Tobit Playmate: Der iPod des kleinen Mannes

Tobit bringt Radio-Rekorder mit Mini-MP3-Player zusammen
Nach seinem Radiorekorder Clipinc bringt die Software-Firma Tobit nun auch einen Player auf den Markt, mit dem man unterwegs seine Lieblingstitel aus dem Radio hören kann. Wir haben den "Playmate" ausprobiert.

Kleine Brötchen backen, ist nicht das Ding der Firma Tobit. Für den selbst ernannten "Weltmarktführer für den Online-Musikbezug*" (Zitat Presseinfo) muss es schon eine Revolution sein, die die Kombination von intelligenter Aufnahmesoftware und billigen Massenspeichern mit sich bringt.

Die Idee ist einfach und übersetzt ein uraltes Prinzip ins digitale Zeitalter: Mit der kostenlosen Software ClipInc nimmt der User zunächst einmal das laufende Programm seiner bevorzugten digitalen Radiosender auf seinem Rechner auf. Das geht spielend einfach und ohne großes Know-How. Installieren und loslegen.

Die Software erkennt die gespielten Titel im Radioprogramm und erstellt automatisch aus diesen einzelne beschriftete MP3 Dateien. Das ist schon einmal ein riesiger Fortschritt im Vergleich zum Kassettenzeitalter. Das Moderatorengelaber wird praktischerweise gleich weggeschnitten. Anschließend wählt man seine Lieblingstitel aus und überträgt sie per Drag and Drop auf den zugehörigen Playmate Player von Tobit, der für 25 Euro zu haben ist und 1 GB Musik fasst. Der Playmate hat Scheckkarten Format und ansonsten lediglich vier kleine Tasten zur Bedienung (Start, Stop, Vorwärts, Rückwärts). Er verfügt - wie der iPod Shuffle - über kein Display, man sieht also nicht welcher Titel gerade gespielt wird.
Man kann natürlich auch jeden x-beliebigen anderen MP3 Player nehmen, um die mit ClipInc aufgenommenen Tracks zu überspielen. So hat man dann seine Lieblingsmusik aus dem Radio für 0 Euro dabei und braucht "nie wieder Musik kaufen" (Werbespruch Tobit).

Und da kommen wir schon zum Problem des ganzen: Clipinc ist im Grunde für Leute gemacht, die sich kein bisschen für Musik interessieren. Man findet dort den ganzen Schrott, der sowieso rund um die Uhr im Radio läuft und dem man dank Internet inzwischen entrinnen kann. Die Musikqualität der MP3 Dateien erreicht selten mehr als 128 kbit/s, dazu kommt, dass Radiosender i.d.R. ihr Signal stark komprimieren, damit es auch noch auf einem kleinen Kofferradio gut zu hören ist. Auch der Playmate klingt zumindest mit den mitgelieferten Kopfhörern nur wenig besser als ein Kofferradio. Darüber hinaus sind viele Titel unschön abgeschnitten, da Moderatoren die unangenehme Eigenheit haben, in Musikstücke reinzuquatschen.

Doch das eigentlich eklige an diesem ganzen Konzept ist - neben der großkotzigen Kino-Fanfare, die immer dann abgespielt wird, wenn man den Player an den Rechner anschließt - der mangelnde Respekt, der Musik, Künstlern und allen Musikschaffenden hier entgegengebracht wird. Denn die gehen (außer einer bescheidenen GEMA-Abgabe, die für Festplatten fällig wird) vollkommen leer aus! Eine Lücke im Urheberrecht macht`s möglich. Und genau darauf baut Tobit sein Geschäft auf und lässt überwunden geglaubte "Geiz ist geil"-Zeiten wieder aufleben.
Für Chartshörer und Teenis, die sowieso kein Geld für Musik auszugeben haben, mag dieses Konzept aufgehen. Für die etwas anspruchsvolleren Musikhörer, die mehr als nur Radiogedudel hören und sich nicht mit bescheidener Klangqualität zufrieden geben wollen, ist dieses Produkt - trotz des unschlagbaren Preises - eher nicht zu empfehlen.

* Mit weit mehr als 100 000 000 Songs, die ClipInc Tag für Tag an seine Anwender liefert, schlägt diese Plattform iTunes mit täglich 2,7 Millionen Titeln um den Faktor 50" (Zitat Presseinfo Tobit).


Udo Raaf / Tonspion.de

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