Tauschbörsen wachsen und planen Künstlerbeteiligung

Auch die jüngsten Klagewellen der Unterhaltungsindustrie konnten das Wachstum der P2P-Tauschbörsen nicht bremsen. Mehr User als je zuvor nutzen Filesharing. Einige Tauschbörsen-Betreiber sprechen nun mit Künstlern und Rechteinhaber, um diese an erwirtschafteten Gewinnen angemessen zu beteiligen.

Die jüngsten Klagewellen könnten das letzte Aufbäumen der Industrie gegen die revolutionäre Technologie des Filesharing darstellen. Jedenfalls scheint die überwältigende Zahl der Nutzer das alles wenig zu beeindrucken. Kein Wunder, scheint es doch mehr als unwahrscheinlich als einer unter Millionen von Nutzern beim Musiktauschen ertappt zu werden. Nach Angaben der Marktforscher von BigChampagne stieg die Zahl der Tauschbörsennutzer weltweit um 19% innerhalb eines Jahres. Die Zahl der verfügbaren Titel stieg im gleichen Zeitraum von 820 Mio auf nun über eine Milliarde.

BigChampagne-Chef Eric Garland sieht nach Angaben der Musikwoche ein Indiz dafür, dass die Klagen völlig wirkungslos sind. "Es ist eine Tatsache, dass die Peer-to-Peer-Nutzung heute viel weiter verbreitet ist als noch vor einem Jahr", so Garland.

Der legale Ableger von KaZaa, der unter dem Namen AltNet seit einiger Zeit hartnäckig aber erfolglos versucht, die Musikbranche als Partner zu gewinnen, hat sich nun in Australien mit Musikern und Verbänden getroffen, um bei der Q Music`s Big Sound Konferenz über mögliche Formen der Beteiligung zu sprechen.

Hintergrund ist, dass viele Parteien von den neuen technologischen Möglichkeiten profitieren. Vor allem die Internetprovider und Hardware-Hersteller verdienen nicht unerheblich an den Unmengen von Musikdownloads, die über Tauschbörsen angeboten werden.
AltNet-Chef Kevin Bermeister meint dazu: "Es muss anerkannt werden, dass die Kunst die Nachfrage erzeugt. So kann man sich in Richtung eines Modells bewegen, das Künstler viel stärker als durch bisherige Plattenverträge an den Erlösen beteiligt."

Für Musiker bedeutet die aktuelle Entwicklung, dass man beim Unterzeichnen von Verträgen sehr genau darauf achten sollte, nicht voreilig Rechte für die Online-Verwertung an Plattenfirmen zu vergeben.
Alle Anzeichen sprechen derzeit dafür, dass immer mehr Künstler und Indielabels mit neuen Technologie-Partnern zusammenarbeiten und somit die Vorreiterrolle für den Musikvertrieb im Netz übernehmen könnten. Apples iTunes ist also noch längst nicht das letzte Wort in Sachen legale Musikdownloads.

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