Tauschbörsen haften für Inhalte

Wegweisendes Urteil in den USA setzt Betreiber unter Druck
Das höchste US-Gericht hat sich dem Druck Hollywoods gebeugt. Tauschbörsen-Betreiber haften für sämtliche Inhalte, die von ihren Nutzern bereit gestellt werden. Damit dürfte eines der wichtigsten Urteile für die Zukunft des Internet gefallen sein.

In mehreren untergeordneten Instanzen hatten sich bisher die Tauschbörsen Grokster und Morpheus gegen die Kläger aus der Unterhaltungsbranche durchgesetzt. Da die Netzwerke dezentral gebaut sind und Inhalte nicht auf einem zentralen Rechner bereitgestellt werden, könne man nicht dafür haften, welche Inhalte im Netzwerk getauscht werden, so die Argumentation der Tauschbörsen.

Doch der US-Supreme-Court sieht das offenbar nicht so. Das Recht der Urheber geht vor. Und damit das Recht Hollywoods, das in Gestalt von MGM zu den Hauptanklägern im Prozess gehörte. Mit dem Urteil ist der Weg frei zu massiven Schadensersatzklagen gegen die Tauschbörsen-Betreiber, die damit in den Ruin und die Illegalität getrieben werden dürften.

EFF-Anwalt Fred von Lohmann, der Morpheus im Prozess vertreten hatte, kritisiert das Urteil scharf und spricht von einer "neuen Ära rechtlicher Unsicherheit" mit der innovative Unternehmen nun zu leben hätten. Die zu erwartende Klagewelle führe dazu, dass Technologie-Unternehmen ihre Produkte nicht mehr nach den Menschen, sondern nur noch nach den Interessen Hollywoods ausrichten können.

Ein Ende der P2P-Technologie ist dennoch nicht abzusehen. Die Tauschbörsen werden einerseits in den Untergrund wandern und von privaten Entwicklern ohne kommerzielle Interessen versteckt weiter entwickelt werden.

Und auch legale Lösungen für P2P-Netzwerke werden derzeit unter Hochdruck an den Start gebracht. So bietet Napster-Gründer Shawn Fannings Firma Snocap einen Filterservice für Inhalte auf lizenzierten Tauschbörsen. Und darüber hinaus die Möglichkeit, über Tauschbörsen Inhalte wie Musik und Filme zu verkaufen. (ur)

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