Tauschbörsen töten Netzkultur

Im Internet ist derzeit nicht gut Geld verdienen. Das wissen vor allem die Anbieter von MP3 Tauschbörsen. Deshalb graben sie jetzt nach Angaben der New York Times anderen Internetanbietern das Wasser ab, indem sie deren Affiliate Programme heimlich ausschalten. Turbokapitalismus in Filesharing-LaLa-Land.

Es ist schon fragwürdig, wie die Tauschbörsen KaZaa, Morpheus, Bearshare oder Limewire trotz ihres nicht vorhandenen Geschäftsmodells durch zwielichtige Methoden Geld verdienen wollen. Dabei bleiben nicht nur die Rechteinhaber der Musik aussen vor, nein, inzwischen werden auch Internetnutzer und Internetwebsites als Gelddruckmaschine eingesetzt.

Wie die New York Times berichtet, ist in den unzähligen und undurchsichtigen Nebenapplikationen der Tauschbörsen auch eine Software integriert, die sich fest auf den Computern der Nutzer einnistet und dafür sorgt, dass sämtliche Bestellungen automatisch über deren eigene Affiliate Programme getätigt werden.

Affiliate Programme bieten die meisten Internet-Shops an. Websites können über Affiliate Programme Geld verdienen, indem sie ihre Nutzer auf einen Online-Shop verweisen. Dabei kommt ihnen für ihre Emfpehlung rund 5% des Einkaufs zu. Tonspion etwa ist Affiliate Partner von amazon.de und kann so zumindest seine Portokasse aufbessern, indem man an jeder über Tonspion bestellten Platte ein paar Cent mitverdient. Für den Kunden entstehen daraus keine Mehrkosten. So zumindest die Theorie.

Doch die Praxis sieht nach Meinung von Fachleuten anders aus. Denn die integrierte Shopping-Software der Tauschbörsen klemmt sich genau zwischen diesen Bestellvorgang, sobald sie auf dem Rechner eines Nutzers installiert ist. Das heisst sämtliche Bestellungen werden dann den Tauschbörsen zugeschrieben, auch wenn ein Nutzer tatsächlich über einen anderen Internetanbieter auf einen entsprechenden Shop gelangt ist.
Vor allem kleinere Seiten oder Non-Profit-Organisationen nutzen Affiliate Programme, um die Kosten für ihre Website zumindest teilweise wieder reinzuholen.

Während MP3 Tauschbörsen lediglich Technik zur Verfügung stellen und sich ansonsten einen feuchten Dreck um Kunst und Kultur scheren, werden Internetanbieter, die sich etwa die Mühe machen, eine neue Platte vorzustellen, einen Film zu rezensieren oder andere redaktionlle Dienstleistungen kostenlos anbieten, die dem Nutzer helfen, sich im Dschungel des Netzes zurechtzufinden, jetzt auch noch beraubt.

"Umsonst ist der Tod", so lautet ein alter Spruch, und selbst wenn die Tauschbörsen in vielerlei Hinsicht sehr praktisch sein mögen - ihre vermeintliche Kostenfreiheit könnte in Wirklichkeit sehr bald auf Kosten der Netzkultur gehen. Wer sich nur um die schnelle Mark schert - koste es was es wolle -, der könnte sehr schnell feststellen, dass er sich sein eigenes Grab schaufelt.
Die Klagen gegen die MP3 Tauschbörsen laufen. Es könnten sehr schnell noch einige Kläger mehr sein, die derartige Methoden im Netz nicht mehr zulassen mögen. Totengräber gab`s im Internet schon zu viele.

Amazon.com hat nach eigenen Angaben inzwischen dafür gesorgt, dass die Shopping Programme von Morpheus und Co. ausgeschaltet werden.

Generell empfehlen wir allen Nutzern von Tauschbörsen diese mit der Software Ad-Aware nach Spyware zu durchleuchten und diese zu entfernen. Denn nicht nur Webseiten werden abgezockt, auch umfassende Nutzerdaten werden gesammelt und kommerziell verwertet. Desweiteren sollte man gerade bei den Tauschbörsen auch immer wieder mal das Kleingedruckte lesen beim Installationsvorgang. Denn darauf berufen sich die meisten dieser Anbieter, wenn es um rechtliche Konsequenzen geht. (ur)

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