Tonspion beim Festival Internacional de Benicassim pt. I

Auslandsrecherche meets Betriebsausflug. Südeuropäische Sommerhitze trifft internationales Glitzerlineup. Für alle Freunde des Tonspion, die nach unserer sanft drückenden Promotion und unserer schicken Compilation immer noch keine Lust aufs feinste Festival der Welt hatten, hier der erste Teil unseres FIB-Berichtes.

Vorher.
Lange Zeit im Bus, viel Schweiß, nette Menschen, Zeltaufbau und Morgenhitze. Lange Zeit am Strand, Sonnenbrand und Selbstgekochtes. Eindrucksvolle Tanzperformances, nette Kunstinstallationen, ein recht sympathischer Ort am Mittelmeer, Paella und nach-Bändchen-anstehen. Kennenlernen und Trinken. Tagesausflug nach Valenica, Hitze und angenehme Erschöpfung. Freude auf den großen Spaß, den das Programmheft in der Hand verspricht.

FIBSTART.
Auf einem relativ kleinen Teil des Festivalgeländes steigt die FIB-Auftaktparty. Die Veranstalter und Booker zeigen hier einmal mehr, wie sehr sie auf Poprockmusik britischer Prägung stehen. Mit Calc und Budapest gibt es gleich zwei recht eindeutig Radiohead-Muse-Coldplay-geprägte Bands, der Rest folgt in nicht sehr weiter Entfernung, ob er nun Sunday Drivers oder Pernice Brothers heißt.

Mit Deluxe feiert vor allem das spanische Publikum sehr ausgiebig, während sich der Abend dann schnell in etwas schmandiger Britrockmusik verliert. Die später aufgefahrenen DJ-Sets von Christian Vogel et.al. reißen das Ruder noch einmal herum, viel froher noch stimmt jedoch der erneute Blick ins Programmheft: Das durchweg begeisternde Programm des nächsten Tages wartet. Zu feiern gibt es noch genug und als Auftaktparty geht das hier allemal in Ordnung.

FIB TAG EINS
Fluffiger Groovepop mit Souvenir ist definitiv ein guter Festivalbeginn. Ein okayes Einstimmen ist hier möglich; direkt mit Daniel Johnston und seinem schlicht wunderschönen Auftritt muss man ja dann doch nicht beginnen. Kein Moment, der in seinem Soloset nicht großartig ist. Wunderschöne Popsongs, denen kein falscher Ton, kein Fehlgriff etwas anhaben kann. Es folgen die Delgados, die sich zwar nicht so oft verspielen, aber weitaus weniger begeistern können. Lieber schaut man sich woanders um.

Erlend Oye trifft man da zum Beispiel. Der ist einfach mal mit neuer Band angekommen. The Whitest Boy Alive spielen schmuckes Oye-Material und neue Songs "you probably won`t hear before next year". Das auf diese Ankündigung folgende Konzert lässt großes erwarten. Zu fantastischer Tanzmusik verschenkt Erlend glitzernde Melodien, Backstageausweise und Bühnendeko. Und was 2004 angeht: Hibbelig sein ist angeraten.

Erlend Oye mit Band, Badly Drawn Boy dafür solo. Und wunderbar, wie dann ja wohl doch immer. Das Gottlied "Once Around The Block" immer wieder angespielt und doch bis zum Schluss aufgehoben. Tourmanager Steve begleitet mal am Klavier. Und nach Daniel Johnston und "True Love Will Find You In The End" schenkt Damon Gough mir persönlich den zweiten Moment, in dem mir vor traurigem Glück fast die Tränen kommen. "You Were Right" ist hier und jetzt und immer wirklich sehr, sehr schön.

Auch schön: Tanzen. Und Roisin Murphy lädt dazu ein. Tanzt sogar selber vor. Zeigt mit perfekter Band und perfekter Show, dass Moloko live nichts für Kopfnicker und Geschmacksdemonstranten sind. Tanzen, bittesehr. Und ich so: "Schon dabei".

Es fährt kein Shuttlebus mehr, der mich zum Campingplatz bringt. Es ist ja auch schon fast 5 Uhr morgens. Und so muss ich die Schwermut, die Beth Gibbons & Rustin` Man mir gerade einflößten, selbst nach Hause tragen. Ebenso die Erinnerung an diese großartige Stimme und die extrem gute Band, die sie umspielt. Und ebenso: Das Bild einer Beth Gibbons, die erfreulich gut gelaunt ist, sich verschämt freut wie ein Schulmädchen, weil sie bis auf "Gracias" kein spanisches Wort kennt - und die, nachdem ihre Band schon lange verschwunden ist, immer noch ihr Publikum umarmt, von ihm getragen wird und sich nur schweren Herzens von diesem Konzert trennen will.

Vielleicht ist das Fehlen dieser Begeisterung der Grund dafür, dass Blur einen eher faden Eindruck hinterließen. Headlinertechnisch vor Beth Gibbons ins Programm gesetzt, spielte man altes und neues Material durch die Gegend und kommt mit großer Begleitband samt Percusionisten und Backgroundchor daher. Und obwohl "Song 2" das gesamte Publikum rocken und man "The Universal" wohl einfach nicht falsch machen kann: Der Spagat zwischen alten und neuen Blur funktioniert nicht und schmeckt nach einer seltsamen Mischung aus mia.s Abgedreht- und der Gesetztheit eines Phil Collins. Aber das ist eigentlich nicht wichtig. FIB Tag 2 wartet. (sc)

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