Thom Yorke: "Youtube stiehlt Kunst wie die Nazis"

"Wo ist da der Unterschied?"

In einem Interview mit der Zeitung La Repubblica wanderte das Gespräch vom kommenden Radiohead-Album und Yorkes Soloalbum schnell zu den derzeitigen Verhältnissen innerhalb der Musikindustrie. Dabei waren auch die Rollen von Google und Youtube Thema.

Thom Yorke und seine Mitstreiter von Radiohead haben für die gängigen Musikvermarktungswege nicht viel übrig. Yorke's letztes Studioalbum, sein Soloalbum "Tomorrows Modern Boxes", veröffentlichte er beispielsweise erfolgreich über die P2P-Tauschbörse BitTorent.

Thom Yorke: 4,4 Millionen legale Downloads via BitTorent

In einem emotionalen Interview mit der italienischen Zeitung La Repubblica verglich Yorke jetzt die Vorgehensweise von Youtube mit der Beutekunst des zweiten Weltkriegs:

"Die Leute werden nicht müde zu sagen, dies sei eine Ära, in der Musik frei, in der Kino frei und kostenlos ist. Das ist nicht wahr. Die Erfinder der Dienste machen Kohle - Google, Youtube. Eine riesige Menge Geld, indem sie Schleppnetze, wie die im Meer, auswerfen - sie nehmen sich einfach alles was es gibt. [...] Sie übernehmen die Kontrolle darüber - es ist das gleiche, was die Nazis während des zweiten Weltkriegs getan haben."

Der Radiohead Frontmann spielt dabei auf die massenhafte Entwendung kulturell bedeutsamer Werke auf fremden Territorien an und ergänzt: "Es ist das, was alle während des Krieges getan haben, auch die Briten - die Kunst der anderen zu stehlen. Wo ist da der Unterschied?". Den können wir ihm bei Gelegenheit gerne erklären, schließlich hat Youtube nicht Millionen von Menschen ermordet.

Im gleichen Atemzug nennt es Yorke scheinheilig, wenn sich eben diese Portale, welche mit den Künstlern massenhaft Geld verdienen und dafür "lachhafte" oder gar keine Beträge zahlen, sich über die Verwendung von AdBlockern auf deren Seiten aufregten. "Das Witzige ist, Youtube sagt, das sei nicht fair. [...] Diese Leute, die vor jeden einzelnen Inhalt Werbung schalten, eine Menge Geld damit machen, während die Künstler nicht oder lachhaft bezahlt werden - das scheint für diese Leute in Ordnung zu sein. Wenn sie aber daraus keinen Profit schlagen können, dann ist es nicht fair."

Neben dem politisch nicht ganz korrekten und eigentlich ziemlich dummen Nazi-Vergleich lässt Thom Yorke aber auch noch was zum neuen Radiohead-Album verlauten. Das ist - entgegen anders lautender Gerüchte - noch nicht fertig und er kann und will auch noch nicht sagen, wann es soweit sein könnte. (Foto: Henry Laurisch/CC)

Update: Radiohead über ihr neues Album

Tonspion Newsletter

Alle wichtigen Neuigkeiten aus der Welt der Musik einmal wöchentlich in deine Mailbox.
Kein Spam, versprochen! Du kannst dich in jedem Newsletter wieder abmelden.
* Pflichtfeld

Tonspion präsentiert täglich die beste neue Musik mit Streams, Videos und kostenlosen Downloads sowie die wichtigsten Neuheiten aus dem Netz.
Folge uns auf Facebook:

Ähnliche News

YouTube Music und YouTube Red starten Streamingabo für Musik in Deutschland

YouTube Music und YouTube Red starten Streamingabo für Musik in Deutschland

Die Google-Tochter will Spotify und Apple Music Konkurrenz machen
YouTube war einer der ersten großen Streaminganbieter. Allerdings war der Musikbranche lange Jahre ein Dorn im Auge, dass auf Youtube viele nicht lizenzierte Musikvideos zu finden waren. Nun hat man sich geeinigt und der Streamingdienst YouTube Music soll noch in diesem Jahr in Deutschland starten und Spotify unter Druck setzen.
Die Toten Hosen (Foto: Erik Weiss)

Die Toten Hosen jetzt bei Streaming Diensten verfügbar

Alle 44 Alben im Stream
Die Toten Hosen gehörten bisher zur kleinen Gruppe der Künstler, die sich noch gegen den unaufhaltsamen Streamingtrend stellten. Das hat nun ein Ende. Jetzt können Fans sich freuen, denn die Punkrocker stellen alle ihre Alben zum Streamen bereit.
Apple Music

Streaming: Apple Music greift Spotify an

Vom Musikstreaming-Dienst zur Entertainment Plattform
Apple Music rüstet sich gegen die Konkurrenten Spotify und Pandora und plant Filme und TV-Serien wie South Park mit ins Programm aufzunehmen. Läuft der Musikstreaming-Dienst damit Gefahr sein Angebot wie MTV zu verwässern?
Jahresrückblick 2016: Udo Raaf

Jahresrückblick 2016: Udo Raaf

Die besten Alben, Songs und Videos des Jahres
Auch wenn es angesichts der Nachrichtenlage so scheinen mag: auch 2016 war nicht alles schlecht. Gerade in Krisenjahren bekommt Musik wieder einen besonderen Stellenwert als gesellschaftlich-kulturelles Ventil. Kein Zweifel: Würden alle Menschen Musik hören, es gäbe wesentlich weniger Hass und Terrorismus auf der Welt. Habt euch lieb. Und hört mehr Musik!