersten US-Richter Ende Juni entschieden hatten, dass Betreiber von Online-Tauschbörsen für die Urheberrechtsverletzungen ihrer Nutzer verantwortlich gemacht werden können, hat bereits die Tauschbörse WinMX das Handtuch geworfen.
Limewire arbeitet an einem Filter-Mechanismus und Grokster steht in Verkaufsverhandlungen mit der von der Musikindustrie unterstützten Tauschbörse Mashboxx. Der Popularität des Musik-Tausches im Netz wird all dies nach Meinung von Marktbeobachtern jedoch keinen Abbruch tun.
Denn alternative Angebote für den Tausch von Musik und Filmen im Netz gibt es genug. (dax)

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