Tauschbörsen siegen vor Gericht

Nach vielen Niederlagen hat das Tauschbörsen-Lager Ende letzter Woche in den USA mal wieder einen Sieg verbuchen können: In Los Angeles entschied ein Gericht, dass die Tausch-Programme Morpheus und Grokster legal sind.

Der zuständige Richter erklärte in seiner Entscheidung, die für die Verbreitung der Programme zuständigen Firmen könnten nicht für die Taten ihrer Nutzer belangt werden, da sie diese nicht direkt kontrollieren könnten. Als Grund dafür führte er die dezentrale Struktur der von Morpheus und Grokster benutzten Tausch-Netzwerke an. Grokster bildet gemeinsam mit Kazaa das Fasttrack-Netzwerk, Morpheus nimmt seit Version 1.9 am offenen Gnutella-Netzwerk teil. Diese Netzwerke unterscheiden sich derart von Napster, dass dafür andere rechtliche Grundlagen zur Anwendung kommen müssten, entschied der Richter.

Napster setzte zur Beantwortung seiner Suchanfragen auf einen zentralen Index, der Angaben zu allen angebotenen Dateien speicherte. Fasttrack und Gnutella kommen dagegen ohne einen solchen Index aus, Suchanfragen werden statt dessen semi-dezentral über ein Netz so genannter Supernodes verbreitet. Darunter versteht man Rechner, die aufgrund ihrer guten Netzanbindung temporär Serveraufgaben für einen kleinen Teilbereich des Netzes übernehmen.

Die Musikindustrie kündigte nach der Bekanntgabe des Urteils erwartungsgemäß an, in Berufung zu gehen. Doch eine solche Berufungsverhandlung könnte lange dauern. Nach der ersten positiven Entscheidung ist zudem davon auszugehen, dass die Tauschbörsen-Anbieter ihren legalen Status zur Not bis zum obersten Gerichtshof der USA verteidigen werden. Bis der entscheidet, könnten jedoch Jahre vergehen.

Im Netz wird deshalb bereits darüber spekuliert, was Film- und Musikindustrie als nächsten Schritt gegen die Tauschbörsen geplant haben. Im wesentlichen konzentrieren sich die Spekulationen auf zwei Szenarios: Das Verklagen von einzelnen Nutzern und das Forcieren neuer Gesetze, die Morpheus & Co. doch noch illegalisieren könnten. Das dies möglich sei, erwähnte auch der Richter im jetzt gefällten Urteil. Es sei nicht auszuschließen, hieß es dort, dass die Anbieter der Programme die Architektur bewusst so gestaltet hätten, um eine Gesetzeslücke auszunutzen. Dies müsse man nun möglicherweise schließen. (jr)

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