Tonspion Jahrescharts 2007: Julia Wilczok

Der Klick zurück

Phantomschmerzen überwunden, Gabbaprolls umarmt und nebenbei auch noch perfekt Pfeifen gelernt: Jede Menge Indiemusic with a twist hat Tonspion-Autorin Julia Wilczok heil durch 2007 gebracht.



Bester Song 2007:

Feist – „1234“
Bei Leslie Feist klingt immer alles ganz leicht, in etwa als würde man versuchen, einen Regenbogen zu vertonen. Zu diesem Bild passt auch das Video, in dem Feist und ihre „Freunde“ in bunten Catsuits durch die Gegend tanzen. Selbst der iPod-Werbung ist es nicht gelungen – wie so oft bei Commercial-Songs - „1234“ zu töten. Tolle Frau, großartiger Song, spitzen Video, und knack-enge Ganzkörperanzüge sind auch gerade wieder in Mode.

Bestes Album 2007:

Arcade Fire – „Neon Bible“ (City Slang)
Ob es wirklich nötig war, sich für die Aufnahmen von „Neon Bible“ eine eigene Kirche anzuschaffen, sei dahingestellt. Doch wer Pauken, Bläser, Orgel und Streicher auffährt, braucht schließlich einen angemessenen Rahmen. Die Hoffnung stirbt zuletzt, sagt der Volksmund. Bei den Drama-Königen von Arcade Fire erstickt sie bereits im Keim. Wer gerade fast vor Liebeskummer verreckt, fühlt sich ungeheuer verstanden.

Die besten MP3 im Tonspion 2007:

The Shins – „Phantom Limb“

Die Lieder der Shins bieten in absolut jeder Lebenslage moralische Unterstützung. Egal, ob gerade dein Hamster gestorben ist oder du die Zusage für den neuen Spitzenjob bekommen hast – die klagende Stimme von James Mercer intensiviert so gut wie jede Empfindung und vermag es, sogar schlimmste Phantomschmerzen am Herzen zu lindern.

Peter, Bjorn And John – „Young Folks“

Diese Anleitung zum Pfeifen setzt sich im Gehörgang fest wie Plätzchenteig unter den Fingernägeln. Simple Songstruktur, Gitarren und ein paar schüchterne Bongos vereinen sich zu dieser charmanten Sympathiebekundung. Hierzu existiert ein wunderbares Comic-Video.

The Whitest Boy Alive – „Burning“
„Skinny Boys With Glasses“ sind nicht jedermanns Sache. Handelt es sich bei dem schrecklich dünnen und dick bebrillten Jungen allerdings um Erlend Oye, kann man ruhig mal ne Ausnahme machen. Kings of Convenience-Mitglied, Röyksopp-Sänger, Solokünstler: Der Sound-Workaholic und Meister der Melancholie hat viele Feuer am Köcheln und ist live fast noch besser als auf Scheibe.

Hot Chip – „I Became A Volunteer“
Das Wort Klangteppich klingt ganz schön altbacken, auf diesen Hot Chip-Song passt es aber wie der Christstern auf den Tannenbaum. „I Became A Volunteer“ wabert geschmeidig und mit bestimmtem Beat vor sich hin. Frei nach der Schaumwein-Devise - ein bisschen süß, aber hauptsache es knallt. Das dritte Album der Briten kommt übrigens im Februar. Sänger Joe Goddard macht schon ein wenig Eigen-PR: „Die meisten Leute, die es gehört haben, finden es ziemlich spitze.“

Jamie T – „Oh My Girl“
Gut, Jamie T hat das Rad nicht neu erfunden, aber er stellt damit ganz nette Dinge an. So mixt er clever alles zusammen, was ihm in die Finger kommt. Bei „Oh My Girl“ sind das eben Reggea, Ska, Cyber-Fanfaren gepaart mit seiner britischen Kodderschnauze.

Bester Musikmoment:
Die Beatsteaks in der Wuhlheide in Berlin. 70.000 Fans, die trotz Matsch und Regen kein Quäntchen ihrer euphorischen Stimmung verloren. Junge, Alte, Rocker, Metalfreaks und Gabbaprolls - so funktioniert Völkerverständigung.

Schlimmster Musikmoment:
Kate Nash in Berlin. Der Columbia Club war proppenvoll, das Publikum extrem agressiv und von Kate aufgrund extremer Menschenmassen gerade mal die obere Hälfte des Gesichts zu sehen. CD anhören hätte es auch getan.

Wunsch für 2008:

Dass das Hurricane nicht wieder ins Wasser fällt und ich nach zwei verpassten Chancen endlich einmal The Shins live sehen werde – das letzte Mal lag ich mit 39 Grad Fieber im Bett.

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