Tauschbörsen erneut vor Gericht

Die beiden Tauschbörsen Grokster und Morpheus müssen in den USA erneut vor Gericht gegen die Vorwürfe der Musikindustrie kämpfen. Mit einem Berufungsverfahren möchte die ein früheres Urteil rückgängig machen, in dem Tauschbörsen für legal erklärt wurden. Das Urteil wird weltweite Auswirkungen auf den juristischen Umgang mit Tauschbörsen haben.

Nachdem im letzten April Morpheus und Grokster von dem Vorwurf der Urheberrechtsverletzung frei gesprochen wurden, erging in Holland ein ähnliches Urteil bezüglich KaZaa. Für die Musikindustrie waren diese Urteile ein Schock im Kampf gegen die Tauschbörsen. Doch die Gerichte sahen das anders als die Musikindustrie und bezogen sich bei ihren Urteilen hauptsächlich auf einen vergleichbaren Fall vor 20 Jahren.

Damals wollte die Filmindustrie gerichtlich die Einführung des Videorekorder verbieten lassen mit dem Hinweis auf mögliche Urheberrechtsverletzungen. Bekanntermaßen konnte das Gericht damals die Bedenken gegenüber der neuen technologischen Entwicklung nicht teilen und verwies darauf, dass es ausschließlich der Benutzer sei, der Urheberrechtsbrüche begehen könne.

Damals fand man sich in der Filmindustrie mit dem Urteil ab und machte schnell Geschäfte mit der Videokassette - anders als heute. Nach dem Tauschbörsen-Urteil vom vergangenen Frühjahr beeilte sich die Musiklobby in den USA, tatsächlich den Nutzern von Tauschbörsen an den Kragen zu gehen und Anbieter von massenhaft MP3 Files einen Prozess zu machen und auch zu gewinnen. Einige der damals verurteilten Kids treten heute in Werbespots für die Pepsi-Downloadshops auf, um ihre angehäuften Schulden nach dem Urteil ableisten zu können.

Wie das Berufungsverfahren gegen die inzwischen unbedeutenden Tauschbörsen Grokster und Morpheus ausgeht, wird große Auswirkungen auf den zukünftigen Umgang mit den Tauschbörsen haben. Wird das erste Urteil bestätigt, dürfte es welweit schwierig werden, gegen Betreiber von Tauschbörsen vorzugehen. Dann sind die Nutzer dran. Doch die Tauschbörsenentwickler werden alles daran setzen, ihren Nutzern ein ungestörtes Tauschen zu ermöglichen. Auch Tauschbörsentechnologie steckt noch in den Kinderschuhen, davon darf man getrost ausgehen.

Morpheus etwa hat öffentlichkeitswirksam zum Prozess einen neuen Client auf den Markt gebracht, mit dem man auf alle großen Netzwerke gleichzeitig zugreifen können soll, was die Suchergebnisse und die Geschwindigkeit der Downloads massiv verbessern soll. Bei Erfolg hätte man quasi KaZaa, eDonkey, iMesh, Limewire, Gnutella und G2 in einem einzigen Client. Doch offenbar hat man aus Zeitdruck mit heißer Nadel gestrickt, erste Tester zeigten sich unzufrieden mit der Leistung des neuen Clients, er sei offenbar noch nicht wirklich fertig.

Sollten Morpheus und Grokster wider Erwarten doch noch geschlossen werden, müssten wohl auch alle anderen Tauschbörsenbetreiber in die Anonymität und in die Illegalität abtauchen. Doch an der Verbreitung der beliebten P2P-Netzwerke dürfte auch das kaum etwas ändern. (ur)

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