Ton in Ton – Welchen Einfluss haben Musikstile auf die Mode?

Musik und Mode waren schon immer eng miteinander verbunden. Dabei spielt der Trend eine ganz wichtige Rolle, denn er zeigt, was der Masse gefällt. Fans eifern der Lebensweise und der Einstellung ihrer Idole nach und das hat nicht nur mit ihrer Musik zu tun, sondern auch der Art wie sich der Star kleidet. Anhand fünf Stilrichtungen erläutern wir den engen Zusammenhang von Mode und Musik.

1. Rock and Roll – Musikalische Rebellion
In den 1960er Jahren sorgte Rock and Roll für eine Emanzipation der Jugend. Die Musik bewirkte einen Wertewandel, der von der Jugend ausgelebt wurde und einen Keil zwischen diese und ihre Elterngeneration trieb. Der King of Rock, Elvis Presley, war das Idol von Millionen Menschen und beeinflusste mit seiner wilden Haartolle und seiner Kleidung nicht nur die Musik, sondern auch die Modebranche. Heute erlebt die Mode in Form der Rockabilly-Bewegung einen frischen Wind. Doch was hatte es damit genau auf sich und wie stehen sie im Hinblick auf den Rock and Roll in Verbindung?

Idol einer gesamten Generation: Elvis Presley. Pixabay © skeeze (CC0 Public Domain 1.0)
Idol einer gesamten Generation: Elvis Presley. Pixabay © skeeze (CC0 Public Domain 1.0)

Idol einer gesamten Generation: Elvis Presley. Pixabay © skeeze (CC0 Public Domain 1.0) 

Die Musik – Krawall und Remmi Demmi
In Deutschland stehen mehrere Bewegungen mit dem Rock and Roll in Verbindung. Am bekanntesten waren die „Halbstarken“, die in den Medien berühmt wurden, da sie nach Konzerten randalierend durch die Straßen zogen. Diese Szenarien, waren in der damaligen Zeit undenkbar, verbildlichten dennoch den sozialen und gesellschaftlichen Wandel, den die Jugend durchlebte. Seitens der Erwachsenenwelt wurde der Rock'n'Roll kategorisch abgelehnt. Künstler wie Elvis oder die Rolling Stones von ihren Altersgenossen für ihre wilde Musik gefeiert und von der Erwachsenenwelt geächtet, die in der körperlichen Musik einen Werteverfall sah.

Die Mode – Zwischen Lederjacke und Pettycoat
Die Halbstarken trugen in der Regel Röhrenjeans, Lederjacken und T-Shirts. Dies zeigt die Verbindung zwischen Mode und Musik, denn im Grunde kopierten die Jugendlichen damit den Modestil, den die Interpreten auch auf der Bühne oder bei anderen öffentlichen Anlässen trugen. Dies war eine Möglichkeit, um sich als Anhänger von Mitläufern zu distanzieren. Rock and Roll ist also erheblich mehr als lediglich die Musik. Während die Mode damals als Statussymbol und darüber hinaus als gesellschaftliche Kritik diente, erfüllt der Rockabilly-Stil heutzutage nur noch einen ästhetischen Zweck. Pin-Up und Pettycoat, Lederjacke und Röhrenjeans sind wieder in Mode. Was damals als Jugendkultur und als Widerstand gegen das „Establishment“ diente, ist heute im wahrsten Sinne des Wortes nur noch eine Modeerscheinung.

2. Die Countrymusik oder „Sweet Home Alabama”
Diese Musikrichtung ist vor allem in den Vereinigten Staaten ein Symbol der amerikanischen Tradition. Zentrum ist heute noch der Ort Nashville in Tennessee. Der große Durchbruch kam in den Südstaaten nach 1945, als der wirtschaftliche Aufschwung die Gegend florieren ließ und der Sound im Radio allgegenwärtig war. Doch zuvor gab es bereits seit den 1920er Jahren erste Tonaufnahmen, die als Vorläufer der Musikrichtung dienen.

Die Musik – Zwischen Bluegrass und Honky Tonk
Die Musik ist traditionalistisch geprägt, besonders durch Instrumente wie Banjos, Mandolinen oder Gitarren. Die Wurzeln gehen auf die europäischen Folkstile aus Wales und Schottland zurück. Inzwischen ist die Musik jedoch durch den Nashville-Sound gekennzeichnet. Die Texte waren stets sehr natur-, und religionsverbunden. Einflüsse aus der Cowboy-Szene und den Arbeitern in den Südstaaten prägten die Musik entscheidend mit, so dass es sich weniger um eine gesellschaftskritische Musikrichtung handelt, als zum Beispiel beim Rock and Roll. An der Musik und den Texten ist bereits erkennbar, dass der Stil vorwiegend vom Leben auf dem Land geprägt war.

Die Mode – Jeans und Cowboystiefel
Der Ursprung der Musik spiegelt sich auch in der Mode wider. Denn hier ist deutlich der Südstaatenstil von Jeans und Cowboystiefeln erkennbar. Synthetik ist außer Mode, stattdessen geht es um reine Naturprodukte. Im Süden wurde großen Wert auf den Rohstoff gelegt. Es gab auch nach dem Bürgerkrieg immer noch große Baumwollplantagen und die Produktion der Jeans war entsprechend ausgeprägt im Süden der Vereinigten Staaten. Die Rohstoffe waren in den Südstaaten zu Hauf verfügbar und entsprechend wurde auch die Weberei und Strickerei vorangetrieben. Das Resultat sind Marken wie etwa die Firma Levi’s, die zu den weltweit größten Konzernen gehört. Grund ist neben der damaligen Verfügbarkeit der Rohstoffe auch die Langlebigkeit des Materials, denn Jeans können getragen werden, bis sie irgendwann komplett verschlissen sind. Gerade im Hinblick auf die Arbeit auf den Feldern und den Farmen sind die Qualität und die Robustheit des Materials Gründe, warum die Jeans und auch die Cowboystiefel im Süden der USA so weit verbreitet sind. Entsprechend ist auf Events, bei denen vorwiegend Countrymusik gespielt wird, auch dieser Kleidungsstil dominierend.

 

3. Schlagermusik – Helene statt Marianne und Michael

Trachten und Schlager gehören zusammen, besonders in den Alpen. Pixabay © Gellinger (CC0 Public Domain 1.0)
Trachten und Schlager gehören zusammen, besonders in den Alpen. Pixabay © Gellinger (CC0 Public Domain 1.0)

Trachten und Schlager gehören zusammen, besonders in den Alpen. Pixabay © Gellinger (CC0 Public Domain 1.0) 

Die Musik – Eigenschaften und Ikonen
Die Wurzeln des Schlagers kommen aus Österreich, genauer aus Wien. Dort, wo eigentlich die Oper zu Hause war, setzte sich der Schlager als „Gassenhauer“ oder Straßenlied jenseits der Konzertsäle durch. In den 1920er und 1930er Jahren bestimmte die Musik der Comedian Harmonists mit ihren gewitzten mehrstimmig vorgetragenen Liedern die deutschsprachige Musikwelt. Entscheidend für das Entstehen des Schlagers war das neue Massenmedium Radio, das sich rasend schnell verbreitete und aus einem Lied einen „Schlager“ machte, der überall zu hören war. Die Verbindung von Schlager und Folklore-Klängen wurde als volkstümliche Musik bekannt.

Die Mode – Traditionelle Trachten
Die Mode des Schlager ist am besten auf den bayrischen Oktoberfesten erkennbar. Dirndl für die Frauen und Lederhosen für die Männer sind hier ein Muss. Stars wie Andreas Gabalier zeigen, dass die konservative Musikrichtung und Tracht zusammengehören. Weitere Beispiele hierfür sind etwa die Wildecker Herzbuben oder Marianne und Michael, die den volkstümlichen Schlager durch die Musik und durch ihre TV-Präsenz deutschlandweit bekanntmachten.
Ähnlich wie bei der Countrymusik ist auch hier die Tradition der Region als Hauptgrund für die Verbindung zwischen Mode und Musik zu nennen. Heute sucht sich Schlager neue Formen und Trends und hat mit Helene Fischer, die Schlager mit Pop verbindet, ein neues Role-Model, das nur noch wenig mit der traditionellen, volkstümlichen Schlagerwelt zu tun hat und sich auch modisch anders in Szene setzt. Künstler wie Laing, Klee oder Marla Blumenblatt verbinden heute Schlagernostalgie und moderne Popmusik und machen deutschsprachige "Gassenhauer" auch jenseits von Ballermann und Bierzelt wieder trendy.

Helene Fischer Wikimedia © Fred Kuhles (CC-BY-SA-3.0

4. Flower Power


Der VW-Bully steht symbolisch für die Hippiebewegung. Pixabay © WikimediaImages (CC0 Public Domain 1.0)

Die Musik – Love and Peace
Die Texte und die Klänge waren gekennzeichnet durch den Wunsch der Anhänger, aus der verkrusteten Nachkriegs-Gesellschaft auszusteigen. Verstärkt wurde dieser Trend durch die Friedensbewegung, die während des Vietnamkriegs aufkam. Eng in Verbindung mit der Hippiebewegung steht das Festival von Woodstock, welches als einer der Höhepunkte angesehen werden kann, und die friedliebende Einstellung der Hippies sowie deren Hang zu psychedelischer Musik und bewusstseinserweiternden Drogen verdeutlicht. Die Künstler sangen von der Loslösung der gesellschaftlichen Verpflichtungen, von Frieden und freier Liebe.

Die Mode – Schlag, Muster und bunte Farben
Wie die Musik, so sollte auch die Mode polarisieren. Männer trugen langen Haare und Schlaghosen, Frauen hatten Blumen im Haar. Die allgegenwärtigen bunten Oberteile sollten als sichtbarer Widerspruch zu der damaligen Gesellschaft dienen. Gemeinsamer Nenner war die Friedensbewegung und die Abkehr vom Militär. Während den Soldaten die Haare geschoren wurden, ließen sich die Hippies diese lang wachsen. Gleiches galt für die Kleidung, denn statt einheitlicher Uniformen versuchten die Verfechter eine bunte Vielfalt zu zeigen. „Make Love – not War“ diente somit als Motto für die Musik sowie die Mode und sollte die Bürger zu einer friedliebenderen und antiautoritäreren Gesellschaft formen.

5. Gothic – Dunkle Töne mit Tiefgang

Die Musik – Eigenschaften und Ikonen
Diese Richtung, die häufig als satanistisch eingestuft wird, entstand in den 1980er Jahren in Großbritannien. Grundlage war der „Post-Punk“. In diesem Beitrag geht die Autorin Dunja Brill näher auf diese Musikrichtung und besonders auf die Auseinandersetzung mit dem Tod und der den Abgründen der menschlichen Seele ein.
Die Musik ist besonders durch das Bass- und Gitarrenspiel geprägt. Die Bassgitarre spielt dabei nicht im Hintergrund, sondern bestimmt häufig den Ton und die Melodie. Entstanden ist die Richtung aus Punk, New Romantic sowie der Schwarzen Romantik.

Die Mode – Schwarze Kutten und Metall
Genau wie die Musik auch, steht das Dunkle im Vordergrund. Hier dominiert der viktorianische Stil, erkennbar an Korsetten, den langen Kutten und den ausfallenden Kleidern. Aber auch aus den modernen Richtungen, besonders aus der S/M-Szene werden viele Eindrücke übernommen. Knappe Lederröcke, Plateauschuhe oder andere Fetischartikel gehören aus diesem Grund ebenfalls dazu. Auch Kultzeichen, etwa Pentagramme, umgedrehte Kreuze, Totenschädel oder Teufelsfratzen sind immer wieder bei den Accessoires zu sehen. Wichtig ist das Infragestellen von Themen, die von der Gesellschaft als Tabu angesehen werden. Entsprechend sind die Musik sowie die Kleidung grundsätzlich als Tabubruch zu betrachten und steht damit der rebellischen Haltung des Rock’n’Roll sehr nahe.

6. Fazit – Revival der Stilrichtungen
Modetrends wiederholen sich immer wieder. Das ist erkennbar an Beispielen wie der Hippiemode oder dem Rockabilly-Stil. Sogar Trachten sind nach wie vor häufig zu sehen, auch wenn dies in der Regel saisonal mit dem Oktoberfest in München und vergleichbaren Großveranstaltungen verbunden ist. Dennoch ist erkennbar, dass Mode weitaus öfter eine Renaissance erlebt als die Musik. Während die Kleidung und die Accessoires periodisch immer wieder gefragt sind, ist dies bei der Musik nur selten der Fall. Heutzutage sind die alten Trends erneut auf dem Vormarsch und sie werden sogar miteinander kombiniert. Ein Beispiel dafür ist Andreas Gabalier, der nicht nur die Trachtenmode favorisiert, sondern zudem auch eine Rockabilly-Frisur trägt und sich als „Volks-RocknRoller“ stilisiert und damit twei Stilrichtungen verbindet, die sich eigentlich ausschlossen. Doch nicht nur die Mode, sondern auch die Musikstile werden heute gerne kombiniert, erkennbar an der Band Cowbell, die unter anderem Rockabilly- und Countrymusik mischen.

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