Tonspion Jahrescharts 2007: Harald Reiter

Der klassische Jahresrückblick von Harald Reiter

Alle Jahre wieder hören sich die Tonspion-Autoren noch einmal quer durchs Jahr und küren ihre Favoriten. Hier die persönlichen Tops und Flops von Klassik- und Hörbuchredakteur Harald Reiter.



Bestes Klassikalbum 2007:

Richtig begeistert hat mich die letzte Leonard Bernstein - Beethoven Box bei Deutsche Grammophon. Da sind zwar auch echte Heuler drin, etwa sein musikalisch leider unsägliches "Freiheit schöner Götterfunken"-Konzert an der frisch gefallenen Berliner Mauer, aber eben auch eine seiner besten Aufnahmen, mit den beiden zu Herzen gehenden Fassungen für Streichorchester der beiden späten Streichquartette op. 131 und 135 aus Wien. Wer sonst hat jemals ein Beethovensches Original an Ausruckskraft und Empfindsamkeit noch zu toppen vermocht?

Die besten MP3 im Tonspion 2007:

Végh Quartett: Beethoven, Sämtliche Streichquartette
Für alle, denen die Kammermusik sich noch nicht erschlossen hat, die die nur vermeintlich so strenge kleine Form bisher als zu spröde empfinden. Schon 1970 aufgenommen - doch seitdem hat keine Formation mehr Beethoven so natürlich, so menschlich, so musikalisch gespielt, schon gar nicht die im allgemeinen Bewußtsein etablierten Größen wie etwa das Alban Berg Quartett.

Grigory Sokolov spielt Chopin
Das Salz der Erde unter den heute lebenden Pianisten. Ein unbeugsamer, titanischer Philosoph, der bis ins Letzte jeden Ton auskostet, der die technischen Apekte des Klavierspielens transzendiert. Sein Chopin bringt die Fähigkeit des Komponisten zum Ausdruck, in kleinen Miniaturen ganze Welten aufzutun, weit entfernt von jeder Süßlichkeit, sondern atemberaubend klar strukturiert - und gerade deshalb zum Weinen schön.

Sándor Végh: Bach, Sonaten und Partiten für Violine Solo
Auch als geigender Solist hat der gebürtige Ungar Végh Großes geleistet, ehe in eine fortschreitende Arthritis in die zweite Laufbahn als Dirigent gezwungen hat. Es gibt technisch brillantere Aufnahmen von Bachs Meisterwerk für Violine, aber kein anderer Solist ist dieser Musik derart auf den Grund gegangen. Dieser Bach hat ergreifende Tiefe, überirdische Höhe und epische Breite.

Bester Musikmoment:
Gravenhurst, Song Among the Pine, zuerst gehört in einer 3sat-Doku über den Film, und Zwanie Johnson, My Little Proud Bird, zuerst gehört am Flughafen Schönefeld spätnachts im Autoradio auf Radio 1. Zwei Außenseitersongs voller Haltung und Stolz, voller magnetischer Melancholie, die Sogwirkung entfalten. Die man immer und immer wieder hören kann und muss. Gerade jetzt in der grauen Zeit.

Schlimmster Musikmoment:
Wiederholte sich ad infinitum: Du hörst irgendeine neue Aufnahme und dir fallen sofort fünf Leute ein, die das in der Vergangenheit schöner, tiefer, echter gemacht haben.

Wunsch für 2008:
Mehr Künstler, die einfach nur Musik machen wollen und auf alles andere pfeifen!

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