Telekom Electronic Beats Festival: Masterclass mit Chilly Gonzales

Der Musik-Entertainer spielt und erklärt Musik in der Kölner Kulturkirche

Der kanadische Pianist, Produzent und Entertainer spielte am Freitag beim Telekom Electronic Beats Festival in Köln und unterhielt das Publikum mit improvisierter Musik, Elektronik und Rap - und viel Witz.

Chilly Gonzalesat Telekom Electronic Beats Festival Cologne, Kulturkirche, 20.05.2016 ©Telekom Electronic Beats
Chilly Gonzales beim Telekom Electronic Beats Festival Köln, Kulturkirche, 20.05.2016 ©Telekom Electronic Beats

Es war im Jahr 2000 als Chilly Gonzales sein erstes Album "Gonzales über alles" im Kölner Studio 672 vorstellte auf dem er sich als "Worst MC" mit Riesengoldkette und Trainingsanzug als Trash-Rapper in Szene setzte. Als Support Act damals mit dabei: seine kanadische Landsfrau Peaches. Beide lebten zu der Zeit in einer Berliner WG und brachten zur gleichen Zeit ihre Debütalben beim Indielabel Kitty-Yo heraus. Gekommen waren ungefähr 20 Leute. 

Am Ende des Konzerts luden die beiden die überschaubare Menge Fans und Journalisten in ihr kleines Backstage-Zimmer ein, in dem ein Piano stand. Peaches versorgte die Gäste mit kostenlosen Getränken, während Gonzales sich ans Klavier setzte und drauf los improvisierte. Ein Rapper, der so exzellent Klavier spielen kann? Das war die eigentliche Sensation des Abends. Ein unvergesslicher Moment.

16 Jahre später ist Peaches ein weltweit gefeierter Underground-Star, während Gonzales nach seiner Arbeit für Weltstars wie Feist oder Daft Punk inzwischen Philharmonien mit seinem Solopiano füllt und damit in der Hochkultur angekommen ist. Auch die Kölner Kulturkirche war restlos ausverkauft.

Und das liegt nicht nur an seinem Klavierspiel, denn es gibt viele sehr gute Pianisten, sondern der Art und Weise, wie er seine Musik vorträgt: eingebettet in zahlreiche Erläuterungen zur Musikgeschichte, die er mit Witz und nie mit erhobenem Zeigefinger oder elitärer Überheblichkeit vorträgt. 

Da er von Electronic Beats Festival eingeladen worden war, erzählte er die Geschichte, wie er mit dem Veranstalter um den elektronischen Anteil seines Konzerts feilschte. Am Ende einigte man sich auf 33,33 Prozent und um diese Zeit zu füllen, holte er vereinzelt Leute aus dem Publikum auf die Bühne, um sein Klavierspiel von elektronischen Instrumenten begleiten zu lassen (wofür ein Finger meistens reicht), rappte zum Preset-Drumbeat seines Keyboards oder spielte die Kirchenorgel. Und wechselte ständig Instrumentarium und Spielart.

Genau umgekehrt als damals im Jahr 2000 waren die Rap-Passagen die eigentliche Überraschung des Abends und Gonzales gab immer wieder Kostproben seines losen Mundwerks und rappte selbst im evangelischen Gotteshaus in Köln-Nippes über Dinge, die in den USA normalerweise rausgepiepst werden.

Nur der Kühlschrank blieb diesmal leider geschlossen: während des Konzerts durften keine Getränke ausgeschenkt werden. Klar, der ehemalige Trash-Rapper ist inzwischen E-Musiker, wenn auch ein sehr unterhaltsamer.

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